Erleichterung und 333 Danke-Schnitten

Nachlese zur Backnanger OB-Wahl – Ein rabiater Wahlbeobachter, leckerer Backnanger Marsch und der Flüchtlingseffekt

Die Anspannung der vergangenen Wochen wegen der Oberbürgermeisterwahl ist am Sonntagabend mit der Verkündung des Ergebnisses von allen Beteiligten gewichen. Die Kandidaten sind erleichtert und glücklich, mal mehr, mal weniger. Der Alltag hält wieder Einzug. Die Themen am Tag danach: eine beschädigte Wahlurne, die Interpretation der Ergebnisschwankungen, den Backnanger Marsch und 333 Danke-Schnitten sowie 50 Danke-Aufkleber.

Frank Nopper freute sich über die zahlreichen Glückwünsche zur Wiederwahl, wie etwa von Weissachs Bürgermeister Ian Schölzel. Foto: A. Becher

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Die großen politischen Themen sind gestern eher in den Hintergrund getreten, nach der Wahl ging es eher um Fragen nach dem persönlichen Wohlbefinden als nach sonstigen Ereignissen im Zusammenhang mit der Wahl.

Wahlparty: Die große Sause nach der Wahl gab es am Sonntag in der gemütlichen Eckkneipe Kunberger. Wobei OB Nopper einräumte, so furchtbar lange ging es nicht, gegen 23 Uhr verließ er die Location. Eingeladen hatte der Wiedergewählte zu Backnanger Marsch und Maultaschen. Aber was bitte steckt hinter Backnanger Marsch? Wirtin Petra Wolf klärt auf: „Das ist eigentlich Gaisburger Marsch, bloß in der Murr-Metropole heißt er halt auf Noppers Wunsch hin Backnanger Marsch.“

Erleichterung: Am Wahlabend ist von Nopper eine große Anspannung abgefallen. „Die gibt es bei jeder Wahl kurz vor der Verkündigung des Ergebnisses.“ Nopper vergleicht das mit dem Staatsexamen. „Auch wenn es während des Studiums und in der Prüfung gut lief, so glaubt man doch in seiner Vorstellungswelt, man könnte durchgefallen sein.“ Der Jurist erinnert sich noch lebhaft, wie er damals den Brief der Fakultät aufgezittert hat. So ähnlich war’s auch am Sonntag. „Es gibt immer Unwägbarkeiten und so gilt der Satz: Eine Sau kann man schätzen, eine Wahl nicht.“

Flüchtlingseffekt: Noppers Ergebnis in den einzelnen Bezirken unterlag keinen riesigen Schwankungen. Mit einer Ausnahme: Einmal blieb er unter 80 Prozent, und das gleich deutlich. Im Wahlbezirk 20 – Kindergarten Sommerrain – wollten nur 72,7 Prozent die Fortsetzung seiner Amtszeit. Schuld daran ist laut Nopper die Diskussion um das Flüchtlingsheim Plattenwald. „Möglicherweise waren die Wähler dort mit der Vorgehensweise der Stadtverwaltung und des Oberbürgermeisters nicht einverstanden.“ Zwei tolle Ergebnisse mit über 91 und 92 Prozent gelangen Nopper in seinem Wohnort Maubach. Der Spitzenwert war dies aber nicht. Das beste Resultat räumte der 56-Jährige im Kindergarten Heimgarten ab: 93,4 Prozent. „Das ist ein bürgerliches Wohngebiet, wo ein links-libertärer Kandidat nicht so punkten kann.“

Danke-Aktion: Gleich auf zweifache Art möchte Nopper sich bedanken. Einmal wird er am Samstag ab 9 Uhr vor der Volksbank 333 Himbeer-Danke-Schnitten mit der Aufschrift Danke verteilen. Die Anzahl 333 ist bewusst gewählt. „Sie symbolisiert meine dritte Amtszeit und spielt auf die Karnevalssaison an.“ Ist die Aktion beendet, so eilt Nopper zum Narrenmarkt, der pünktlich um 11.11 Uhr beginnt. Damit nicht genug getankt: Nopper plant, 150 seiner 200 Wahlplakaten abzuhängen, die restlichen will er mit einem Danke-Aufkleber versehen und noch etwas wirken lassen.

