Steinbrucherweiterung sorgt für Unmut

Schotterwerk-Firma will ihren Steinbruch in Rielingshausen um 11,4 Hektar erweitern – Seit Monaten Aufruhr bei Anwohnern

Die Emotionen schlagen seit Monaten hoch: Weil die Firma Klöpfer ihren Steinbruch bei Rielingshausen um ein 11,4 Hektar großes Areal erweitern und 8,1 Millionen Tonnen Gestein abbauen will, herrscht große Aufregung in dem Marbacher Stadtteil. Einige Regionalräte waren bereits vor Ort, um sich ein Bild des laufenden Betriebs zu machen.

Die Firma Klöpfer ist im Ortsteil Rielingshausen seit 1963 mit einem Schotterwerk präsent. Luftbild: F. Muhl

Von Yvonne Weirauch

MARBACH AM NECKAR/KIRCHBERG AN DER MURR. Viele Bürger bekunden ihren Unmut, eine Bürgerinitiative hat sich gegründet und die eine oder andere Fraktion hat schon eine Ortsbegehung gemacht. Die Firma Klöpfer ist in dem Ortsteil seit 1963 mit einem Schotterwerk präsent. Laut Angaben der Marbacher Zeitung hat sie die zusätzlichen Flächen in dem Muschelkalk-Steinbruch beantragt, der Regionalverband muss dazu planerisch grünes Licht geben. „Wir müssen wissen, dass der Betrieb eine Zukunftsoption hat“, erklärt Benjamin Hoffmann, der technische Leiter bei dem mittelständischen Unternehmen. Nur mit der Zusatzfläche wolle man in das Werk investieren.

Die Anwohner befürchten bis zu 120 Lastwagenladungen Schotter pro Tag, zudem sorgen sie sich um Staub, Lärm und Risse in ihren Gebäuden durch die nötigen Sprengungen. Die Erweiterungsfläche liege zu nah an den Wohnhäusern, äußern sich die Kritiker. Aber die Firma hat bereits eine Erweiterungsfläche genehmigt bekommen.

Für Diskussion sorgt die Entscheidung aber immer noch. Der technische Regionaldirektor Thomas Kiwitt sagt: „Es hat keinen Sinn, solches Baumaterial quer durch die ganze Republik in die Region zu transportieren.“ Natürlich sei es in einer dicht besiedelten Gegend wie dem Großraum Stuttgart aber so, dass sich ein derartiges Projekt nicht realisieren lasse, ohne Kompromisse einzugehen. Aber was ist mit den Rissen an den Häusern? Und welche Versicherungen kommen für die Schäden auf? Wie stark sind die Erschütterungen durch die Sprengungen? – Fragen, die die Menschen vor Ort beschäftigen und nicht loslassen. Seitens des Unternehmens heißt es, dass Schäden durch Sprengungen auszuschließen seien – sofern man sich unter den Grenzwerten bewege. Und Messungen hätten ergeben, dass die Erschütterungen in den meisten Fällen bei lediglich rund zehn Prozent des zulässigen Maximalwerts lägen. Es sei alles genormt und die Richtwerte werden eingehalten. Dass man die Sprengerschütterungen spüre, wisse man.

Mit dem Steinbruch durchgehend 350 Meter Mindestabstand zur Wohnbebauung in Rielingshausen zu halten, ist für die Firma eine Forderung der Bürgerinitiative, die sie bei einer Erweiterung erfüllen würde. Das ist ein Ergebnis eines Treffens der FDP-Regionalfraktion mit Firmenvertretern, allen voran Geschäftsführer Hermann Klöpfer. „Wir haben im Gespräch noch weitere Kompromissmöglichkeiten erörtert“, sagen der Fraktionsvorsitzende Kai Buschmann und die örtliche Regionalrätin Gudrun Wilhelm, „und es zeichnen sich ernsthafte Bemühungen für eine einvernehmliche Lösung ab.“ „Uns ist sehr an einem guten Miteinander in Rielingshausen gelegen“, so Hermann Klöpfer, „deshalb gehen wir jetzt auf die Bürgerinitiative zu.“

Sorge vor Belastungen

steht im Vordergrund

Buschmann: „Dass Häuser keine Schäden erleiden dürfen, ist unbestritten. Dass der jetzige Mindestabstand von 350 Meter nicht unterschritten werden soll, ist ebenso unbestritten.“ Selbst ein befürchteter Wertverlust durch die Steinbruchnähe wandle sich mittelfristig ins Gegenteil: „Der Steinbruch von heute ist das Naherholungsgebiet von morgen, denn nach der Rohstoffförderung steht die Steinbruchrekultivierung als Pflicht an. Da entstehen wertvolle Biotope, wie der alte Steinbruch in Weiler zum Stein beweist.“ Die Sorge vor den Belastungen durch eine Steinbrucherweiterung steht im Vordergrund: „Diese Sorge können wir nachvollziehen“, sagt die Kirchberger FDP-Regionalrätin Gudrun Wilhelm. Erfreulicherweise habe sich gezeigt, dass bei der Firma Klöpfer „großes Interesse an einer einvernehmlichen Lösung besteht“. Auch Regionalräte der Fraktion Die Linke waren kürzlich vor Ort in Rielingshausen und haben sich einen Eindruck zum laufenden Betrieb des Steinbruchs der Firma Klöpfer und zur beantragten Erweiterung des Aufschlusses nach Osten verschafft. Peter Rauscher, stellvertretender Fraktionsvorsitzender: „Die Ausmaße der beantragten Steinbrucherweiterung sind beeindruckend. Während der Ortsbegehung konnten wir bereits im Dorf die gesamte Zeit über, und ohne dass Sprengungen stattfanden, durchdringende Betriebsgeräusche aus dem Steinbruch hören.“ Der Wind trage Lärm und Staub über die Hügelkuppe ins Dorf. Erschütterungen und Sprengungen seien bereits heute eine Zumutung für die Bürger. „Eine Erweiterung des Betriebs in Richtung des Dorfrands ist politisch nicht akzeptabel.“ Christoph Ozasek, Fraktionsvorsitzender und Sprecher im Planungsausschuss: „Die Bürgerinitiative beeindruckte durch ihre sachlich fundierte und ergebnisorientierte Argumentation. Ihr Protest richtet sich nicht gegen den Steinbruch und dessen Betreiberfirma, sondern gegen eine zusätzliche Erweiterung, die mit erheblichen Belastungen für die Dorfgemeinschaft einhergeht. Wir unterstützen die Bürgerinitiative in ihrer Forderung nach mehr Lebensqualität, nach Erhalt der Natur und der Erholungsflächen.“

Die Menschen im Umfeld hätten ein Recht auf ein definiertes Ende des Abbaus im Muschelkalk. Daher werde sich die Fraktion im Planungsausschuss der Regionalversammlung entschieden gegen die Erweiterung des Steinbruchs positionieren und die Einleitung eines formellen Verfahrens ablehnen.