Traumata und ein ermordeter Informant

Vierte Ausgabe von „Krimi trifft Jazz“ im cje mit den Autoren Thomas Hoeth, Silvija Hinzmann und Peter Wark sowie Sugar Blues

Bereits zum vierten Mal lud Krimiautor und BKZ-Redakteur Peter Wark Krimiautoren aus Baden-Württemberg zu einer Lesung in den club junges europa ein. Musikalisch untermalt wurde die Veranstaltung vom Duo Sugar Blues.

Als Team sorgten sie für die richtige Balance zwischen Spannung und Entspannung: Jörn Baehr, Thomas Hoeth, Silvija Hinzmann, Peter Wark und Gerhardt Mornhinweg (von links). Foto: E. Layher

Von Stephan Hildebrand

BACKNANG. Im nahezu ausverkauften cje Steinbach waren Thomas Hoeth und Silvija Hinzmann zu Gast in Warks Krimizirkel. Thomas Hoeth, der für seinen Erstling „Herbstbotin“ den Deutschen Krimipreis 2010 erhalten und vom Syndikat, der Autorengruppe deutschsprachiger Krimiautoren, in der Kategorie Debüt für den Glauser-Preis nominiert worden war, las aus seinem aktuellen Roman „Erblast“. Die Geschichte um den Privatdetektiv Amon Trester führt diesen in die Welt der internationalen Pharmaindustrie mit all ihren Verstrickungen in dubiose Geschäfte, in Korruption und Gewalt. Mit detaillierten Beschreibungen und psychologischem Gespür zeichnet Hoeth seine Charaktere, mit ungewöhnlichen und feinsinnigen Metaphern und Bildern entwickelt er die Geschichte. Im Anschluss spielten Jörn Baehr und Gerhardt Mornhinweg dezent instrumentierten Jazz nur mit Gitarre und Trompete. Baehr lieferte eine swingende und rhythmisch akzentuierte Begleitung, Mornhinweg solierte dynamisch. Ein asketisch anmutendes Konzept mit nur zwei Instrumenten, das aber voll aufging und den Zuhörern sichtlich Vergnügen bereitete.

Im Anschluss daran war die aus Kroatien stammende Silvija Hinzmann an der Reihe. Sie las zwei Kurzgeschichten und verfolgte damit eine andere Strategie als Thomas Hoeth. Ihre Inspiration erhalte sie oft durch ihre Arbeit als Dolmetscherin für die Justizbehörden, so die in Stuttgart lebende Autorin. Der Sache entsprechend lebten ihre Kurzgeschichten nicht von einer detaillierten Charakterbeschreibung wie bei Hoeth, schließlich bietet das Konzept der Kurzgeschichte nur einen begrenzten Rahmen. Vielmehr schilderte sie zum Beispiel in der ersten Geschichte „Kein Wein auf Solitude“ wie Liliane, die als Kind aus dem Bürgerkriegsgebiet in Jugoslawien geflohen war, von ihrer Vergangenheit eingeholt wird.

Als letzter Autor des Abends war dann Peter Wark an der Reihe. Er stellte seinen zuletzt erschienenen Krimi „Münchner Mordshitze“ vor. Dessen Protagonist Robert Garcia, einst erfolgreicher Auslandskorrespondent und Journalist mit Berufsethos, ist inzwischen auf dem absteigenden Ast seiner Karriere. Er schreibt für ein heruntergekommenes Boulevardblatt und hat eigentlich kein Privatleben mehr. Hinzu kommen die Konflikte mit seinem Chefredakteur, einem „dieser jungen Schlipsträger direkt von der Journalistenschule“. In der brütenden Hitze des Münchner Augusts ist er auf der Jagd nach der nächsten Story und findet schließlich seinen Informanten tot in dessen Wohnung. Durch den Mund des zynischen Garcia rechnet Wark mit den dunklen Seiten der Presse ab.

Das Konzept „Krimi trifft Jazz“ ging auch diesmal auf, und so war es angesichts der Zuschauerzahlen keine Überraschung, dass im Anschluss die fünfte Veranstaltung für das kommende Jahr bereits angekündigt wurde. Die Klasse der Autoren mit ihren grundverschiedenen Stilen innerhalb einer gemeinsamen Sparte der Literatur und die unaufdringlichen und gekonnten musikalischen Zwischenspiele von Sugar Blues scheinen ein Garant für ein volles Haus zu sein. Peter Wark wird sicher wieder mordsmäßige Autoren engagieren.