„Ein großer Schritt für unseren Sport“

Kunstradfahrerin Viola Brand vom RSV Unterweissach sieht die neu ins Leben gerufene Weltcupserie im Grundsatz positiv

Prag, Heerlen, Hongkong, Erlenbach – das sind die vier Stationen des Kunstrad- Weltcups, der 2018 Premiere feiert. In Tschechiens Hauptstadt geht’s am Samstag los, in der Unterländer Provinz steigt im November das Finale. „Es ist toll, dass es nun eine Weltcupserie gibt“, sagt Viola Brand vom RSV Unterweissach als eine von drei deutschen Starterinnen: „Das ist ein großer Schritt für unseren Sport.“

Will auch am Samstag beim ersten Kunstrad-Weltcup in Prag eine gute Leistung aufs Parkett zaubern: Viola Brand. Foto: W. Schwarz

Von Steffen Grün

Eine Weltcupserie zu haben, ist für eine Sportart so etwas wie ein Statussymbol. Die Besten treffen sich abseits von Welt- und Europameisterschaften, um die konstantesten Athleten eines Jahres zu ermitteln. Damit, dass es dies fortan auch im Kunstradfahren gibt, verbindet Brand die Hoffnung, „dass uns das unserem Traum von Olympia näherbringt“. Lieber heute als morgen wären die Artisten im Sattel beim weltgrößten Sportereignis mit von der Partie, doch dafür ist noch viel Überzeugungsarbeit beim IOC zu leisten.

Der Weltcup soll helfen, weshalb die für Unterweissach startende Miedelsbacherin diesem neuen Format grundsätzlich positiv gegenüber steht. „Ein kleines Problem“ sieht die 23-Jährige aber darin, „dass für uns künftig das ganze Jahr Saison ist. Wir sind alle keine Profis – wir verdienen ja nichts, wir legen drauf“. Und müssen daher schauen, dass sie den Sport mit einem Vollzeitjob oder wie bei Brand mit einem Studium, „das ich in der Regelzeit durchziehen will“, unter einen Hut bringen. Das ist umso schwieriger, wenn die Saison nun schon mit dem Weltcup in Prag im Februar beginnt und im Prinzip nie eine Pause eingelegt wird. Im April steht die Qualifikation für die Europameisterschaft im Juni in Wiesbaden an, die ebenfalls neu ist. Zwischen den Weltcups in Heerlen (30. Juni) und Hongkong (12. August) liegen die baden-württembergischen Titelkämpfe, im September beginnt mit der German-Masters-Serie die traditionelle Hochphase der Saison. Die abschließenden Höhepunkte sind die deutsche Meisterschaft, das Weltcupfinale in Erlenbach am 17. November und die Weltmeisterschaft in Lüttich.

„Das Hauptaugenmerk liegt weiter auf dem Herbst“, verrät Viola Brand, „ich habe mich auf den Weltcup in Prag nicht wie auf eine WM vorbereitet.“ Rückt die näher, steht zum Beispiel viel Mentaltraining auf dem Plan und das Studium rückt für eine Weile in den Hintergrund, bevor der Stoff nachgearbeitet wird. Zuletzt lief an der Uni alles normal weiter. „Ich stecke gerade mitten in der Klausurenphase.“ Die RSV-Sportlerin will aber nicht missverstanden werden: Sie fährt nicht nach Prag, um die Schönheit der Moldau-Metropole zu bestaunen, sondern will ein sportliches Ausrufezeichen setzen. „Ich beherrsche die WM-Kür immer noch, es gab nur eine minimale Änderung“, erklärt Brand. Und warum sollte die Darbietung, die ihr in Dornbirn vor zweieinhalb Monaten zum zweiten Mal in Folge Silber bescherte, nicht auch jetzt noch gut genug für einen Spitzenplatz sein. „Ich will gut durchkommen“, sagt sie, „es kommt auch darauf an, wie die anderen vorbereitet sind.“ Zu ihren Hauptkonkurrentinnen dürften die deutschen Teamkolleginnen zählen – zum einen die amtierende Weltmeisterin Milena Slupina, zum anderen Maren Haase. Mit einem guten Start in Tschechien geht es darum, sich für die drei weiteren Weltcups in eine gute Ausgangsposition zu bringen.