Position schamlos ausgenutzt

Drei Geschäftsleute wegen Diebstahls zu sieben Monaten Bewährung und Geldstrafe verurteilt

Von Hans-Christoph Werner

BACKNANG. Gleich drei gestandene Herren sitzen dem Staatsanwalt gegenüber. Sie sind zwischen 55 und 42 Jahre alt. Alle haben sie ihren Lebensweg gemacht, haben selbst eine Firma gegründet oder waren Abteilungsleiter. Alle geben sie an, über 2000 Euro netto zu verdienen. Aber jetzt sind sie im Verhandlungssaal des Backnanger Amtsgerichts. Zusammen mit ihren Anwälten. Die Mienen aller Beteiligten sprechen: Die Sache ist ernst.

Der gebürtige Berliner unter den Beschuldigten, 55 Jahre alt, Industriekaufmann, hatte es in einem Backnanger Unternehmen bis zum Logistikleiter gebracht. Im November 2016 und im Januar 2017 geschieht es, dass vom Gelände eben genannter Firma jeweils ein Gabelstapler verschwindet. Betriebsangehörige suchen danach, werden nicht fündig. Es kommt zu Gesprächen, die Polizei wird eingeschaltet. Bei der Vernehmung eines Beteiligten, einem 48-jährigen Spediteur aus Filderstadt, wird dessen Handy beschlagnahmt.

Die Polizei liest die auf dem Handy gespeicherte WhatsApp-Kommunikation mit den anderen Beteiligten aus. Ein umstrittener Vorgang. Wurde die Belehrung des Beschuldigten versäumt? Alle Rechtsanwälte widersprechen der Verwertung der ausgelesenen Nachrichten. Der Richter weist das zurück. Selbst wenn ein Belehrungsverstoß erfolgt sei, bedeute das nicht ein Verwertungsverbot. Das Handy sei Beweismittel. Im weiteren Verlauf der Untersuchungen stellt sich heraus, dass der Logistikleiter in großzügiger Auslegung seiner Befugnisse die beiden Gabelstapler zur Verschrottung ausgewiesen hat.

Für seine Stellung unüblich, hatte sich der Berliner dazu eigens an einem Samstag aufs Firmengelände begeben. Und nicht versäumt, die Inventarliste der Firma entsprechend zu korrigieren. Die IT-Abteilung der Firma konnte die ursprüngliche Liste wiederherstellen. Die Erklärungsnöte für den beschuldigten Logistikleiter werden groß und größer, sind doch die Abläufe in der Firma genau geregelt. Und vor allem ist alles schriftlich dokumentiert.

Währenddessen sind die Gabelstapler bereits auf dem Weg. Doch mitnichten zur Schrottpresse, sondern zu neuen Besitzern nach Bayern und Österreich. Über den privaten Ebay-Account des jüngsten Beteiligten, einem 42-jährigen Speditionskaufmann aus Reutlingen, hatte man sie angeboten.

Die neuen Besitzer zahlten 7800 Euro für die unterschlagenen Gabelstapler

Wohl wiesen die Stapler deutliche Gebrauchsspuren auf und die Reifen waren abgefahren. Aber die neuen Besitzer zahlten dafür 2600 beziehungsweise 5200 Euro. Als die Sache zu heiß wurde, beeilten sich die Herren, alles wieder rückgängig zu machen. Der Kaufpreis wurde zurücküberwiesen, die Arbeitsgeräte zurücktransportiert. Einer der Gabelstapler ist noch heute im Einsatz. Aber nun war die Sache leider schon geschehen.

Das Backnanger Unternehmen trennte sich von seinem Logistikleiter. Die jahrelange Zusammenarbeit der Firma mit der Spedition des anderen Tatbeteiligten wurde aufgehoben. Und die Herren hatten sich eine Verhandlung eingebrockt. Zwei von ihnen zogen sich auf ihr Aussageverweigerungsrecht zurück. So kam den Zeugenaussagen besondere Bedeutung zu. Die Personalleiterin der geschädigten Firma wird gehört. Ihr gegenüber hatte der Logistikleiter einen Fehler eingeräumt, die bereits erwähnte Korrektur der Inventarliste aber verschwiegen. Gegenüber einem Interimsmanager der Firma hatte der Hauptbeschuldigte von einem Versehen gesprochen. Auch der Käufer eines Staplers wird gehört. Und der mit den Ermittlungen betraute Polizist. Für den Staatsanwalt ist der Fall klar. Der Logistikleiter hat seine Position schamlos ausgenutzt. Mit dem Speditionschef schon länger bekannt, hat er zusammen mit diesem die Sache durchgezogen. Der dritte Beteiligte hat Beihilfe geleistet.

Für die Verteidiger der Beschuldigten ist der Fall auch klar. Der Logistikleiter handelt im Rahmen seiner Befugnisse, für den Speditionskaufmann war Unrechtmäßigkeit des Handels nicht erkennbar. Und auch der Dritte im Bunde hatte keinen Anlass, Argwohn zu entwickeln. Der Richter sah das anders. Zwei Gabelstapler verschwinden vom Gelände einer Firma. Und in beiden Fällen sind jeweils dieselben drei Personen beteiligt. „Das stinkt!“ Aber statt sie zu verschrotten, wurden die Stapler verkauft. Und er berief sich vor allem auf die Chat-Kommunikation der Beteiligten. Sie verrate, dass man vorsichtig und planmäßig vorgegangen sei. Durch die Rückabwicklung des Geschäfts habe man versucht, aus der Sache wieder rauszukommen.

Das Urteil: für den Logistikleiter und den Speditionskaufmann jeweils sieben Monate auf Bewährung. Der Dritte im Bunde kam mit einer Geldstrafe in Höhe von 4050 Euro davon.