Produktion bei Bosch Murrhardt steht still

Ganztägiger Warnstreik dauert bis Freitagfrüh – Gewerkschaftler freuen sich über Solidarität der Nicht-IG-Metall-Mitglieder

Bei Bosch in Murrhardt hat gestern kein Mitarbeiter die Frühschicht angetreten. Foto: J. Fiedler

MURRHARDT (cs). Nach dem Auftakt der ganztägigen Warnstreiks der IG Metall im Rems-Murr-Kreis am Mittwoch bei Stihl in Neustadt haben sich gestern die Mitarbeiter des Bosch-Werks am Standort Murrhardt angeschlossen. Für Betriebsratsvorsitzenden Jürgen Voag ist die Beteiligung von so gut wie 100 Prozent der Belegschaft „bombastisch“. Bei der Kundgebung am Donnerstagmorgen gegen 9 Uhr stellt er fest, dass kein einziger Mitarbeiter zur Frühschicht durchs Tor gegangen sei und die Streikposten nichts zu tun hätten. Die Produktion steht still und die Gewerkschaftler sind guter Hoffnung, dass sich das während der 24 Stunden des Warnstreiks auch nicht mehr ändert. Die (Warn-)Streikbereitschaft ist offensichtlich hoch. Voag spricht den IG-Metall-Mitgliedern genauso ein Kompliment aus wie den Kollegen, die nicht in der Gewerkschaft sind, sich aber solidarisch gezeigt hätten und der Arbeit ferngeblieben seien. „Ich denke, auch sie haben verstanden, dass unsere Forderungen richtig sind“, sagt er.

Plakate zur Straße machen auf den Warnstreik aufmerksam, bei dem sich auch Auszubildende beteiligen dürfen, wie Ralf Ruso, der den Vertrauensleuten in Murrhardt vorsteht, erläutert. Bereits bei der Abstimmung unter den Mitarbeitern am Montag habe sich abgezeichnet, dass die Aktion praktisch zu 100 Prozent mitgetragen werde. Unter den Mitarbeitern, die sich wegen des Regens unter dem Dach eines Vorbaus mit Fahrradständern versammeln, sind auch einige Kollegen von Bosch WaP aus Waiblingen, wo zur selben Zeit ein Warnstreik über 24 Stunden läuft.

Matthias Fuchs, erster Bevollmächtigter der IG Metall Waiblingen, gibt bei der Kundgebung eine Einschätzung der Lage. Als Mitglied einer Hintergrundkommission habe er den Eindruck, dass die Arbeitgeber bisher über kein Lösungsszenario für die Tarifrunde verfügen. Die Forderungen der IG Metall sind sechs Prozent mehr Lohn und die Möglichkeit, die Arbeitszeit für zwei Jahre auf bis zu 28 Stunden pro Woche zu reduzieren – mit Entgeltzuschuss. Fuchs skizziert auch den aktuellen Kompromissvorschlag, den die Arbeitgeber aber abgelehnt hätten. Er weist deren Vorwurf zurück, die IG Metall sei darauf aus, Konflikte anzuzetteln, und sieht der Klage der Arbeitgeber gegen die Warnstreiks inklusive Schadensersatzforderung gelassen entgegen: „Das sind Nebelkerzen. Wir haben da keine Angst.“

Matthias Fuchs geht davon aus, dass es Mitte nächster Woche auch zu einer Urabstimmung in den Betrieben kommt, bei der über einen Streik entschieden wird.