- Backnang & Kreis 30.07.2010
Eltern klagen über Gebührenmodell
Systemwechsel für Kindergarten erfährt Kritik – Verwaltung: Beiträge unter den Richtsätzen
Kindergarteneltern haben sich jetzt beschwert. Sie beklagen, dass am Kindergarten Marktplatz die verlängerten Öffnungszeiten und das Betreuungsangebot „zwei aus fünf“ mit entsprechendem Tarif abgeschafft worden sind.
Von Armin Fechter
WEISSACH IM TAL. Im Gemeinderat nutzten die Betroffenen die Bürgerfragestunde, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Dass die verlängerten Öffnungszeiten abgeschafft wurden, sei „nicht sehr familienfreundlich“, hieß es. Konsequenz: „Die Frauen sollen ihr Kind in die Ganztagsbetreuung geben, was sie unter Umständen gar nicht wollen.“ Aber auch wer das Ganztagsangebot eigentlich gern in Anspruch nimmt, hat seine Mühe damit. „Ich arbeite nur zwei Tage, muss aber für fünf Tage Betreuung zahlen“, schilderte eine Mutter ihre Lage: Sie würde einen flexibleren Gebührentarif begrüßen, der einen ermäßigten Elternbeitrag für den Fall vorsieht, dass ein Kind nicht jeden Tag in die Betreuung geht – eine Zwei-aus-Fünf-Regelung etwa, wie es sie schon einmal gegeben hat.
Hauptamtsleiter Wolfram Hartmann und Bürgermeister Ian Schölzel setzten sich sogleich mit der Kritik auseinander. „Wir hatten ein sehr differenziertes Angebot und eine komplizierte Gebührenstruktur. Sie wurde auf Wunsch der Eltern überarbeitet“, blendete Hartmann zurück auf die Ausgangssituation. Im System habe es Ungereimtheiten und Widersprüchlichkeiten gegeben. Das neue Modell hingegen ist nicht mehr so stark differenziert. Es unterscheidet zwischen bis zu sechs und bis zu zehn Stunden Anwesenheit. Und selbst bei siebenstündiger Anwesenheit seien die Gebühren im Vergleich zu den Landesrichtsätzen nicht überteuert. So lautet zum Beispiel der Landesrichtsatz für Kinderkrippen bei einer sechsstündigen Betreuung 258 Euro. In Weissach erhalten die Familien aber für 261 Euro – also nur 3 Euro mehr – eine zehnstündige Ganztagesbetreuung an fünf Tagen in der Woche. Für Kinder zwischen zwei und drei Jahren werden in der Ganztagskrippe sogar nur 174 Euro erhoben. Abgesehen davon sind die Beiträge weiterhin nach der Anzahl der Kinder in der Familie gestaffelt. Hartmann rechnete vor: „Wir nehmen 2,20 Euro je Betreuungsstunde.“
„Die Einigung war schwierig“, erinnerte Schölzel an die Entscheidungsfindung. Die Sache sei im Gemeinderat und mit der Kirche intensiv beraten worden, und letztlich wurde ein Vorschlag aus den Reihen des Gemeinderats angenommen. „Wir können die Gebühren nicht jedes halbe Jahr ändern“, warnte er vor einer neuerlichen langwierigen Diskussion und verwies gleichzeitig auf andere Gemeinden, in denen die Tarife gerade erhöht werden: „Würden wir neu diskutieren, wären die Verhältnisse hinterher nicht mehr so, wie sie jetzt sind.“
Und dass das Zwei-aus-fünf-Modell nicht mehr praktiziert wird, hat für den Bürgermeister einen eindeutigen Grund: „Wir müssen das Personal für die Ganztagsbetreuung vorhalten.“ Und zwar für fünf Tage in der Woche.

