„Stadtluft muss besser werden“

Auftaktveranstaltung in Backnang: Paradigmenwechsel in Richtung einer neuen Mobilitätskultur

Zu schlechte Luft: Als Konsequenz drohen auch in Backnang Fahrverbote. Symbolfoto: Fotolia

Von Carmen Warstat

BACKNANG. Die Backnanger Stadtluft muss besser werden. Zwar wird der Grenzwert für Feinstaub mit 26 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft deutlich unterschritten, beim Stickstoffdioxid sieht es jedoch umgekehrt aus. Das „Sofortprogramm Saubere Luft 2017 bis 2020“ soll Abhilfe schaffen.

Bereits Ende 2016 hatte die Stadt einen Förderbescheid in Höhe von 270000 Euro für eine „Handlungs- und Umsetzungsanleitung in Sachen nachhaltige Mobilität“ erhalten (wir berichteten). Dieser Masterplan war jetzt Gegenstand einer Auftaktveranstaltung, die im Seniorenbüro mit Vertretern der Stadt, des Stuttgarter Instituts Stadt, Mobilität, Energie und der Hochschule Aalen sowie der Backnanger Wirtschaft und von Vereinen stattfand.

Zunächst gab Volker Knödler vom Stadtplanungsamt eine Einführung, um auch die rechtlichen Hintergründe zu beleuchten. Die Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid liegen demnach bei jeweils 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, und ihre Einhaltung wird von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) kontrolliert. 2016 fanden Messungen in der Backnanger Eugen-Adolff-Straße statt, bei denen ein Jahresmittelwert von 56 Mikrogramm Stickstoffdioxid ermittelt wurde. Als Konsequenz drohen voraussichtlich auch in Backnang Fahrverbote. Die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts wird am 22. Februar 2018 erwartet.

Klar ist: „Die Stadtluft muss besser werden.“ Als Maßnahmen des Sofortprogramms benannte Knödler die Elektrifizierung des gesamten urbanen Wirtschaftsverkehrs sowie der Busse im öffentlichen Personennahverkehr, der Taxis und Mietwagen als auch der kommunalen Fuhrparks, den Ausbau der Ladeinfrastruktur, die Digitalisierung des Verkehrs und die umstrittene Nachrüstung von Dieselbussen im ÖPNV. Es sei vielleicht sinnvoller, diese stattdessen gleich zu elektrifizieren beziehungsweise E-Busse anzuschaffen, merkte Knödler an. Weitere Maßnahmen sind die Verbesserung von Logistikkonzepten, die Gewährung von Umweltboni sowie die Förderung des Radverkehrs.

Die Projektsteuerung des Green-City-Masterplans für Backnang erfolgt durch das ISME (Institut Stadt, Mobilität, Energie Stuttgart), dessen Geschäftsführer, Karsten Hager, die Projektphasen umriss. Der Plan muss in einem halben Jahr stehen und soll dann dem Gemeinderat vorgelegt werden. Momentan befindet sich das Team des Dezernats III und der beteiligten Ämter in der Bestandsaufnahme, im Mai/Juni wird die Konzeptphase folgen. Dazu benötigt man die Mitarbeit der lokalen Wirtschaft, Institutionen und Verbände. Und es wird eine Lenkungsgruppe gebildet, die konkrete Studien und Konzepte erarbeitet und publik macht. Zu den Handlungsfeldern des Green-City-Masterplans gehören auch der vierstreifige Ausbau der B14 bis zur Anschlussstelle Backnang-West – mit dem Ziel, die Verkehrsbelastung der Innenstadt zu reduzieren – und die Schaffung intermodularer Mobilitätspunkte, also Schnittstellen öffentlicher Verkehrsträger.

Schließlich stellte Knödler ein Forschungsprojekt der Hochschule Aalen vor, das sich „NoNOxCity“ nennt und die stickstoffdioxidfreie Stadt anvisiert. Durch die Nutzung von lokal erzeugtem, regenerativem Strom soll der schadstofffreie, rein elektrische Verkehr zur Realität werden. Förderanträge hierfür wurden bereits von einigen Backnanger Unternehmen gestellt.

Angeregt diskutierten die Vertreter der Wirtschaft die Vorhaben der Stadt und knüpften erste Kontakte, sodass die Bildung der Lenkungsgruppe demnächst erfolgen kann. Zum Abschluss informierten Volker Knödler und Karsten Hager über Förderprogramme des Bundes und des Landes Baden-Württemberg.