Spannend und entspannend

Frieder-Berlin-Trio präsentierte in der Ratsscheuer Unterbrüden 100 Jahre Jazzgeschichte

Eine großartige, faszinierende Reise durch mehr als 100 Jahre Jazzgeschichte bot das Frieder-Berlin-Trio in der voll besetzten Ratsscheuer in Unterbrüden. Der bekannte Jazzpianist und SWR-Musikredakteur Frieder Berlin (Klavier) mit Hansi Schuller (Bass) und Peter Schmidt (Schlagzeug) spannten auf Einladung des Kulturkreises Bildungszentrum Weissacher Tal einen überaus abwechslungsreichen Bogen über diese variantenreiche Musikrichtung.

Harmonierten perfekt: Frieder Berlin (Klavier), Hansi Schuller (Bass) und Peter Schmidt (Schlagzeug). Foto: A. Becher

Von Renate Florl

AUENWALD. Gerade die Kombination von Klavier, Bass und Schlagzeug ist eine der häufigsten Formationen, die man mit dem Jazz verbindet. Beste spannende (und gleichzeitig entspannende) Unterhaltung, gespickt mit viel Wissenswertem, wurde den Besuchern präsentiert.

Viele der ausgewählten Musikstücke waren dem Publikum nicht unbekannt, manche davon – wie beispielsweise der Entertainer von Scott Joplin aus dem Jahre 1902 – sogar richtige Ohrwürmer. Die sehr gut und langjährig aufeinander eingespielten Musiker agierten sowohl präzise und konzentriert als auch hoch virtuos – und begeisterten das Publikum. Frieder Berlin spielte ohne Noten und ließ seine Finger nur so über die Klaviertastatur fliegen. Hansi Schuller überzeugte am Bass und Peter Schmidt meisterte scheinbar mühelos jede Schwierigkeit. Die Zuhörer bedachten die Musiker, allesamt herausragende Könner ihres Fachs, bei ihren Soloparts mit ehrlichem Szenenapplaus. Zur Kommunikation zwischen den Musikern reichte ein kurzer Schulterblick von Berlin, der mit dem Rücken zu seinen beiden Partnern saß.

Die humorvolle und kurzweilige Moderation zwischen den einzelnen Darbietungen lag ebenfalls in den Händen von Frieder Berlin. Er verstand es ausgezeichnet, die jeweiligen Stilrichtungen, von Ragtime über New Orleans- und Dixieland-Jazz über Blues, Boogie-Woogie bis hin zu Swing, Bebop und Bossa Nova, mit ihren maßgeblichen Wegbereitern vorzustellen.

Dabei blieb es nicht nur bei den Erläuterungen, jede Richtung wurde mit einem passenden Musikwerk vorgestellt, das mit meisterlichem Können interpretiert wurde.

Lyrische Balladen und wunderbare Eigenkompositionen von Frieder Berlin ergänzten das abwechslungsreiche Programm. Beim Stück „The Girl from Ipanema“ von Antônio Carlos Jobim merkte Berlin an, dass der Flughafen von Rio de Janeiro nach diesem Komponisten benannt wurde. Da durfte natürlich die Anspielung darauf nicht fehlen, dass nach ihm ebenfalls ein Flughafen benannt ist...

Lyrische Balladen und

wunderbare Eigenkompositionen

Die Tennisabteilung des TSV Lippoldsweiler, bei dem der in Lippoldsweiler wohnende Frieder Berlin diesem Sport nachgeht, zeigte sich für die Bewirtung in der Ratsscheuer zuständig.

Der gelungene Abend gestaltete sich nicht nur zu einer faszinierenden, sondern zu einer wirklich ansprechenden und mitreißenden Reise, für die sich das Publikum mit lang anhaltendem Beifall bedankte.