Beide Kandidaten haben ein gutes Gefühl

Morgen wählen die Backnanger ihren Oberbürgermeister – Deutlich mehr Briefwahlanträge als vor acht Jahren

Heute werden Frank Nopper und Volker Dyken noch ein letztes Mal an Infoständen in der Innenstadt um Stimmen werben, dann haben die Wähler das Wort. 28300 Backnangerinnen und Backnanger sind morgen aufgerufen, ihren Oberbürgermeister zu wählen. Die Zahl der Briefwahlanträge lässt eine höhere Wahlbeteiligung als bei der OB-Wahl vor acht Jahren erwarten.

Oberbürgermeister Frank Nopper (links) und sein Herausforderer Volker Dyken haben in den vergangenen Wochen viele Gespräche mit Bürgern geführt. Fotos: A. Becher

Von Kornelius Fritz

 

BACKNANG. Für Frank Nopper ist es die dritte Oberbürgermeisterwahl und die Wiederwahl scheint ihm so gut wie sicher. Trotzdem spürt auch der Amtsinhaber vor dem Wahltag ein Kribbeln: „Eine Anspannung ist schon da, das kann ich nicht leugnen“, sagt der 56-Jährige, der seit 16 Jahren an der Spitze der Verwaltung steht. Wobei es für ihn wohl weniger um die Frage geht, ob er wiedergewählt wird, als darum, mit welchem Ergebnis. Bei seiner ersten Wiederwahl vor acht Jahren erhielt Nopper 86,8 Prozent der Stimmen. Auch damals gab es nur einen Gegenkandidaten. Ist dieses Ergebnis der Maßstab? „Ich habe mir persönlich eine Messlatte gesetzt, aber die verrate ich vorher nicht“, erklärt Nopper.

Eine Zahl nennt der Amtsinhaber lediglich bei der erhofften Wahlbeteiligung: 40 Prozent sind sein erklärtes Traumziel – das wären rund drei Prozentpunkte mehr als vor acht Jahren. Nimmt man die Zahl der Briefwahlanträge als Orientierung, könnte sich dieser Wunsch erfüllen: Bis gestern Nachmittag haben nach Angaben des Hauptamtes 2166 Wählerinnen und Wähler Briefwahl beantragt. Bei der OB-Wahl 2009 gab es nur 1058 Briefwähler.

Bei Nopper schwingt auch die Hoffnung mit, dass sich eine höhere Wahlbeteiligung positiv auf sein persönliches Ergebnis auswirken könnte. Denn der OB weiß: „Wer seinen Protest kundtun will, wird auf jeden Fall zur Wahl gehen, und zwar mit der Faust in der Tasche.“ Diejenigen, die mit ihm und seiner Arbeit zufrieden sind, dürften schwieriger zu mobilisieren sein. Deshalb hat Nopper im Wahlkampf Gas gegeben: Mehrfach hat er an Infoständen sowie früh morgens an den Bahnhöfen um Stimmen geworben. Auch alle Backnanger Stadtteile und Teilorte hat das CDU-Mitglied besucht. Die Stimmung in der Bürgerschaft hat er dabei als positiv wahrgenommen: „Ich habe sehr viel Zuspruch erfahren.“

Wahlergebnis wird

gegen 19 Uhr erwartet

 

Aber auch Gegenkandidat Volker Dyken geht mit Optimismus in die Wahl. Überall in Backnang sei er in den vergangenen Wochen freundlich empfangen worden, berichtet der Herausforderer, der Mitglied der Piratenpartei ist. „Ich habe nicht mit so viel positiver Resonanz gerechnet.“ Den Wahlkampf bezeichnet Dyken als „herausfordernde und aufregende Zeit“. Dass die ausgerechnet mit dem Ende des Schulhalbjahres und somit mit der Notenabgabe zusammenfiel, machte es für den Gymnasiallehrer nicht einfacher. Bereut hat der 48-Jährige seine Kandidatur aber nicht: „Es hat eine Menge Spaß gemacht.“

Dyken ist Realist genug, dass er nicht ernsthaft damit rechnet, als OB ins Rathaus einzuziehen. Aber er hofft auf einen Achtungserfolg: „Zweistellig ist das Mindestziel. Was darüber hinaus möglich ist, kann ich nicht einschätzen“, sagt Dyken. Vor acht Jahren hatte Noppers damaliger Gegenkandidat, der politisch völlig unerfahrene Dennis Damaschke, 12,5 Prozent der Stimmen geholt. Ein Ergebnis, das Dyken natürlich gerne toppen würde.

Ein wirkliches Aufregerthema hat es im OB-Wahlkampf nicht gegeben: Er sei von den Bürgern häufiger auf die Sauberkeit in der Stadt angesprochen worden, berichtet Frank Nopper. Auch die Umgestaltung des Bahnhofs und der Ausbau der Kinderbetreuung seien wichtige Themen gewesen. Volker Dyken hatte den Eindruck, dass sein Vorschlag, die Kindergartengebühren zu senken, gut ankam, ebenso seine Forderung nach mehr direkter Bürgerbeteiligung. Den Wahlkampf haben beide Kandidaten als fair und sachlich empfunden: „Herr Dyken war im persönlichen Umgang fair und angenehm“, sagt Frank Nopper. Der gibt das Kompliment zurück: „Es war ein sehr sportlicher Wettstreit. Die Konkurrenz hat uns gegenseitig zu noch besseren Leistungen angespornt.“

Morgen wollen beide Kandidaten nun einen geruhsamen Sonntag verbringen, ehe sie ab 18 Uhr im historischen Rathaus auf das Wahlergebnis warten. Auch interessierte Bürger können dort die eingehenden Ergebnisse aus den 37 Wahlbezirken verfolgen, die im Foyer und im Sitzungssaal per Beamer an die Wand projiziert werden. Mit ersten Ergebnissen sei je nach Wahlbeteiligung ab 18.15 Uhr zu rechnen, sagt die stellvertretende Hauptamtsleiterin Hannah Kurz.

Sobald alle Ergebnisse vorliegen, tritt der Gemeindewahlausschuss zusammen, um in öffentlicher Sitzung das Ergebnis festzustellen. Voraussichtlich gegen
19 Uhr wird Erster Bürgermeister Siegfried Janocha dann offiziell den Wahlsieger verkünden.