Eine dunkle Seite der Sonnenenergie

Feuerwehren weisen auf potenzielle Gefährdung der Einsatzkräfte durch Fotovoltaikanlagen hin – Hilfreiche Übersichtspläne

Fotovoltaik – eine tolle Sache. Eigentlich. Auf eine in der öffentlichen Wahrnehmung wenig bekannte Seite der Sonnenenergienutzung weist Harald Fischer hin. Der Öffentlichkeitsarbeitsbeauftragte der Feuerwehr Allmersbach im Tal berichtet darüber, dass die Anlagen im Brand- und im Hochwasserfall zu einer Gefährdung von Feuerwehrleuten und Bewohnern werden können.

Fotovoltaik: Einsatzkräfte sind im Brandfall möglicherweise gefährdet.Foto: E. Layher

ALLMERSBACH IM TAL/BACKNANG (hf). Auf immer mehr Dächern von Gebäuden befinden sich Fotovoltaikanlagen. Die Grundlage dieser Technik ist der fotoelektrische Effekt, für dessen Deutung der deutsche Physiker Albert Einstein 1921 den Nobelpreis erhielt. Es können je nach Anlage Gleichspannungen bis zu 1000 Volt erzeugt werden. Hier liegt die Gefahr für Einsatzkräfte der Feuerwehr sowohl im Brandfall als auch bei Hochwasser in Gebäuden. Bei Gleichspannungen über 120 Volt kann für den Menschen Lebensgefahr bestehen. Die hohe Spannung kommt durch die Reihenschaltung der Module zustande. Bei einer Parallelverschaltung ist die Gefahr eines Stromschlages nicht mehr gegeben. Allerdings stellen parallel verschaltete Anlagen die Ausnahme dar. Eine Fotovoltaikanlage kann nicht über eine Zentralsicherung stromlos geschaltet werden, da die Solarzellen Strom produzieren, sobald Licht darauf fällt. Ab dem Wechselrichter, wo der Gleichstrom in Wechselstrom umgewandelt wird, kann in manchen Anlagen stromlos geschaltet werden. Trotzdem liegt bis zum Wechselrichter noch Spannung an, die nicht abgeschaltet werden kann. Der Wechselrichter ist oft im Keller installiert, was bei Hochwasser eine Gefahr für die Bewohner und die Einsatzkräfte darstellt.

Der Feuerwehr bleibt bei Bränden in Gebäuden mit Fotovoltaikanlagen nur die Einhaltung eines ausreichenden Sicherheitsabstandes, was einer Verlangsamung der Löscharbeiten zur Folge haben kann. Es wurde bereits das kontrollierte Abbrennen von Gebäuden in Kauf genommen, weil die Gefahr für die Feuerwehr zu groß war.

Was kann der Anlagenbetreiber machen, um den Brandschutz zu verbessern? Durch das Anbringen eines Hinweisschildes, das die Berufsfeuerwehr München entwickelt hat, weiß die Feuerwehr, dass sich auf dem Dach eine Fotovoltaikanlage befindet. Das Schild soll als Aufkleber auf dem Schaltschrank angebracht werden. Ein Übersichtsplan, auf dem die einzelnen Anlagenkomponenten wie Wechselrichter, Gleichstrom-Freischaltstelle, Module, Stromzähler und Stromleitungen verzeichnet sind, kann hilfreich sein.

Feuerwehrexperten der Länder fordern eine sichere Abschaltmöglichkeit der erzeugten Gleichspannung – und zwar direkt an den Modulen. Aus Sicht der Feuerwehr soll das Augenmerk nicht nur auf die Wirtschaftlichkeit, sondern auch auf den vorbeugenden Brandschutz und die Sicherheit der Einsatzkräfte gerichtet sein. Um sich mit diesen Gefahren auseinanderzusetzen, besichtigte die Allmersbacher Feuerwehr die Fotovoltaikanlage der Firma Harro Höfliger. Hausmeister Cosimo Assalve und Betriebselektriker Gerold Diebolt gaben Informationen zur Lage der Module, der Aufschaltung ins Netz und den Standorten der Wechselrichter. Bei Höfliger sind die Wechselrichter auf dem Dach montiert und ab dieser Stelle kann die Anlage stromlos geschaltet werden. Dadurch ist die Gefahr für die Einsatzkräfte geringer.