- Kreis 02.09.2010
Nun läutet sie wieder
Große Glocke von Sulzbachs evangelischer Kirche war wochenlang verstummt

Von Mathias Klink
SULZBACH AN DER MURR. Der Grund für den Ausfall: Der Antrieb der großen Glocke hatte altershalber den Geist aufgegeben. Doch jetzt wurde ein neuer Motor eingebaut. So kann die über eine Tonne schwere e-Glocke am Sonntag die Gläubigen wieder in den Gottesdienst rufen.
Im Gegensatz zu anderen Kirchengemeinden hatte die der Sulzbacher evangelischen Ulrichskirche mit der Bewahrung ihrer Glocken in der Vergangenheit kein Glück. Wurden schon beim großen Dorffeuer 1753 alle drei Glocken ein Raub der Flammen, ereilte deren Nachfolgerinnen bei dem durch einen Blitzschlag verursachten Turmbrand im Juli 1857 das gleiche Schicksal. Und im 20. Jahrhundert galt es gleich drei Mal, Glockenweihe zu feiern: einmal 1921, als die beiden größeren der 1858 gegossenen und bei kriegsbedingter Abgabe 1917 gleich im Turm zerschlagenen Glocken neu angeschafft wurden. Dann wieder 1950, als die beiden im Zweiten Weltkrieg ebenfalls zwangsweise abgelieferten und zu Kriegszwecken eingeschmolzenen Glocken ersetzt wurden. Und schließlich 1977, als unter Pfarrer Karl-Otto Seng das nach dem Krieg nun von drei auf vier Stimmen disponierte Geläut durch Anschaffung der großen Glocke endlich ergänzt und vervollständigt werden konnte. Bei der Firma Bachert in Heilbronn gegossen, bringt die damals nach Sulzbach gekommene große e-Glocke mit der Aufschrift „O Land, Land, Land – höre des Wort“ stolze 1100 Kilogramm auf die Waage. Seither wird sie beim Voll- und Trauergeläut eingesetzt und kündigt eine Stunde vor Gottesdiensten oder Beerdigungen deren Stattfinden rechtzeitig an. Am 10. Juli nun, als sie Interessierte zu einem Orgelkonzert in die evangelische Ulrichskirche rufen sollte, versagte der zwischenzeitlich altersschwach gewordene Motor den Dienst. Eine Reparatur hätte sich nach Auskunft von Pfarrer Christof Mosebach indes nicht mehr gelohnt beziehungsweise wäre nahezu so teuer wie der jetzt durchgeführte Austausch gekommen.
Bereits 2008, als die Glockenläutemaschine der nächstkleineren und doch noch 825 Kilogramm schweren Betglocke aus denselben Gründen kaputtging, wurde die Steuerung aller vier Glocken erneuert. Somit benötigte man für die große Glocke nun „nur“ einen neuen Läutemotor sowie einen Drahtseilkettenzug. Dennoch beläuft sich der Voranschlag auf immerhin 1205,47 Euro. Unvorhergesehene Kosten, welche die Kasse der Kirchengemeinde zusätzlich belasten. Dennoch zeigt sich Mosebach froh, dass die Arbeiten so zügig vorangingen. Lag schon eine Woche nach Schadensfeststellung das Angebot vor, wurde der Auftrag an die Stuttgarter Turmuhrenfirma Eisenhart, mit der die Kirchengemeinde einen Wartungsvertrag unterhält, umgehend erteilt und die Reparatur noch in den Ferien durchgeführt. Und so war die tiefe Stimme des wohlklingend abgestimmten Geläuts nach wochenlanger Abstinenz beim Sonntag-Einläuten um 18 Uhr erstmals wieder zu hören.

