Hilfsangebote nach Fast-Busunfall

Alle fünf Jahre müssen Busfahrer zum Gesundheitscheck – Trotzdem bleibt ein Restrisiko

Von Andrea Wüstholz

BACKNANG/WAIBLINGEN. Busfahrer müssen alle fünf Jahre zum Gesundheitscheck. Je älter sie sind, desto mehr Untersuchungen stehen an. Trotzdem. Ein Busfahrer ist ein Mensch. Niemand kann ein medizinisches Problem während der Fahrt ausschließen. Vergangene Woche hätte solch ein Problem fast zu einer Katastrophe geführt.

Der Fall nochmals in Kürze: Am frühen Freitagmorgen vergangener Woche startete ein Doppeldecker mit 73 Schülern und Lehrern an Bord bei der Gewerblichen Schule Backnang zu einer Skiausfahrt. Doch ganz offensichtlich war der Busfahrer nicht fahrtauglich. Wie in Trance saß er am Steuer, reagierte nicht auf Ansprache, fuhr einfach auf der B14 immer weiter, Kilometer um Kilometer. Auf Höhe der Ausfahrt Waiblingen-Mitte schafften es Lehrer im Bus, den Fahrer zum Abbremsen zu bringen. Der Bus kam auf dem Verzögerungsstreifen zum Stehen (wir berichteten).

Belastbarkeit, Aufmerksamkeit, Reaktion und Konzentration müssen in Ordnung sein

Was für ein Alptraum. Der Gedanke daran, wie diese Blindfahrt hätte enden können, lässt schaudern. Laut Polizeisprecher Rudolf Biehlmaier hat eindeutig ein medizinisches Problem den Fahrer außer Gefecht gesetzt. Weder Alkohol noch Drogen waren im Spiel, das sieht die Polizei als gesichert an.

Der Busfahrer ist dem Vernehmen nach über 50 Jahre und damit in einem Alter, ab welchem sich diese Berufsgruppe umfangreichen Untersuchungen unterziehen muss. Alle fünf Jahre steht ein Check an, erläutert Klaus Zimmermann, Pressesprecher des Verbandes baden-württembergischer Omnibusunternehmer. Busfahrer verlieren ihre Erlaubnis zur Personenbeförderung, sofern sie nicht alle fünf Jahre Tests bestehen. Ab einem Alter von 50 Jahren kommt zur allgemeinen ärztlichen Untersuchung, etwa der Prüfung des Sehvermögens, noch ein Check der Leistungsfähigkeit hinzu: Die Busfahrer müssen in Tests nachweisen, dass ihre Belastbarkeit, Orientierung, Aufmerksamkeit, Reaktion und Konzentration in Ordnung sind. Immer geht es bei den Untersuchungen auch darum, Krankheiten auszuschließen, die eine Arbeit als Busfahrer unmöglich machen würden.

Passieren kann trotzdem etwas, „eine Garantie gibt es nicht“, sagt Klaus Zimmermann: „Eine spontane Erkrankung kann man nicht vorhersehen.“ Vor einem Schlaganfall oder Herzinfarkt ist niemand gefeit. Zukünftig werden eher mehr ältere Busfahrer auf den Straßen unterwegs sein, so Zimmermann. „Es gibt einen Riesen-Fahrermangel“, der sich in den nächsten Jahren noch verstärken werde. Deshalb fragen Busunternehmen bei Bedarf auch Fahrer an, die bereits das Rentenalter erreicht haben. Was nichts heißen muss. Diese Fahrer verfügen über viel Erfahrung.

Eine Erfahrung, wie sie die 73 Insassen im Fast-Unglücksbus vergangenen Freitag gemacht haben, wirkt nach. Die Gewerbliche Schule Backnang hat am Montag alle Betroffenen zu einer Veranstaltung eingeladen. Schüler und Lehrer sollten über das Erlebte sprechen können, und Schulleiterin Dr. Isolde Fleuchaus bot den Schülern an, psychologische Betreuung in Anspruch zu nehmen. Darum kümmert sich das Regierungspräsidium Stuttgart. Spontan hatte sich am Montag kein Schüler dafür angemeldet, sagt die Schulleiterin. Ihrem ersten Eindruck nach nickten alle zur Frage, ob sie wieder in einen Bus einsteigen würden.

Trotzdem. Der Schulleiterin ist bewusst, dass solch ein Erlebnis Spätfolgen nach sich ziehen kann, selbst wenn ein Schüler auf den ersten Blick die Sache problemlos wegsteckt. Die Lehrer werden einen genauen Blick darauf richten, ob jemand den Anschein erweckt, von Spätfolgen betroffen zu sein, so Fleuchaus. Während der Veranstaltung am Montag hat sie die Schüler als „sehr ruhig“ und „sehr nachdenklich“ erlebt.

Rein statistisch betrachtet dürfen Busse als relativ sicheres Verkehrsmittel gelten (siehe unten). Doch wenn etwas passiert, dann sind viele Menschen betroffen, und oftmals sind es Kinder. „Schwere Busunfälle sind relativ selten“, resümiert dennoch die Unfallforschung der Versicherer. Am Freitag vergangener Woche wäre beinahe solch ein Unfall geschehen. Beinahe. Isolde Fleuchaus: „Wir haben einfach wahnsinniges Glück gehabt.“