Kürzere Öffnungszeiten, längere Beratung

Volksbank Backnang reagiert auf verändertes Kundenverhalten – Drei kleine Filialen werden durch SB-Servicestellen ersetzt

Die Geschäftszahlen für das Jahr 2017, die der neue Vorstandsvorsitzende Jürgen Beerkircher gestern präsentierte, sind erfreulich. Trotzdem stehen bei der Volksbank Backnang Veränderungen an: In Filialen mit wenig Frequenz werden die Öffnungszeiten reduziert, in Kleinaspach, Fornsbach und in der Murrhardter Hörschbachstraße werden künftig nur noch Automaten stehen. Im Gegenzug erweitert die Volksbank ihre Beratungszeiten bis 20 Uhr.

Jürgen Beerkircher ist der neue Mann an der Spitze der Volksbank Backnang.

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Die Zahl der Kunden, die persönlich in eine Bankfiliale gehen, um dort am Schalter eine Überweisung zu tätigen oder Bargeld abzuheben, nimmt stetig ab. „Diese einfachen Serviceleistungen gehen bei uns jedes Jahr um zehn Prozent zurück“, berichtet Jürgen Beerkircher. Das bringt die Volksbank in die Bredouille, denn einerseits ist das dichte Filialnetz der Trumpf der regionalen Bank, andererseits stellt sich die Frage der Wirtschaftlichkeit. Bei der Volksbank Backnang versucht man es deshalb mit einem Mittelweg: Zwar werden keine Standorte aufgegeben, aber der Service wird ab April eingeschränkt.

Am augenscheinlichsten wird dies in Kleinaspach, Fornsbach und in der Murrhardter Hörschbachstraße, wo die Kunden künftig nicht mehr von Menschen, sondern nur noch von Automaten bedient werden. In anderen kleinen Geschäftsstellen werden die Öffnungszeiten eingeschränkt, etwa in Spiegelberg und Großerlach, wo die Volksbank künftig nur noch an drei Vormittagen und einem Nachmittag pro Woche geöffnet hat.

„Wir spüren die gute Stimmung
in der heimischen Wirtschaft“

Ziel dieser Veränderungen sei es aber nicht, Kosten zu sparen, sondern mehr Zeit für Beratung zu haben, sagt Jürgen Beerkircher. Dafür werden die Geschäftsstellen in Großaspach, Oppenweiler, Sulzbach, Unterbrüden, Weissach im Tal sowie die zwei Backnanger Filialen in der Stuttgarter Straße und der Sulzbacher Straße zu sogenannten Beratungszentren aufgewertet. „Dort werden wir künftig das komplette Leistungsangebot der Bank anbieten, also zum Beispiel auch Baufinanzierungen“, erklärt Beerkircher. Außerdem sind Beratungen nach Terminvereinbarung künftig von
8 bis 20 Uhr möglich, und zwar in allen Filialen: „Die Kunden müssen dann eben klingeln“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Auch eine Beratung in der eigenen Wohnung ist auf Wunsch möglich.

Routinegeschäfte werden sich nach Beerkirchers Einschätzung hingegen immer mehr ins Internet verlagern. Online-Banking per App ist schon heute für viele selbstverständlich. Künftig müsse man aber noch weiter gehen und zum Beispiel über eine Beratung per Videochat nachdenken. „Es ist unsere Herausforderung, neue Vertriebswege zu finden“, erklärt der Vorstandsvorsitzende.

Das vergangene Jahr hat die Volksbank Backnang mit positiven Zahlen abgeschlossen. Das Kreditgeschäft konnte um 10,5 Prozent gesteigert werden. „Wir spüren die gute Stimmung in der heimischen Wirtschaft“, sagt Jürgen Beerkircher. Die Unternehmen investieren kräftig, gleichzeitig wird im Raum Backnang vielerorts gebaut. Um sechs Prozent gestiegen sind auch die Kundeneinlagen, wobei der Bankvorstand feststellt, „dass trotz der Nullzinsen noch immer viel Geld auf Geldmarktkonten geparkt wird“. Hier sei es Aufgabe der Berater, den Kunden attraktivere Anlageformen wie Aktien und andere Wertpapiere schmackhaft zu machen. Wobei Beerkircher betont: „Wir wollen natürlich niemanden überreden.“

Neben den Sparern leiden auch die Banken selbst unter den niedrigen Zinsen, denn die gehen zulasten der Erträge. Der Volksbank-Vorstand muss deshalb verstärkt auf die Kosten blicken: „Wir müssen schauen, dass wir unsere Personalkosten stabil halten“, sagt Jürgen
Beerkircher. Und das gelingt bei steigenden Gehältern nur, wenn die Zahl der Beschäftigten sinkt. Entlassungen werde es zwar nicht geben, verspricht der Bank-Chef, aber man nutze die natürliche Fluktuation und Altersteilzeit für eine maßvolle Reduzierung des Personals: So sank die Zahl der Beschäftigten im vergangenen Jahr von 330 auf 322. Möglich sei dies durch mehr automatisierte Prozesse, und auch durch die Fusion mit der Raiffeisenbank Oberstenfeld vor zwei Jahren hätten sich die erhofften Synergieeffekte eingestellt.

Weitere Zusammenschlüsse mit anderen Banken seien momentan aber nicht geplant, erklärt Beerkircher: „Wir sind bereits eine relativ große Genossenschaftsbank und sehen keine Notwendigkeit für weitere Fusionen.“ Allerdings will er auch nichts ausschließen, sofern sich in den kommenden Jahren ein Partner „auf Augenhöhe“ anbieten sollte. Die Volksbank Stuttgart, die in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche Genossenschaftsbanken im Rems-Murr-Kreis geschluckt hat, hat er damit ganz offensichtlich nicht gemeint.