Dienstältester wird Jüngstpensionär

Gerhard Mäule, das letzte Urgestein der technischen Bauverwaltung in den Ruhestand verabschiedet

Zählt man die Stunden zusammen, die Gerhard Mäule in seiner 33-jährigen Amtszeit mit dem Gemeinderat verbracht hat, kommt man auf eineinhalb Jahre. Es ist nur eine statistische Zahl. Eine von vielen, die gestern bei seiner Verabschiedung genannt wurde.

Von Renate Häussermann

BACKNANG. „Das letzte Urgestein der technischen Bauverwaltung“, wie es Personalratsvorsitzende Katja Caspari bei der Feier im historischen Rathaus ausdrückte, ist ab 1.August offiziell im Ruhestand. Oder mit den Worten von OB Dr. Frank Nopper gesagt: Der dienstälteste Amtsleiter wird zum Jüngstpensionär. In der Tat hat man einige Mühe, Gerhard Mäule rein optisch der Pensionärsriege zuzuordnen. Und doch hat er sich entschieden, dass 45 Berufsjahre genug sind und er mit 63 Jahren freiwillig und freudig in den Ruhestand geht. Viele Wegbegleiter hatte er in dieser langen Zeit. Von einigen hat er sich schon in den vergangenen Wochen verabschiedet, sodass die Zahl jener, die gestern zum festlichen Akt eingeladen waren, überschaubar blieb. Weit davon entfernt, sich feiern zu lassen, hatte Mäule auch Wert auf wenige und vor allem kurze Reden gelegt.

Die längste, dabei aber sehr kurzweilige Rede hielt der Oberbürgermeister. Er bemühte selbst die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa und den US-Astronauten Neil Armstrong, die für Vergleiche mit dem Schwaben, Allmersbacher Freizeitwengerter und Durch-und-durch-Backnanger Mäule herhalten mussten. Es gilt freilich festzuhalten, dass Gerhard Mäule nie ein Amtsleiter war, der zu selbstverliebten Höhenflügen abgehoben hat. Auch gab es in Verwaltung oder Gemeinderat nie Ansätze, ihn auf den Mond schießen zu wollen. Im Gegenteil. Wenn es Stress gab im Bauverwaltungsdreigestirn Gerhard Mäule, Rudolf Eisgruber und Reginald Kunzelmann, war Mäule „der gelassene Ruhepol“, erinnerte sich Katja Caspari.

Da könnte man meinen, es mit einem braven Duckmäuserbeamten zu tun zu haben. Weit gefehlt. Auch Frank Nopper hatte erfahren müssen, dass der Amtsleiter ein „ernst zu nehmender Kritiker“ war, auch dann, „wenn es dem OB nicht gefällt“. Große Fußstapfen werde Mäule hinterlassen, prophezeite Nopper und überreichte dem Neu-Pensionär als Abschiedsgeschenk eine Armbanduhr. Mäule habe versprochen, sie täglich zu tragen, unterstrich der OB, „somit bleibt ihm nix anderes übrig, als täglich an uns zu denken“.

Zwei Reden, Musikstücke von Jugendmusikschülern unter Leitung von Volkmar Schwozer – das soll alles sein? OB Nopper war’s offensichtlich zu wenig. „Wünscht noch jemand das Wort?“, fragte er in die Runde. „Etwa der Altstadtrat Volker Müller?“ Aber ja doch. Müller eilte ans Rednerpult. Es fiel ihm nicht schwer, auch unvorbereitet anerkennende Worte zu finden. Er erinnerte an das sehr gute Zusammenarbeiten. Nicht zuletzt auch deshalb, weil mit Mäule viele Anliegen auf dem kleinen Dienstweg erledigt werden konnten.

Und dann war es an Gerhard Mäule, sich zu verabschieden. Es war wohl seine längste Rede in seinem ganzen Berufsleben. Ein herzlicher Dank ging an seine Vorzimmerdame Annegret Müller, die ihm 33 Jahre lang kompetent und charmant den Rücken freigehalten hat. Annegret Müller geht ebenfalls zum 1.August in den Ruhestand.

Die Liste der Namen, denen sich Mäule mit Dank verbunden sah, war lang. Sein besonderer Dank galt aber seinen Mitarbeitern: „Ohne eine gute Mannschaft hat ein Amtsleiter wenig Erfolg.“ Seien es die Kollegen, die Stadträte, die Ortschaftsräte, der Gutachterausschuss, die Bürgermeister, die Architekten und Ingenieure sowie die vielen Vertreter der Bauwirtschaft, an deren Begleitung er gerne denkt, nichts gehe aber über eine intakte Familie. Dass er eine solche hat, dafür ist er dankbar.

Mäule verabschiedete sich mit dem vielsagenden Spruch von Heinz Erhardt: „Erst wenn ein Anzug abgetragen ist, beginnt seine Glanzzeit.“