Lernen auf ganz neuen Grundlagen

Elektronische Hilfsmittel in der Bildung auf dem Vormarsch – Medienscout-Projekt schlägt sich in Fachbuch nieder

Die Vereinbarung für ein Bündnis für Lebenslanges Lernen steht. Sie soll noch in diesem Monat in Stuttgart unterzeichnet werden. Mit von der Partie ist Harald Grübele aus Burgstetten, der dieses Feld schon seit Jahren beackert.

Arbeitet in Winnenden am Medienscout-Projekt: Harald Grübele (Mitte). Foto: E. Layher

Von Armin Fechter

BURGSTETTEN/WINNENDEN. Grübele hatte zusammen mit Professor Dr. Kurt W. Schönherr bereits eine Akademie für lebenslanges Lernen konzipiert. Diese sollte in Verbindung mit dem Rombold-Areal in Unterweissach realisiert werden. Mit ihrem Plan konnten die beiden Partner am Ende jedoch nicht landen.

Inzwischen hat sich das Projekt aber auf einer anderen Ebene weiterentwickelt: Unter der Regie des Kultusministeriums entsteht in Stuttgart ein Bündnis für Lebenslanges Lernen, das alle Akteure im Bereich der Weiterbildung zusammenführen soll. Eine Vereinbarung dazu ist ausgearbeitet, ihre Unterzeichnung steht bevor. Lebenslanges Lernen – so heißt es dort – passt sich verändernden Lernbedürfnissen an. Für Grübele, den ausgewiesenen Experten in Sachen Medien und Computer, lautet die entscheidende Passage in dem Papier: „Lerninhalte und Lernweise unterliegen laufenden Veränderungen. Daher werden unter Ausschöpfung der technischen Möglichkeiten neue Lernformen bedarfsgerecht entwickelt und nutzerfreundlich eingesetzt.“ Wie elektronische Hilfsmittel erfolgreich zum Lernen eingesetzt werden können, darüber macht sich der Unternehmer schon länger Gedanken. Mit seiner Firma Vimotion kreiert er Special Effects für Kinofilme und Werbespots. Die ausgefeilte Technik macht dabei alles möglich, was sich real nicht filmen lässt. Unter anderem wirkte Grübele bei „Der Herr der Diebe“ mit, einem Fantasy-Streifen nach dem Roman von Cornelia Funke. Von da war der Weg nicht weit zu einer pädagogisch ausgerichteten Kinderfilmserie, für die Grübele wiederum zusammen mit Schönherr eine Konzeption erstellt hat. Als Grundlage dient das Buch „Matty, der kleine Grashalm“ von Patric P. Kutscher, renommierter Rhetoriklehrer aus Bensheim. Die angedachte Umsetzung und Verfilmung der werteorientierten Geschichte soll in Verbindung mit dem Europapark Rust erfolgen.

Daneben hat Grübele in Winnenden das Projekt Medienscout aus der Taufe gehoben. Dabei handelt es sich um ein Präventionsprojekt, das nach dem Amoklauf entwickelt wurde und einen Beitrag zur Aufarbeitung leisten soll. In innovativer Form bringt es Lernen und den Umgang mit Medien zusammen: Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren lassen sich schulen, um anschließend in den Unterricht zu gehen und jüngere Mitschüler etwa in den Fächern Kunst oder Religion über mediale Beeinflussungsstrategien aufzuklären. Die Medienscouts absolvieren ihre Ausbildung zum Teil in gemeinsamen Treffen, zum Teil aber auch am Computer über das sogenannte E-Learning. Im Dezember war die Arbeitsgruppe am Fachtag Gewaltprävention in der Winnender Stadthalle beteiligt, um für ihr Multimedia-Modell zu werben. Mit Erfolg. Das Interesse am Medienscout-Programm, bei dem auch der Rhetoriker Kutscher mitmischt, geht inzwischen über das Georg-Büchner-Gymnasium hinaus: Auch das Winnender Lessing-Gymnasium, das Weissacher Bildungszentrum und das Backnanger Tausgymnasium haben sich nach den Möglichkeiten erkundigt.

Um das Präventionsprojekt Medienscout geht es auch in einem Fachbuch, an dem Grübele mitgewirkt hat und das demnächst erscheint. Autoren sind neben dem Burgstettener Grübele Professor Schönherr und Dr. Bojan Godina, Leiter des Instituts für kulturrelevante Kommunikation und Wertebildung (Iku) in Nürtingen und derzeit wissenschaftlicher Leiter des Medienscout-Projekts. In dem Band wird der Versuch einer neuen Werteorientierung unternommen. Zugrunde liegt eine konsequente Ausrichtung an den Menschenrechten. Daraus entsteht eine medienpädagogische Werttheorie, deren Grundzüge etwa in „Herr der Diebe“ oder „Matty“ erkennbar werden.

Das Buch von Bojan Godina, Harald Grübele und Kurt W. Schönherr mit dem Titel „Werteorientierte Medienpädagogik – Präventionsprojekt Medienscout“ erscheint im VS-Verlag (Springer Fachmedien), Wiesbaden 2011 (www.vs-verlag.de). Es hat etwa 150 Seiten und kostet voraussichtlich 29,95 Euro. ISBN 978-3-531-17979-7.