Poppig-unterhaltsam soll es sein

Wenn Dirigenten erzählen: Ulrich Hönig leitet drei Chöre, sein Herz schlägt für die Popularmusik

Er leitet drei Chöre in Allmersbach im Tal: den Liederkranz, den Jugendchor Young Explosion und den Popchor High Fidelity. Der bald 40-jährige Uli Hönig aus Auenwald ist Popmusikliebhaber, seinen Lebensunterhalt verdient er seit zwanzig Jahren als Disponent.

„Mit 3 Leuten haben wir angefangen. Heute sind wir 35“: Ulrich Hönig über den Popchor High Fidelity.Foto: T. Roth

Von Thomas Roth

AUENWALD/ALLMERSBACH IM TAL. Nicht nur die Musik also bestimmt sein Leben. Der Industrieelektroniker ist auch ausgebildeter Sanitäter. Als Wehrdienstverweigerer kommt er beim Deutschen Roten Kreuz in Backnang unter und absolviert dort die Komplettausbildung: „Ich bin sehr ehrgeizig. Wenn ich etwas mache, dann versuche ich, es perfekt zu machen und auch dafür einzutreten.“

Mit vier Jahren bläst Ulrich Hönig die Blockflöte. Mit sieben die Trompete, und mit zehn tastet er sich ans Klavier heran. Die Grundlagen für musikalisches Schaffen sind gelegt. Hönig widmet sich mit zunehmendem Alter mehr und mehr der Musik. Und weil er ehrgeizig ist, nimmt er Unterricht bei Hajo Renz, der ihm Chorleitung und die Regeln der klassischen Musik nahebringt. Nach Stuttgart und Tübingen führt der musikalische Ausbildungsweg, und es stellt sich heraus, dass Hönigs Herz für die Popularmusik schlägt. Dort fühlt er sich heimisch. Smetanas „Moldau“ steht wohl im CD-Regal, aber das war’s schon. Gewissermaßen die Klassik-Quoten-CD.

Entsprechend gestaltet der Dirigent die Programme mit seinen drei Chören. Poppig-unterhaltsam soll es sein. Wenn möglich perfekt, auch was die Performance betrifft: Punktgenaue Lichteffekte, klare Mikrofonierung und Klanggestaltung. Abgesehen von klassischer Musik hört Hönig alles querbeet und lässt es auch singen: „Ich versuche gern, Lieder zu singen, die nicht jeder Chor macht. Viele Songs gibt es nicht als Chorsatz zu kaufen. Die lasse ich dann arrangieren. Zum Beispiel von Matthias Ortmann aus Osnabrück.“

Ulrich Hönig – er ist verheiratet und hat drei Kinder – denkt zurück an die Anfänge des Popchors High Fidelity im Jahr 2003: „Die Sänger des Liederkranzes haben damals den Aufbau des Popchors sehr unterstützt. Mit 3 Leuten haben wir angefangen. Heute sind wir 35“, erinnert sich der Chorleiter und private Musiklehrer noch gut. Längst leidet der traditionell ausgerichtete Liederkranz an den allgemein üblichen Nachwuchssorgen, und Hönig will diesen verdienten Chor unterstützen. Mitglieder des Popchors verstärken den Liederkranz: „Aus Dankbarkeit und Anerkennung für die Hilfe von damals bis heute. Da kommen zu Popchor-Konzerten heute 80-jährige, aktive Sänger und helfen bei der Bewirtung oder beim Bestuhlen.“ Noten, Hallenmieten, Technik, Werbung, Gagen für die Begleitband: Es fallen Kosten an, die gestemmt werden müssen. Allmersbacher Firmen treten dabei als Sponsoren positiv in Erscheinung. Ebenso unterstützt die Gemeinde die Aktivitäten der Chöre. Doch darauf allein will Hönig nicht bauen. Er scheint ein schlauer Kopf zu sein und betreibt Marketing in eigener (Chor)-Sache: Die „High-Fidelities“ kann man mieten zu allerlei Anlässen, sei es die Hochzeit, der Geburtstag oder ein Firmenevent. Mal wird gegospelt, mal gerockt, mal Pop gesungen. Als nächstes größeres Projekt ist ein Rockkonzert geplant mit Titeln von Bon Jovi, Meat Loaf, Guns N’ Roses, Queen und anderen Hitfabrikanten. Da ist dann auch wieder die Begleitband mit von der Partie: mit Kai Dolde am Klavier, dem ehemaligen Drummer der Klostertaler Andre Altenried, der Geigerin Claudia Göltenboth, mit Lars Richter an der E-Gitarre und mit Ove Bosch am Bass. „Generell gesucht“, so Hönig, „sind gute Männerstimmen.“ Und da vor allem Bässe. Also ran an die Stimmbänder. Rock (Pop) around the clock. Was für ein Typ Chorleiter ist dieser Ulrich Hönig? Will man unter ihm singen, wie man so schön sagt? Der Maestro selbst: „Ich denke, ich bin umgänglich, wenn auch sehr konsequent bei dem, was ich erreichen will.“