Nein zur Anschlusspflicht

Energiekonzept Baugebiet Hauäcker kommt gut an – Jeder Bauherr soll selbst entscheiden dürfen

Von Florian Muhl

AUENWALD. Die Sache ist verzwickt. Die Auenwalder Gemeinderäte sind begeistert vom Energiekonzept fürs Baugebiet Hauäcker in Hohnweiler. Es sieht preiswerte Energie für die Häuslebauer vor und ist ökologisch sinnvoll. Aber eine Anschlussverpflichtung fürs Nahwärmenetz lehnen die Räte ab. Die Energielieferanten benötigen allerdings eine Anschlussquote von über 90 Prozent.

Die Energiegemeinschaft Weissacher Tal und die Firma Energiemanagement (EM) aus Kernen haben sich bei gemeinsamen Projekten kennengelernt und kooperieren mittlerweile bestens miteinander. So liefern sie für knapp 100 Wohnungen, die der Bauträger Aspa auf dem Unterweissacher Rombold-Areal erstellen wird, die Nahwärme und auch Strom. „Preisgünstig und ökologisch sinnvoll hergestellt“, sagt Reinhard Knüdeler. Der kaufmännische Vorstand der Energiegemeinschaft Weissacher Tal stellte nun in der jüngsten Gemeinderatsitzung in Auenwald zusammen mit Michael Heißwolf von EM das Energiekonzept fürs Baugebiet Hauäcker in Hohnweiler vor.

Bei der Energiegemeinschaft handle es sich um eine Genossenschaft von Bürgern aus dem Weissacher Tal. Sie bestehe bereits seit zehn Jahren und habe 325 Mitglieder. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, regenerative Energien aktiv zu nutzen. Zudem wollen wir das Klima schützen“, erläuterte Knüdeler. „Wir initiieren und fördern Projekte zur Erzeugung erneuerbarer Energien auf lokaler und regionaler Ebene. Und wir arbeiten nicht renditeorientiert.“ Den Wärmebedarf für das Baugebiet Hauäcker, auf dem rund 28 Gebäude geplant sind, könne man sehr gut mit einem Blockheizkraftwerk (BHKW) decken, sagte Heißwolf. Der Ingenieur geht bei seinen Berechnungen von einer Wohnfläche von 130 Quadratmetern pro Gebäude und einem Wärmebedarf inklusive Warmwasser bei KFW-55-Standard von rund 172900 Kilowattstunden aus. Der Strombedarf liege bei etwa 86800 Kilowattstunden. Über die Heizzentrale, ein Erdgas-BHKW, erhalten die Haushalte ausreichend Nahwärme für Heizung und Warmwasser.

In seiner Power-Point-Präsentation stellte Heißwolf die Kosten von vier Energiekonzepten gegenüber. Das Ergebnis: Die Gesamtkosten in 15 Jahren inklusive Investition liegen bei der Verwendung eines neuen Pelletkessels am höchsten (etwas über 40000 Euro). Dahinter mit jeweils knapp über 38000 Euro die solarthermische Anlage mit Brennwertkessel und die Luft-Wasser-Wärmepumpe. Mit großem Abstand am günstigsten ist für den Bauherrn das Nahwärmekonzept. Das kostet nur rund 27000 Euro.

„Unser Energiekonzept funktioniert aber nur, wenn sich über 90 Prozent der Haushalte ans Netz anschließen lassen. Zwei bis drei Verweigerer können wir verkraften“, sagte Knüdeler. Heißwolf präsentierte Möglichkeiten, um eine 100-Prozent-Quote zu erreichen. „Gemeinden können eine Satzung über einen Anschluss- und Benutzungszwang erlassen.“ Eine Alternative wäre, dass die Gemeinde privatrechtliche Vereinbarungen in den Kaufverträgen zum verpflichtenden Nahwärmeanschluss mit Grundstückseigentümern trifft. Dies werde durch Dienstbarkeiten im Grundbuch abgesichert. Die Unabhängige Wählervereinigung hatte schon im vergangenen Jahr aus ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten ein verbindliches Nahwärmekonzept für dieses Baugebiet gefordert. Doch der Antrag von UWA-Sprecher Franz Matyas, eine Anschlusspflicht vorzusehen, wurde mit zehn Gegenstimmen bei sechs Jastimmen und einer Enthaltung abgeschmettert.

Andreas Kleinknecht (Bürgerliche Wählervereinigung) forderte, wie seine Listenkollegen auch, dass man die Bürger, die im Gebiet Hauäcker bauen wollen, selbst entscheiden lassen solle. Auch Bürgermeister Karl Ostfalk, der mit im Aufsichtsrat der Energiegenossenschaft sitzt, sagte: „Ich hab’ Bauchweh dabei, den Zwang auszusprechen.“