Frisch und fluffig müssen sie sein

Klassische Fasnetsküchle: Süße Leckerei zur Faschingszeit – Ulrike Stiehler backt aus Leidenschaft

Frische Fasnetsküchle gehören fest zur Narretei, denn ohne die leckeren Krapfen ist die fünfte Jahreszeit nur halb so schön. Doch wer macht das noch selbst? Ulrike Stiehler, Dozentin an der Backnanger Volkshochschule, liebt es, zu backen und zu kochen. Da ist es selbstredend, dass sie in der Faschingszeit Fasnetsküchle zubereitet: „Das haben schon meine Oma und meine Mutter gemacht.“

Ulrike Stiehler schöpft die fertigen Fasnetsküchle aus dem heißen Fett und schwenkt sie anschließend in Zucker und Zimt. Fotos: J. Fiedler

Von Yvonne Weirauch

 

SULZBACH AN DER MURR/BACKNANG. Fasnetsküchle sind nicht der Inbegriff gesunder Küche, aber unvergleichlich lecker – umso leckerer sind sie, wenn sie hausgemacht sind. Nur für den Besuch der BKZ-Redakteurin hat Ulrike Stiehler den Termin am Rosenmontag zum Fasnetsküchlebacken um einige Stunden vorverlegt. Am Morgen steht sie in ihrer kanadischen Landhausküche und bereitet den Hefeteig zu: „Ich mache ganz klassische, schwäbische Fasnetsküchle, wie sie meine Oma und meine Mutter schon gemacht haben“, sagt die 44-Jährige. Mit Ernährung, Kochen und Backen kennt sich die gelernte Diätassistentin bestens aus. Ihr Wissen vermittelt sie auch gerne als Dozentin an der Volkshochschule Backnang weiter, dort gibt sie Kochkurse. „Ich stehe liebend gerne in der Küche. Wenn man sich heutzutage die Preise beim Bäcker anschaut, lohnt es sich, selbst Zutaten zu kaufen und zu kochen oder zu backen – wenn man die Zeit und die Laune dazu hat“, sagt Stiehler.

„Bei mir geht es nicht nach Schönheit und Genauigkeit“

 

Sie zieht die Ringe von den Fingern ab und bindet sich ihre bordeauxfarbene Schürze um. Der Hefeteig ist schnell zubereitet, nur das Gehen des Teigs braucht etwa eine Stunde. Dann kann es losgehen: „Es ist wirklich kein Hexenwerk“, lacht die dreifache Mutter.

Das Küchle-Rezept klingt nicht kompliziert: „Ich habe das schon an der Volkshochschule im Kurs gemacht. Für viele Teilnehmer war es erstaunlich, wie einfach die Fasnetsküchle zu machen sind und wie schnell es geht.“ Sie verteilt etwas Mehl auf der Arbeitsfläche, nimmt den Teig aus der Schüssel, teilt ihn in zwei Hälften und beginnt, den einen Teil mit dem Nudelholz auszurollen. Nebenbei erzählt sie über ihre Leidenschaft, in der Küche zu stehen: „Beim Hausbau habe ich gesagt, ich möchte eine große Küche, das war mir das Wichtigste. Und ich wollte keine Kochinsel, sondern eine Insel zum Schaffen – und viel Stauraum.“ Auf ihrer Schaffinsel hat Ulrike Stiehler ein Holzarbeitsbrett platziert.

Der Teig ist darauf ausgerollt, jetzt nimmt Ulrike Stiehler ein Teigrädchen und schneidet nach Augenmaß kleine Rauten zurecht. „Bei mir geht es nicht nach Schönheit und Genauigkeit“, lächelt sie und fügt witzelnd hinzu: „Mein Mann ist ein ganz Genauer, er würde bestimmt ein Geodreieck nehmen.“ Die 44-Jährige findet es in diesem Fall schön, wenn nicht jedes Küchle gleich aussieht: „Da gibt es kleine, etwas größere, eckige, runde – aber klein sollten sie alle sein, denn die lassen sich einfach besser zwischendurch vernaschen.“

Backen, Kochen und Schnippeln hat für Ulrike Stiehler etwas Meditatives

 

