Soziale Netzwerke sind für Firmen ein Muss

Professor Harald Eichsteller von der Hochschule der Medien Stuttgart referiert über die Suche nach dem Kunden in der Medienwelt

Das Stadtmarketing hatte an einen ungewöhnlichen Ort eingeladen und mit dem Vortrag ein Thema für die Backnanger Gewerbetreibenden getroffen, das derzeit viele beschäftigt. Das lässt sich aus der Anzahl der Besucher ableiten, die alle hören wollten, wie man in der heutigen Medienwelt Kundenkontakte aufbaut.

Harald Eichsteller ist Professor für Internationales Medienmanagement und Studiendekan Master Elektronische Medien an der Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart. Zuvor war Eichsteller Prokurist bei Kienbaum und Partner und anschließend Ressortleiter strategische Planung bei RTL Television. Außerdem war er zwei Jahre lang Geschäftsführer der ARAL Online GmbH. Seit 2003 lehrt er an der HdM. Foto: A. Becher

Von Andreas Ziegele

BACKNANG. „Überwältigend!“, so bewertete Sigrid Göttlich, die Erste Vorsitzende des Vereins Stadtmarketing, die Resonanz auf die Einladung, die auch an die Mitglieder des Gewerbevereins gegangen war. Auch Dr. Ralf Binder, der Wirtschaftsbeauftragte der Stadt, zeigte sich begeistert von über 100 Anmeldungen zu der Veranstaltung im Universum-Kino in Backnang. Einen Vergleich zu früheren Veranstaltungen konnte und wollte Göttlich nicht ziehen: „Das ist zum ersten Mal, dass wir zu einer solchen Veranstaltung in einer solchen Umgebung eingeladen haben“, ließ sie wissen. Wie ungewöhnlich der Ort ist, äußerte die Vereinsvorsitzende auch noch mal in ihrer Begrüßung: „Hier vorne zu stehen und im Kino mal in die andere Richtung zu blicken, das hat schon fast was von Schauspielern.“

Als Vortragsgast konnte Professor Harald Eichsteller von der Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart gewonnen werden. Obwohl der Titel des Vortrags „Auf der Suche nach dem Kunden in der heutigen Medienwelt – Kundenkontakte effizient aufbauen“ recht sperrig geraten war, sollte es doch ein kurzweiliger und sehr informativer Abend werden. Dass dieses Thema den Backnanger Gewerbetreibenden auf den Nägeln brennt, zeigte nicht nur der große Andrang, sondern auch die Mischung der Gäste. Von A wie Apotheke über F wie Friseursalon und M wie Metzgerei bis zu Z wie Zeitungsverlag waren alle gekommen.

Eichsteller startete seinen Vortrag mit der Frage: „Social Media – wie funktioniert das eigentlich?“ Anhand von gelungenen und weniger gelungenen Facebook- und Instagram-Auftritten von Unternehmen und Personen führte er in das Thema ein. Und auf Facebook und Instagram legte er an diesem Abend den Schwerpunkt. „Facebook vergreist“, so seine provokante Aussage, die er sogleich relativierte: „Die Jugend wandert zu Snapchat, weil sie bemerkt hat, dass ihre Eltern in Facebook sind. Aber Facebook hat die höchsten Zuwachsraten in der Altersklasse 60+. Und die haben Kohle und Zeit!“, wie der 56-Jährige etwas salopp die Kaufkraft dieser Klientel beschrieb. Der Gast aus Stuttgart hatte sich im Vorfeld intensiv mit Backnang beschäftigt. Dabei hat er nicht nur die Social-Media-Präsenzen einiger Geschäfte und Unternehmen virtuell besucht, sondern war persönlich vor Ort gewesen. Daraus hatte er nun ein Ranking der „Top10@Backnang“ erstellt, wobei die Platzierungen schon für die eine oder andere Überraschung im Publikum sorgten.

Insbesondere legte er den Finger bei dem sogenannten Responsive Design von Netzauftritten in die Wunde. Dabei handelt es sich um die Gestaltung von Webseiten, die dann auf allen Endgeräten – also auch Smartphones und Tablets – entsprechend reagieren. „Bei dem einen oder anderen klemmt’s an dieser Stelle“, merkte der HdM-Professor an. Teilweise waren dann aber seine Sprünge von Geschäften in Backnang in die Welt der Online-Auftritte von Adidas oder Marco Polo doch etwas groß. Ein interaktives Schaufenster wird es wohl in nächster Zeit in den Straßen der Murr-Metropole nicht geben.

Eichsteller fand dann aber wieder ermutigende Worte für die Geschäftsleute: „Suchen Sie sich die Plattform, die Ihnen selber Spaß macht, und treten Sie so mit Ihren Kunden in Kontakt.“ Das kann nach seiner Aussage am Anfang auch eine Excel-Tabelle mit Kundendaten sein, aus denen sich ein Newsletter mit persönlicher Ansprache generieren lässt.

In der anschließenden Fragerunde wurde es dann sehr konkret: „Wie oft muss ich auf Facebook einen Beitrag posten, um wahrgenommen zu werden?“ Harald Eichsteller empfiehlt hier keine genaue Angabe in Tagen oder gar Stunden. „Die Beiträge müssen regelmäßig erfolgen und vor allem relevant sein“, so seine Antwort. Ein anderer Gast wollte wissen, ab wie viel Followern, also Anhängern, man von einer relevanten Größe sprechen kann? Antwort: „Ab 1000 sprechen wir hier von einer relevanten Größe.“ Um in diese Größenordnungen vorzustoßen, braucht es nach seiner Empfehlung aber Kampagnen und deren Emotionalisierung, die „die Menschen auf die Social-Media-Seiten des Absenders ziehen“. Und auf die Frage, wie man zumindest die ersten 100 bis 200 solcher Follower gewinnt, wusste Eichsteller gleich eine Antwort: „Wenn sich die Mitglieder des Stadtmarketingvereins gegenseitig ein „Gefällt mir“ geben, dann sind das schon mehr als 100.“