Mutmaßlicher Räuber schweigt

32-Jähriger soll zwei Backnanger Spielkasinos überfallen haben

Von Bernd S. Winckler

BACKNANG/STUTTGART. Ein 32-jähriger Mann aus Backnang soll bewaffnet und maskiert am 14. und 15. Februar vor zwei Jahren zwei Spielkasinos in Backnang überfallen haben. In einem Fall habe er 900 Euro erbeutet. Jetzt sitzt der 32-Jährige auf der Anklagebank des Stuttgarter Landgerichts. Zu dem Vorwurf schweigt er allerdings.

Februar 2016. Es war damals die Zeit, in der allein in Stuttgart und Fellbach mehrere Spielkasinos überfallen wurden. Zwei Täter sind inzwischen verurteilt. Ein Überfall von Schwaikheim ist noch ungeklärt.

Laut der Anklage, die gestern vor der 8. Großen Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts gegen den 32-Jährigen verlesen wurde, soll er am späten Abend des 14. Februar 2016 mit einer Pistole im Anschlag und mit vollkommen verhülltem Gesicht zuerst das Kasino in der Talstraße in Backnang betreten und die Kassiererin, die gerade beim Geldzählen beschäftigt war, bedroht haben. Ob er Geld forderte, konnte die Frau jetzt im Zeugenstand nicht mehr sagen, es sei alles ganz schnell gegangen. Das Kasino war bereits schon einmal im Jahr 2012 überfallen worden.

Der 32-Jährige verließ damals das Kasino ohne Beute, weil ein Bekannter der Kassiererin zufällig ebenfalls anwesend war. Dieser legte ruhig seine brennende Zigarette zur Seite und wollte dann mit sanfter Gewalt den Räuber zur Türe schieben. Doch der war bereits auf der Flucht ins Freie.

Der nächste Raubüberfall: Diesmal auf eine Spielhalle in der Aspacher Straße in Backnang, datiert auf den folgenden 15. Februar, 21.25 Uhr. Dort soll der Angeklagte wieder maskiert und mit der Pistole erschienen sein und 915 Euro bekommen haben.

Allerdings war ihm die Polizei bereits auf der Spur und konnte ihn Stunden später am Backnanger Bahnhof festnehmen. Rund 600 Euro der geraubten 915 Euro hatte er noch bei sich – und zwar versteckt in einer Blechdose, diese Dose hatte er in seiner Unterwäsche verborgen, wie es im Polizeibericht heißt.

Inzwischen befindet sich der Verdächtige wieder auf freiem Fuß, da die Frist von sechs Monaten ab Festnahme zum Prozess längst verstrichen ist und ein Beschuldigter nicht länger als diese sechs Monate in Untersuchungshaft festgehalten werden darf.

Die Kassiererin der Spielhalle in der Talstraße erinnert sich im Stuttgarter Zeugenstand nur noch daran, dass der Räuber kein Wort gesprochen habe, als er mit der Pistole im Anschlag gegen sie vor ihr stand.

Erst auf Nachfragen erinnert sie sich, dass er doch Geld forderte. Mehr aber nicht. Denn dann sei ja ihr Bekannter eingeschritten. Gleichzeitig befanden sich auch noch drei Gäste in der Spielhalle, die an Automaten beschäftigt waren und von dem Überfall überhaupt nichts bemerkten.

Am gestrigen ersten Verhandlungstag ließ der Angeklagte über seinen Verteidiger wissen, dass er derzeit keinerlei Angaben mache, weder zu seiner Person, noch zum Vorwurf der zweifachen schweren räuberischen Erpressung. Am 14. Februar wird das Verfahren mit Zeugen fortgesetzt.