Nopper bejubelt „ganz großes Ergebnis“

Oberbürgermeister kann Wahlergebnis von 2010 noch einmal leicht verbessern – Auch die Wahlbeteiligung fällt etwas höher aus

Es war wie erwartet eine klare Angelegenheit: Mit 87,1 Prozent der Stimmen hat Amtsinhaber Frank Nopper die Backnanger Oberbürgermeisterwahl gewonnen und damit sein Ergebnis von 2010 noch einmal leicht gesteigert. Nopper bezeichnete das Ergebnis als „großartigen Vertrauensbeweis“. Sein Gegenkandidat Volker Dyken, der auf 12,1 Prozent kam, hatte sich etwas mehr erhofft.

Faire Kontrahenten vor und nach der Wahl: Volker Dyken (rechts) gratuliert Oberbürgermeister Frank Nopper zu seinem Wahlsieg. Foto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

 

BACKNANG. Genau neun Minuten nach Schließung der Wahllokale wird im Sitzungssaal des historischen Rathauses bereits das erste Ergebnis an die Wand projiziert: Im Kindergarten Geschwister- Scholl-Straße haben 156 Wähler für Frank Nopper gestimmt, nur 17 für Volker Dyken. Ähnlich deutlich sind auch die Ergebnisse aus den anderen Wahlbezirken, die in den folgenden Minuten nach und nach eintrudeln. Fast überall liegt Nopper bei über 80 Prozent, in einigen Bezirken, etwa in Maubach, wo er wohnt, sogar bei über 90 Prozent.

Im Rathaus füllt sich derweil der Sitzungssaal: Stadträte, Abgeordnete, Rathausmitarbeiter und viele Bürgermeister aus benachbarten Städten und Gemeinden sind gekommen. Auch Volker Dyken ist schon da: Um den Hals trägt der Kandidat ein orangefarbenes Halstuch mit dem Logo der Piratenpartei. Nur die Hauptperson des Abends fehlt noch.

Um 18.47 Uhr betritt Frank Nopper schließlich das Rathaus, begleitet von seiner Frau Gudrun und den beiden Söhnen. Im Sitzungssaal brandet Applaus auf, doch Gratulationen will Nopper noch nicht entgegennehmen: „Warten wir ab, bis es offiziell ist“. Und das zieht sich: Noch eine halbe Stunde vergeht, bis auch der letzte Briefwahlbezirk ausgezählt ist und Erster Bürgermeister Siegfried Janocha das offizielle Wahlergebnis verkünden kann: Von 10 574 gültigen Stimmen entfallen 9212 auf Frank Nopper, 1278 auf Volker Dyken, 84 Wahlberechtigte haben andere Personen auf den Wahlzettel geschrieben.

Damit hat Frank Nopper sein prozentuales Ergebnis im Vergleich zu seiner ersten Wiederwahl vor acht Jahren noch einmal leicht gesteigert: Damals hatte er 86,8 Prozent bekommen, diesmal sind es 87,1 Prozent. In absoluten Zahlen sind es sogar über 1000 Stimmen mehr für Nopper – zum einen, weil Backnang gewachsen ist und es mehr Wahlberechtigte gibt, aber auch weil die Wahlbeteiligung mit 37,6 Prozent höher ist als 2010. Damals hatten nur 36,8 Prozent der Backnanger ihre Stimme abgegeben.

Der Wahlsieger verspricht, auf dem Teppich zu bleiben

 

Noppers erklärtes „Traumziel“, eine Wahlbeteiligung von 40 Prozent, wurde damit zwar knapp verfehlt, doch der Wahlsieger wirkt trotzdem sichtlich gelöst, als er zu seiner Dankesrede ans Rednerpult tritt. „Dies ist ein ganz großes Ergebnis“, erklärt Nopper. Sowohl das eigene Resultat als auch die Wahlbeteiligung seien auf sehr hohem Niveau noch einmal gesteigert worden. „Das gibt mir Kraft, Frische und Mut für die vor uns liegenden acht Jahre.“ Aber auch für seinen Gegenkandidaten Volker Dyken hat der OB anerkennende Worte: „Obwohl das griechische Wort Pirat auf Deutsch „Angreifer“ bedeutet, war sein demokratischer Angriff stets fair und sportlich.“

Bei allem Jubel wolle er auf dem Teppich bleiben, verspricht der OB: „Mir wird’s den Seiher nicht raushauen“, sagt Nopper, ehe er Glückwünsche, Blumen und Geschenke der Gäste sowie ein musikalisches Ständchen vom Städtischen Blasorchester entgegennimmt.

Gegenkandidat Volker Dyken zeigt sich derweil als fairer Verlierer: „Mein Mindestziel, zweistellig zu werden, habe ich erreicht“, erklärt er. Gehofft hatte er allerdings auf mehr: Im Wahlkampf hatte Dyken in Anlehnung an Guido Westerwelle das „Projekt 18“ ausgerufen. Ein Prozentwert, den er allerdings wie einst die FDP deutlich verfehlte.

