Ein prächtiges Amüsement

Die Mundartbühne d’Mauldäschla gibt letzte Aufführung von „Dreck am Stecka“ im Bandhaus

Ehemann und Firmenchef Kurt-Georg, Putzfrau Klara und die vernachlässigte Gattin Lisa: Die Mitglieder der Backnanger Schauspielgruppe um Wolfgang Renz, Marion Hettich und Maren Schuster liefen in ihrem jüngsten Stück „Dreck am Stecka“ wieder einmal zu Hochform auf. Foto: J. Fiedler

Von Carmen Warstat

BACKNANG. Traditionell finden die letzten Vorstellungen der Mauldäschla im Bandhaustheater statt, so auch dieses Mal. Trotz der krankheitsbedingten Verschiebung waren fast alle Plätze belegt, und das Publikum amüsierte sich prächtig.

Die Backnanger Schauspieltruppe ging aus der Pleidelsheimer Theaterbühne hervor und ist dem Bandhaustheater angeschlossen. Marion Hettich war in Pleidelsheim 28 Jahre lang aktiv. Dort sammelte sie Erfahrungen in allen Bereichen der Theaterarbeit. Heute wählt sie die Stücke aus, kümmert sich um Textarbeit, Besetzung und Regie, und natürlich spielt sie auch mit. Die neun „Mauldäschla“ machen alles selbst: Bühne, Kostüme, Technik und Nachbereitung der Aufführungen. Es macht ihnen sichtlich Spaß, man kann sagen: Sie brennen dafür. Acht Mal sind sie mit „Dreck am Stecka“ aufgetreten. Für diese Inszenierung hat Marion Hettich den Zweiakter von Hans-Joachim Caspart zu einem Dreiakter umgearbeitet. Denn: Die Pausen sollten sich an den gewerkschaftlich vorgeschriebenen Pausen der von ihr gespielten Putzfrau orientieren, so Marion Hettich einleitend. „Lachen Sie feste und laut, das g’fallt uns nämlich!“ Sie rief es noch, und schon hob sich der Vorhang. Das Chefbüro einer schwäbischen Abrissfirma kam zum Vorschein, darin die Putzfrau Klara, die sich am hinter Ordnern versteckten Ramazotti labt und unter dem Schreibtisch das „Wochenblättle“ findet. Dessen Rückseite ziert eine Bordellwerbung, womit die Konflikte angerissen sind. Der Chef (Wolfgang Renz) ist ein Weiberheld und seiner Frau Lisa offensichtlich untreu. Zudem betrügt er das Finanzamt, indem er den „Privatclub“ seiner Geliebten heimlich sponsert und die Spende als gemeinnützige Zuwendung an das „Kinderschiale“ seiner Gattin tarnt.

Letztere indes, grandios gespielt von Maren Schuster, lässt sich nichts gefallen. Sie kommt den Betrügereien ihres Gemahls auf die Schliche und weiß sie liebenswert intrigant zu unterlaufen. Mit von der Partie sind ein typischerweise ewig ängstlicher Buchhalter, ob der gefälschten Bilanzen mehr als bekümmert und besonders als Betrunkener überzeugend (Jonas Renz), eine Sekretärin, die sich von der grauen Maus zum heißen Feger wandelt (Tanja Werner), Lisas Schulfreund (Manni) und jetzige Ministerialdirigent beim Finanzministerium, meisterhaft und stimmgewaltig dargestellt von Jochen Seibold und natürlich die abgebrühte Putzfrau Klara (gespielt von einer überaus gewitzten Marion Hettich), neugierig „wie der Teufel“ und allgegenwärtig. Wenn Klara einmal wirklich nicht auf der Bühne ist, ihr Staubwedel oder der Wischmopp wuseln garantiert irgendwo herum, denn sie putzt sogar die Schlüssellöcher. Kurt-Georg, der Chef der Firma „Sand Steine Erden“ läuft als derangierter Schürzenjäger, der, beinahe in flagranti ertappt, zuerst Hemd und Hose schließen muss, zu Hochform auf und begeistert das Publikum restlos. Aber auch Thomas Wieczorek in der kleinen Rolle des notorisch dieselbe Frage stellenden Bauarbeiters Helmut weiß zu amüsieren, scheint seine Figur doch die einzige im Ensemble zu sein, die tatsächlich arbeitet. Trotzdem wendet sich natürlich alles zum Guten, sowohl in Sachen Geld als auch in Sachen Liebe. Nicht zuletzt sorgten „d’Mauldäschla“ für Erheiterung, indem sie allerlei Lokalkolorit von „Kunberger bis Ungeheuerhof und Staigacker bis Aspach einfließen ließen. Abschließend stellte Hettich ihr Team vor, darunter die unverzichtbare Souffleuse Simone Stange sowie den Techniker Horst Hettich.