Windrad: Zustimmung knapp verweigert

Murrhardter Gemeinderat lehnt einzelne Anlage auf dem Zollstock-Springstein mit neun zu acht Stimmen ab

Die Diskussion um den Bau eines einzelnen Windrads auf dem Springstein, wurde am Donnerstagabend im Murrhardter Gemeinderat intensiv und vergleichsweise sachlich geführt. Die Entscheidung mit neun zu acht Stimmen folgte dem Vorschlag der Verwaltung, das Einvernehmen zu verweigern. Die endgültige Entscheidung liegt beim Landratsamt.

Von Christine Schick

MURRHARDT. „Bei jedem Entschluss muss man verschiedene Dinge abwägen“, begann Bürgermeister Armin Mößner am Donnerstagabend seine Stellungnahme zum Thema Windenergie auf dem Springstein. Die Stadt habe an anderer Stelle über eine Million Euro für den Klimaschutz investiert – unter anderem für energetische Gebäudesanierungen und den Bau von Heizkraftwerken. Alles wolle er dem Klimaschutz aber nicht unterordnen. Man habe sich für den Standort Zollstock-Springstein eingesetzt, um dort mehrere Anlagen zu bündeln (wir berichteten). Wegen des Konflikts mit dem Drehfunkfeuer (Anlage der Deutschen Flugsicherung) „ist jetzt nur ein Windrad möglich“.

Weiter zu bedenken gab Mößner die Höhe der Anlage mit 230 Metern. Angesichts der Regelungen für den Außenbereich, beispielsweise für Nebenerwerbslandwirte, die dort noch nicht mal eine kleine Scheune errichten dürften, sieht er hier eine große Diskrepanz. Bei Gesprächen mit Bürgern aus der unmittelbaren Umgebung habe sich die Begeisterung für das Projekt in Grenzen gehalten.

Des Weiteren ging Mößner auf die möglichen Einschränkungen der Landwirte im Zusammenhang mit dem Schutz des Rotmilans ein und problematisierte den Transport für einen Anlagenaufbau über Siebenknie. Der Beitrag der Anlage sei abzuwägen mit dem Eingriff in die Natur, der hier mehr gewichtet werden müsse als in anderen Landstrichen. Deshalb empfehle die Verwaltung bei ihrer Stellungnahme gegenüber den Plänen, das Einvernehmen zu verweigern.

Mitten in der Energiewende:

Es heißt, aufs Ganze zu schauen

Martin Stierand (MD/AL) bezeichnete sich als leidenschaftlichen Waldspaziergänger und könne auch die Sorgen der Landwirte verstehen. „Trotzdem sollten wir aufs große Ganze schauen.“ Man stecke mitten in der Energiewende. Er kritisierte sowohl die Trägheit der Deutschen Flugsicherung als auch die Bundesbehörden, die in diesem Punkt nicht an einem Strang zögen. Er sprach sich für die Errichtung der Windenergieanlage als Leuchtturmprojekt aus.

Edgar Schäf (SPD) erinnerte an die Vorgeschichte des ehemals interkommunalen Projekts, sprach sich aber auch für den Bau des einzelnen Windrads aus. „Wir müssen es nicht bezahlen und haben so die Möglichkeit, einen Beitrag zu leisten.“ Zwar sei das Windrad mit einem Ja des Gemeinderats noch nicht genehmigt, aber ihn habe die Zahl an Haushalten, die mit der Anlage versorgt werden können, positiv beeindruckt. Ebenso verwies er auf die Nachbarn in Gaildorf, wo es anfangs auch Widerstand gegeben habe, nun aber eine Versorgung von rund 14000 Haushalten möglich sei.

Für Wolfgang Hess (UL) war der ausschlaggebende Punkt, dass sich der Gemeinderat im Vorfeld dafür ausgesprochen habe, auf dem Springstein mehrere Anlagen zu konzentrieren. „Wir wollen die Energiewende, aber keine Einzelanlagen.“ Für ihn sei die Geschichte mit dem Drehfunkfeuer verwunderlich. Hess schlug vor, die Entwicklung abzuwarten und dann nochmals drüber zu reden.

„Bis spätestens 2022 sollen alle Atomkraftwerke abgeschaltet sein“, sagte Andreas Winkle (CDU-FWV). Wenn eine alternative Versorgung dann nicht steht, bedeute dies, Strom von den Nachbarländern zu importieren. „Das heißt auch, dass die Preise steigen werden.“ Winkle plädierte dafür, den Einstieg mit einem Windrad zu wagen. Sein Fraktionskollege Rolf Kirschbaum plädierte hingegen für den Landschaftsschutz und gegen die Errichtung eines solchen „Monstrums“.

Die Entscheidung fiel knapp aus: Neun Mitglieder des Rats stimmten für und acht gegen den Verwaltungsvorschlag, das kommunale Einvernehmen zu den Plänen zu verweigern. Nun bleibt abzuwarten, wie das Landratsamt beschließt.