Lange würden die Fasnetsküchle im Hause Stiehler nicht halten. Aber das sei richtig so, denn frisch würden sie am besten schmecken: „Meistens mache ich eine Schüssel voll. Dann reicht’s vielleicht manchmal auch noch bis zum Frühstück am nächsten Tag“, so Stiehler. Früher habe sie die kleinen Teigstücke in eine Fritteuse geworfen: „Aber der Nachteil ist: Da kann ich nicht so viele auf einmal machen.“ In dem großen mit Frittierfett gefüllten Topf, den sie jetzt auf ihrem Herd stehen hat, passt bedeutend mehr hinein. „Ich kann kein bestimmtes Öl oder Fett empfehlen. Es sollte ein Öl sein, dass man hoch erhitzen kann, genauer gesagt, bis 170 Grad.“ Ein bisschen Koch- und Backerfahrung spiele auch ein Rolle, so sieht Ulrike Stiehler genau, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um ein Teigzipfelchen ins heiße Fett zu halten. Geduld sei nötig, bis das Fett zu blubbern beginne: „In der Fritteuse ginge das natürlich schneller.“

Jetzt müsse man alles aufmerksam im Auge behalten, denn würde die Temperatur zu hoch werden, würden die Teigbällchen zu dunkelbraunen oder gar schwarzen Klumpen verbrennen. „Das ist der Knackpunkt“, sagt Stiehler. Sie schaltet den Herd eine Stufe niedriger und blickt in den Topf: „Wenn die eine Seite braun ist, muss man die Küchle wenden.“ Das sei manchmal nicht so einfach, denn „wenn sie zu viel Luft haben, drehen sie sich einfach wieder zurück“.

Zimt und Zucker für einen

schmackhaften Abschluss

 

Dieser Anblick, wie sich die kleinen Teigkissen im Fett bewegen, hat etwas sehr Entspannendes. „Kochen, Backen, Gemüseschneiden – all das ist schon meditativ für mich“, gibt Ulrike Stiehler zu. Mittlerweile hat sich nicht nur der Geruch nach Frittierfett in der großen Küche verteilt, sondern auch der Duft nach frischen Fasnetsküchle. Die ersten fischt Ulrike Stiehler aus dem Topf: „Das ist so meins, wenn sie nicht so ganz dunkel sind, sondern noch einen weißen Rand haben, wie Berliner.“

Aus dem Topf geschöpft, schwenkt Ulrike Stiehler die ersten aufgegangenen Küchle direkt in einer mit Zucker und Zimt gefüllten Auflaufform: „Das ist reine Geschmacksache, man kann auch nur Zucker verwenden. Aber ich mache gerne noch ein bisschen Zimt dazu.“ Einmal kräftig hin- und hergeschüttelt und dann ab in die Schüssel zum kurzen Abkühlen. „Ganz frisch und noch ein bisschen warm – so schmecken sie am allerbesten.“

 

Rezept: Fasnetsküchle

Zutaten:
Für etwa 50 kleine Küchle (nach dem Rezept von Ulrike Stiehler)

Den einfachen Hefeteig macht man aus:
500g Mehl
einem Würfel frischer Hefe
70g Zucker
1 Päckchen Vanillezucker
1 gute Prise Salz
3 Eier
50g weiche Butter
125 ml Milch (lauwarm)
Außerdem braucht man 1 kg Frittierfett/Frittieröl
Zucker

Zubereitung:
Mehl in eine Rührschüssel geben, die Hefe mit der Milch verrühren und in das Mehl geben. Etwas verrühren und 15 Minuten ruhen lassen. Die restlichen Zutaten dazugeben und den Teig kneten, bis er sich vom Schüsselrand löst. Mit ewas Mehl bestäuben und etwa eine Stunde gehen lassen. Den Teig auf der Arbeitsplatte auswellen und mit einem Teigrädchen kleine Rauten schneiden.
In einem großen Topf oder in der Fritteuse das Fett auf etwa 170 Grad erhitzen und die Küchle goldbraun ausbacken. Dabei wenden. Anschließend die noch heißen Küchle in Zucker und Zimt wenden.