Zwischenfall: Im Wahlbezirk 20 – Kindergarten Sommerrain – hat ein selbst ernannter Wahlbeobachter an der Wahlurne herumgerissen. Laut Timo Mäule vom Haupt- und Personalamt der Stadt hat der Mann kräftig den Deckel angehoben, wobei eine Klappe gebrochen ist. Die Wahlhelfer vor Ort haben den Mann versucht zur Räson zu bringen. Der jedoch war vom Ergebnis seiner Aktion selbst am meisten erschrocken und gar nicht glücklich, so berichten die Wahlhelfer. Trotzdem ist er danach noch in mehreren Wahllokalen aufgetreten. Laut Mäule ist das auch in Ordnung, er darf nur nicht die Wahl beeinflussen.

Sonstige: Es gab 84 gültige Stimmen, die nicht Nopper oder Dyken zugeordnet wurden. Die inoffizielle Wahl der Sonstigen hat unangefochten Dr. Stefan Braun gewonnen, er ist in der Bürgerinitiative Plattenwald engagiert und vereinte 48 Stimmen auf seinem Konto, die meisten in den Bezirken Kindergarten Sommerrain (22) und Gymnasium in der Taus II (13). Die ebenfalls inoffizielle Wertung der Stadträte gewann mit vier Stimmen Dr. Lutz-Dietrich Schweizer, vor Willy Härtner (3) und Armin Dobler und Dr. Ute Ulfert (je 1). Weitere prominente Namen: Dr. Andreas Brunold (2), Tayfun Korkut, Michael Balzer oder Dieter Eisenhardt (je 1).

Begehrt: Thilo Benner hat bereits bei Volker Dyken angefragt, ob er nicht bei der nächsten Kommunalwahl bei den Backnanger Demokraten antreten wolle, schließlich stand er schon 2014 auf deren Liste. „Da niemand sonst an mich herangetreten ist, heißt das, dass die Backnanger Demokraten derzeit meinen Zuschlag haben.“ Dyken hat den Wahlkampf zwar locker, sportlich gesehen, „aber wie am Ende eines Fußballspiels mit Verlängerung war ich am Ende völlig platt“. Positiv überrascht hat ihn sein Ergebnis im Bereich Plattenwald und im Wahlbezirk 22 – Feuerwehrgerätehaus Annonaystraße. „Dort habe ich viele Wähler erreicht.“ Dyken analysiert die Gründe: „Vielleicht wegen meiner Vorschläge zur alternativen Gestaltung des Gebiets Obere Walke.“

Zuspruch: Die Zahl der Gratulanten im Sitzungssaal des historischen Rathauses war groß. Jede Menge Bürgermeister umliegender Gemeinden, Landrat Richard Sigel, Staatssekretär Norbert Barthle, die OB-Kollegen aus Waiblingen, Schorndorf, Winnenden und Leinfelden. Halt: Warum Leinfelden? Nopper klärte die Gäste auf. Mit OB Roland Klenk verbindet ihn viel. Nicht nur die Parteizugehörigkeit, sie sitzen auch gemeinsam in der Regionalversammlung. Zudem stammt er aus Murrhardt und seine Lebensgefährtin unterrichtet am Gymnasium in der Taus. Auch Klenk wurde erst kürzlich wiedergewählt und hatte einen Gegenkandidaten aus den Reihen der Piraten. Und beide erzielten fast das gleiche Ergebnis. Klenk jedoch lag um einen Wimpernschlag besser als Nopper, er kriegte 88,24 Prozent, Nopper nur 87,12 Prozent. Nopper rechtfertigt diese Schlappe gleich mit einem Augenzwinkern, bei Klenks Gegner handelte es sich um eine Frau, zudem Stadträtin.