Per Zufall zur hochkarätigen Verstärkung

Weil sich Tennisass Maximilian Hepp in den USA verliebte, hilft McKenna Poynter nun den TSG-Volleyballerinnen im Abstiegskampf

Manchmal sind es Zufälle und manchmal ist es vielleicht nur der Wunsch, sich in der neuen Heimat möglichst schnell wohlzufühlen. Im Fall von McKenna Poynter ist es beides. Der Liebe wegen kam die 23-jährige US-Amerikanerin im Herbst ins Murrtal. Und die Volleyballfrauen der TSG Backnang kamen dadurch zu einer wichtigen Verstärkung für ihren Kampf, die Regionalliga zu halten.

Für Backnang im Abstiegskampf im Einsatz: Die US-Amerikanerin McKenna Poynter. Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

Das Wetter? Das sei ähnlich wie im alten zu Hause, sagt McKenna Poynter. Ansonsten hat sich für die junge Frau allerdings sehr viel geändert, seit sie vor gut fünfeinhalb Monaten den Schritt über den großen Teich gewagt hat. Auenwald statt Springfield in Missouri ist angesagt. Der Grund dafür heißt Maximilian Hepp und ist hier in der Region als Stütze der TSG-Tennismänner in der Württembergliga bekannt. Sein Wirtschafts- und Finanzstudium absolvierte der Schwabe allerdings an der Drury-University in Springfield und war dort auch die Nummer eins des College-Tennis-Teams.

McKenna Poynter wiederum war Stütze der Volleyballmannschaft der Universität und da sie BWL studierte, liefen sie und Maximilian Hepp sich immer wieder über den Weg. „Wir waren zusammen in einem Kurs“, erzählt die ursprünglich aus Maize in Kansas stammende junge Frau, die ihrem Freund nicht allzu lange nach dem Bachelor-Abschluss nach Deutschland folgte. Seit September lebt sie nun in Auenwald und paukt an einer Stuttgarter Sprachschule in Stuttgart jeden Tag deutsch. Und das funktioniert so gut, dass sie mittlerweile schon sehr viel versteht und sich auch schon gut verständlich machen kann. An Ehrgeiz mangelt es der Amerikanerin auf jeden Fall nicht.

Das zeigt die Defensivspezialistin mittlerweile auch im Trikot der Backnanger Regionalligafrauen, nachdem sich der ganze Papierkram rund um die Spielberechtigung endlich erledigt hatte. Kurz vor Weihnachten gegen Georgii Allianz Stuttgart war die 1,67 Meter große Libera zum ersten Mal für die Murrtalerinnen am Ball. Mittlerweile ist sie ein fester Bestandteil des Teams und sagt: „Es gefällt mir sehr gut.“ So gut, dass Heimweh und Sehnsucht nach Familie und Freunden kein ständiger Begleiter sind. „Mindestens einmal pro Woche“, hält sie per Skype oder andere Medien Kontakt zum Vater, der in Maize als Lehrer arbeitet, der älteren Schwester und ihrem jüngeren Bruder. Zudem war eine Freundin über Weihnachten zu Besuch.

McKenna Poynter schafft dafür, dass der Kontakt in die alte Heimat nicht abreißt. Sie arbeitet aber auch daran, sich hier einen neuen Bekanntenkreis und eine Zukunft aufzubauen. Zweiteres zum Beispiel, in dem die Betriebswirtin fleißig ihren Sprachkurs besucht, um möglichst rasch einen Arbeitsplatz zu finden. Beim ersten Punkt ist sie schon einen Schritt weiter. Dank ihres Volleyballteams und ihres Freundes: „Maxi hat mir gesagt, dass Backnang eine Mannschaft hat, die ganz gut sei“, erzählt die 23-Jährige. Auf Facebook nahm sie damals Kontakt zu TSG-Spielführerin Lisa Sipple auf. Die wiederum antwortete mit einer Einladung ins Training. Und dort zeigte sich schnell, dass „sie für uns ein Glücksgriff ist“, erzählt Lisa Sipple. Ihre Technik und Athletik zum Beispiel seien richtig gut.

In den USA bereits einige

sportliche Meriten verdient

Das wiederum ist kein Wunder. In den USA war die Abwehrexpertin im Collegeteam „eine Schlüsselspielerin für zwei der erfolgreichsten Runden der Universitätsgeschichte“, schreibt die Drury-University auf ihrer Homepage. Bei ihrer Station zuvor gewann McKenna Poynter mit dem Cowley Community College als sogenannter Freshman (Neuling) 2013 gar den NJCAA-Titel der Division II und belegte das Jahr darauf in demselben Wettbewerb den dritten Rang. Hinzu kommen diverse Auszeichnungen und Nominierungen für All-Star-Teams.

Für die Neue war es dann auch ein wenig eine Umstellung, dass bei der TSG nur dreimal die Woche trainiert wurde. Im Universitätsteam musste sie jeden Tag ran, manchmal zwei- oder vor wichtigen Spielen und Turnieren gar dreimal. Aber: Das umfangreiche und viele Training in den USA spürt sie an ihren Knien und der Schulter. Das Level und der Zeitaufwand hier in Backnang ist das, was sie nun will: „Das passt, das ist gut so.“ Überhaupt ist sie mit ihrem neuen Leben zufrieden. Vielleicht auch weil sie, die gerne backt, eines schnell festgestellt hat: „Das Brot hier ist super lecker und schmeckt viel besser als das in den USA.“ Wobei das nichts mit Wunsch oder Zufall, sondern mit solidem und gutem schwäbischem Handwerk zu tun hat.