Auch der Marconi-Bau wird fallen

Die Dibag hat nochmals gerechnet: Sanierung kommt teurer als ein Neubau – Neueste Walke-Pläne werden im Juli vorgestellt

Beständigkeit liegt nur im Wandel. Backnang macht da keine Ausnahme, und das Obere-Walke-Projekt schon gar nicht. Entgegen der zuletzt im Gemeinderat vorgestellten Planung wird der sogenannte Marconi-Bau geschleift.

Wieder ein Bild, das es so nicht geben wird: Planer-Skizze vom Oktober 2010.

Von Reinhard Fiedler

BACKNANG. Den Abriss des Gebäudes bestätigte Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper gestern auf BKZ-Nachfrage.

Als einer der beiden Walke-Investoren, die Doblinger Industriebau AG (Dibag), Mitte Oktober 2010 den Stadträten ihre damals neuesten Vorstellungen für die Nutzung des größten Teils der Industriebrache präsentierte, ging es auch um einen alten Betonbau beachtlichen Ausmaßes. Um jenen fünfstöckigen Querbau, der einst Produktionsstätten der Lederfabrik Fritz Häuser barg und anschließend Backnangs Nachrichtenspezialisten als Lehrwerkstatt, als Finanzabteilung und als sogenannte Ferrit-Bäckerei (Herstellung von Spulenkernen) diente. Seither wird vom Marconi-Bau gesprochen.

Entgegen so manch anderem alten Gemäuer wird dieser Bau erhalten – sagten seinerzeit die Dibag-Vertreter im Gemeinderat. Dem Gremium gefiel’s, weil dort auch die Backnanger Techniksammlung einziehen sollte und weil damit die teure Idee eines Technik-Museums in einer alten Kaelble-Halle gestorben war. Und das alles zu einem für die Stadt „fairen Mietpreis“, wie sich der OB in jener Sitzung freute. Ferner sollte im Marconi-Bau nicht zentrenrelevanter Handel untergebracht werden, ein Café, ein Fitness-Studio und diverse Dienstleistungen und Verwaltungsbüros.

Doch es wird nichts draus. Laut Frank Nopper „hat der Grundstückseigentümer im Zuge der laufenden Planungen festgestellt, dass eine Sanierung des Gebäudes teurer ist als ein Neubau“. Nach Informationen unserer Zeitung trug auch das Murrhochwasser vom 13. Januar seinen Teil zur Entscheidung bei. Da die gesamte Walke-Fläche um etwa einen Meter erhöht wird, wäre das Haus tiefer gestanden als die künftigen Bauten. Was das bedeuten kann, haben die Fluten damals auch der Oberen Walke gezeigt, beispielsweise beim benachbarten PicksRaus-Geschäft. Kurzum, auch der Marconi-Bau wird fallen, auch wenn schon in einen Teil einer neuen Heizungsanlage investiert wurde. Nach wie vor stehen bleiben soll der Schornstein der vormaligen Lederfabrik, aus statischen Gründen allerdings etwas verkürzt.

Auch wenn der Marconi-Bau seine letzten Tage erlebt, ist nach wie vor daran gedacht, die Technik-Sammlung in die Walke zu schaffen. Frank Nopper stellt sich die zukünftige Heimat von altem Nachrichtengerät, von alten Baumaschinen und von alten Gerbereieinrichtungen nun in einem anderen „Originalgebäude der Lederproduktion“ vor. Das wäre dann wohl der Backstein-Bau in der Nachbarschaft. Wie die neuen Pläne genau aussehen, das soll der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung vor den Sommerferien am 21. Juli erfahren. Der Oberbürgermeister spricht von „Veränderungen und Aktualisierungen im Rahmen des laufenden Bebauungsplanverfahrens“.

Bis dahin wird auch der Abbruch der anderen Gebäude zwischen Gartenstraße und Murr fortgeschritten sein. Seit etwa vier Wochen ist eine Abbruchfirma dabei, vor dem eigentlichen Abriss die Gebäude auszubeinen und Wertstoffe wie etwa Kupfer, Stahl und Steine zu trennen.