Liebenzeller Gemeinschaft will bauen

Gemeindezentrum an der Annonaystraße soll einem Neubau weichen – Millionenprojekt wird durch Spenden finanziert

Wenn die Liebenzeller Gemeinschaft am Sonntagmorgen in Backnang Gottesdienst feiert, platzt der Saal im Gemeindezentrum regelmäßig aus allen Nähten. Die Verantwortlichen denken deshalb schon seit Längerem über einen Neubau nach. Jetzt wird aus diesem Wunsch ein konkretes Projekt.

Die Tage des 40 Jahre alten Gemeindezentrums an der Annonaystraße sind gezählt: Mit großer Mehrheit hat sich die Liebenzeller Gemeinschaft für einen Neubau ausgesprochen. Foto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Als das Gebäude an der Annonaystraße vor 40 Jahren errichtet wurde, bestand die Gemeinde aus etwa 60 Gläubigen, heute sind es fast 300, darunter viele Kinder und Jugendliche. Die räumliche Enge ist in den vergangenen Jahren immer mehr zum Problem geworden: „Wenn unsere Gemeinde nicht mehr wachsen kann, wird sie zu einer geschlossenen Gruppe. Das ist nicht gut“, sagt Pastor Johannes Wegner. Bei einer Gemeindeversammlung im Januar haben deshalb mehr als 90 Prozent der Mitglieder dafür gestimmt, das alte Gemeindezentrum abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. „Das ist ein tolles Signal für uns Verantwortliche“, sagt Wegner, denn er weiß: Ein so ehrgeiziges Projekt lässt sich nur realisieren, wenn die ganze Gemeinde dahintersteht.

Als freies Werk innerhalb der Evangelischen Landeskirchen erhält die Liebenzeller Gemeinschaft nämlich keine Kirchensteuern, sondern finanziert sich ausschließlich durch Spenden ihrer Mitglieder. Auch das Millionenprojekt – eine genaue Summe will Wegner öffentlich noch nicht nennen – soll so gestemmt werden. „Realistisch ist der Bau, wenn wir mit Wundern rechnen“, sagt Wegner und erinnert an die biblische Geschichte, in der Jesus mit fünf Broten und zwei Fischen 5000 Menschen satt macht.

Großer Saal mit Platz

für bis zu 350 Gläubige

Unterstützt wird die wunderbare Geldvermehrung vom Landesverband der Liebenzeller Mission, der der Gemeinde ein zinsloses Darlehen zur Verfügung stellt – allerdings erst, wenn diese zuvor 35 Prozent Eigenkapital eingesammelt hat. Damit wurde bereits begonnen, Wegner will aber keine Prognose wagen, ob und bis wann die benötigte Summe zusammenkommt. Alles basiere auf Freiwilligkeit: „Da gibt es keine Vorgaben, auch nicht subtil“, versichert der Pastor. Wobei man nicht bei null beginnt: Einen Grundstock von 230000 Euro habe die Gemeinde bereits in der Kasse.

Verbunden mit dem Neubau ist der Abschied vom bestehenden Gemeindezentrum, der vor allem den älteren Mitgliedern nicht leicht fällt. Schließlich sind unter ihnen noch einige, die den Bau vor 40 Jahren mit Spenden und ihrer Arbeitskraft unterstützt haben. „Da hängen Emotionen dran“, weiß der Pastor.

Trotzdem stehen die Zeichen auf Abriss: Eine Sanierung und Erweiterung des Bestandsgebäudes würde nach Wegners Angaben nicht die gewünschten Verbesserungen bringen. „Und wir wollen ja etwas Zukunftsfähiges bauen.“ Einen ersten Entwurf für das neue Gemeindezentrum gibt es auch schon. Bei dem Konzept des Architekturbüros Philipp aus Waldenburg handelt es sich laut Wegner aber nur um eine Machbarkeitsstudie und noch nicht um eine konkrete Planung. Herzstück des neuen Gemeindezentrums ist nach diesem Entwurf ein Saal für bis zu 350 Besucher. Zum Vergleich: Bislang gibt es bei den Gottesdiensten lediglich 120 Sitzplätze. Im Untergeschoss sollen außerdem mehrere Räume für die zahlreichen Kinder- und Jugendgruppen der Gemeinde entstehen und noch eine Etage tiefer ist ein Bewegungsraum mit Rutsche geplant.

Gegenüber ist ein neuer

Parkplatz geplant

Ob alles am Ende tatsächlich so gebaut wird, muss sich zeigen. Für Johannes Wegner zählt jetzt erst einmal die Erkenntnis, dass die Wünsche der Gemeinde in der Annonaystraße realisierbar sind. Denn die Liebenzeller Gemeinschaft hatte zwar auch andere Standorte geprüft, der angestammte Ort ist aber die erste Wahl: „Der Platz ist super, denn wir wollen gerne mitten in der Stadt bleiben“, sagt Johannes Wegner.

Weil das neue Gemeindezentrum größer sein wird als das bestehende, werden allerdings die Parkplätze vor dem Haus wegfallen. Als Ersatz will die Gemeinde deshalb einen Parkplatz auf der anderen Seite der Annonaystraße bauen. Die Stadt hat in Aussicht gestellt, das Grundstück im Kurvenbereich an die Liebenzeller Gemeinschaft zu verpachten.

Den Baubeschluss der Gemeindeversammlung bezeichnet Johannes Wegner als „wichtigen Meilenstein“, er weiß aber auch, dass die eigentliche Arbeit jetzt erst beginnt. Deshalb will er sich auch noch nicht auf einen Baubeginn festlegen. Nur so viel: In diesem Jahr wird es sicher noch nicht losgehen.

Wichtig ist dem Pastor aber auch, dass die eigentliche Gemeindearbeit nicht unter dem Bauprojekt leiden muss. Gemäß dem Motto „erst Beine, dann Steine“ hat die Gemeinde deshalb zugleich beschlossen, ab September einen hauptamtlichen Jugendreferenten einzustellen. Auch sein Gehalt wird mit Spenden finanziert.