Dyken will für den Gemeinderat kandidieren

 

Der Wahlkampf habe ihm trotzdem Spaß gemacht, sagt Dyken und kündigt an, sich auch weiterhin in der Kommunalpolitik engagieren zu wollen. „Es kann sehr gut sein, dass ich bei der Gemeinderatswahl im nächsten Jahr wieder kandidieren werde“, erklärt er. Auf welcher Liste, lässt Dyken noch offen.

Für Frank Nopper geht es vom Rathaus weiter in die Weinstube Kunberger, wo er seinen Wahlsieg mit Freunden und politischen Weggefährten feiert. Doch schon heute kehrt für ihn wieder der Arbeitsalltag eines Oberbürgermeisters ein. Unter anderem muss er noch eine Büttenrede für die Prunksitzung des Backnanger Karnevals-Clubs schreiben. Und am Donnerstag steht die erste Gemeinderatssitzung des neuen Jahres an. Dort wird es voraussichtlich auch ein Wiedersehen mit Volker Dyken geben. Der kündigte gestern nämlich schon einmal an, sich die Sitzung am Donnerstag anzuschauen, um sich auf künftige kommunalpolitische Aufgaben vorzubereiten.

 

 

Kommentar
Gestärkt in die dritte Amtszeit

Von Kornelius Fritz
Der alte OB ist auch der neue: 87,1 Prozent der Wähler haben für Frank Nopper gestimmt – fast exakt so viele wie bei seiner ersten Wiederwahl vor acht Jahren. Ein Ergebnis, mit dem Nopper zufrieden sein kann, zumal er es mit einem Gegenkandidaten zu tun hatte, der es durchaus ernst meinte. Trotzdem war Volker Dyken letztlich chancenlos: Von einer Wechselstimmung war und ist in Backnang nichts zu spüren. Selbst von denen, die Frank Nopper bisweilen kritisieren, wie etwa die Grünen beim Thema Umweltschutz, sind die meisten der Meinung, dass der OB seine Sache insgesamt gut macht. Die große Mehrheit der Backnanger hat das Gefühl, dass sich ihre Stadt in den vergangenen 16 Jahren positiv entwickelt hat. Mit seinem forschen Auftreten, gerade auch gegenüber dem Landkreis, hat Nopper zudem das Selbstbewusstsein der Murrtaler gestärkt, die früher oft das Gefühl hatten, im Rems-Murr-Kreis nur die zweite Geige zu spielen. Zu Noppers Stärken gehört aber auch, dass er keiner ist, der mit dem Kopf durch die Wand will. Wenn er erkennt, dass eine seiner Ideen in der Bevölkerung nicht ankommt, wie etwa die Pläne für eine „Himmelsleiter“ am Burgberg, dann scheut er sich nicht, auch mal ein Projekt zu beerdigen. Und schließlich hat Nopper eine Gabe, die den meisten Politikern fehlt: Er hat Unterhaltungswert. Seine Eröffnungsreden beim Straßenfest sind legendär und selbst beim städtischen Neujahrsempfang – in den meisten Städten eine staubtrockene Veranstaltung – sind dank Nopper Lacher garantiert. Nicht zuletzt das erklärt seine große Beliebtheit in der Bevölkerung. Dass Volker Dyken sich trotzdem getraut hat, gegen ihn anzutreten, verdient Respekt. Dyken hat mit seiner Kandidatur Würze in den Wahlkampf gebracht und das Interesse an der OB-Wahl gesteigert. Dass die Wahlbeteiligung im Vergleich zu 2010 leicht gestiegen ist, ist damit auch sein Verdienst. Auch inhaltlich hat Dyken einige interessante Akzente gesetzt. Seine Idee für ein vergünstigtes Cityticket oder seine Vorschläge für eine stärkere Bürgerbeteiligung hätten es verdient, dass sie auch von seinem siegreichen Kontrahenten ernsthaft geprüft werden. Man darf gespannt sein, ob und wo Volker Dyken künftig in Backnang in Erscheinung treten wird. Sein Name und sein Gesicht sind nun jedenfalls vielen Backnangern bekannt: Keine schlechten Voraussetzungen für eine Kandidatur bei der Gemeinderatswahl 2019.

Frank Nopper geht indes gestärkt in seine dritte Amtszeit: Dem Gemeinderat wird es schwerfallen, einem OB die Gefolgschaft zu verweigern, der fast 90 Prozent der Wähler in Backnang hinter sich weiß. Trotzdem sollte Nopper nicht den Fehler machen, das Votum als Freibrief zum Durchregieren zu verstehen. Auch künftig muss der OB versuchen, bei allen wichtigen Entscheidungen nicht nur den Gemeinderat, sondern auch die Bevölkerung mitzunehmen. Das gilt insbesondere bei kontroversen Themen wie der Flüchtlingsunterbringung, der Baupolitik oder auch beim Hochwasserschutz. Gelingt ihm das, könnten auf 16 gute Nopper-Jahre acht  acht vielleicht sogar noch bessere folgen.

k.fritz@bkz.de