- Backnang & Kreis 21.11.2009
Dann lieber weiter Hauptschule heißen
Gemeinderat beantragt keine Änderung zur Werkrealschule – Schulleiter schlägt vor, die Vorzüge stärker herauszustreichen
Keine Änderungen soll es an der Struktur der Grund- und Haupt- mit Werkrealschule geben. Das hat nicht nur dieser Tage die Schulkonferenz einstimmig beschlossen, sondern am Donnerstagabend auch der Gemeinderat.
Von Matthias Nothstein
KIRCHBERG AN DER MURR. Landauf, landab überlegen die Schulverantwortlichen, wie sie auf die Einführung der neuen Werkrealschule reagieren sollen. Um eine solche zu werden, muss eine Schule mindestens zweizügig sein, also pro Jahrgang mindestens 36 Schüler aufweisen. So viele Kinder wird es in Kirchberg mit größter Wahrscheinlichkeit nie geben. Ist die Schule aber nicht zweizügig, so muss sie sich Kooperationspartner suchen. Seit der Einführung des freiwilligen 10. Schuljahres im Schuljahr 1997/1998 wurde der Abschluss der Werkrealschule in Kooperation mit der Schule in Aspach organisiert. Die 10. Klasse wurde immer in jeweils jener Gemeinde angeboten, aus der mehr Kinder stammten. Bisher war dies zehnmal in Aspach der Fall, dreimal kamen mehr Kinder aus Kirchberg.
Für die Zukunft gibt es verschiedene Organisationsmodelle, wie die neue Werkrealschule aussehen könnte. Theoretisch könnte es passieren, dass die Schüler von der fünften Klasse an zwar drei Jahre in Kirchberg unterrichtet werden, aber unter der Schulleitung von Aspach stehen. Eine in vielerlei Hinsicht unbefriedigende Situation.
Aus diesem Grund plädierten Schulleitung, Gemeindeverwaltung, Lehrer und Eltern, an dem derzeitigen Zustand nichts zu ändern. Es wird deshalb kein Antrag auf Änderung der Schule in eine Werkrealschule gestellt. Die Kröte, die die Kirchberger schlucken müssen, ist die Bezeichnung. Die Kinder gehen künftig auf eine Schule, die mehr nach Haupt- als nach Realschule klingt, räumen die Skeptiker ein. Sie sind aber dennoch bereit, den von den Experten vorgeschlagenen Weg mitzugehen. Zumal Schulleiter Alfred Stephan betonte, die Lehrpläne für beide Schularten seien identisch, „der einzige Unterschied ist die Zügigkeit“. Er bestätigte dem Gemeinderat, dass sich die Schulkonferenz „ohne Wenn und Aber“ für die Hauptschule mit Werkrealschule ausgesprochen habe.
Das bedeutet für die Zukunft: Die Kooperation mit Aspach wird auf die bereits praktizierte Weise – gemeinsame 10. Klasse – weitergeführt. Bürgermeister Frank Hornek ergänzte, dass auch Aspach bereits erklärt habe, keine weitergehende Kooperation anzustreben. Hornek machte aus seiner Ablehnung der neuen Schulart kein Geheimnis. Das von der Landesregierung propagierte Konzept der Werkrealschule führe zur Verstädterung der Schulen und zu größeren Klassen. Und es führe dazu, dass die Eltern ihre Kinder noch mehr in die Gymnasien oder Realschule schicken würden, als sie es heute ohnehin schon tun. Deutliche Kritik äußerte auch Liane Bieber: „Das ist eine Bildungspolitik, die am Wohl des Kindes vorbeigeht.“ Ihrer Ansicht nach hätte der Gesetzgeber auch eine einzügige Werkrealschule zulassen sollen. Auch Christoph Berroth wetterte. Die Schulen, die gut funktionieren würden, die würden zusammengefasst. Sie werden dadurch größer und bekommen wie die anderen auch Probleme.
Schulleiter Stephan schlug den Räten eine Gegenstrategie vor: „Wir müssen die Vorzüge Kirchbergs herausstreichen. Dann brauchen wir keine Angst zu haben, bei den Schülerzahlen einzubrechen.“ Diese Gefahr besteht grundsätzlich. Denn die Eltern haben künftig die freie Wahl, in welche Schule sie ihren Nachwuchs schicken, Schulbezirke in der klassischen Form gibt es nach der Grundschule nicht mehr. Und in diesem Zusammenhang machte Christhild Schenk auf eine Gefahr aufmerksam: „Unser Hauptproblem ist; Hauptschule mit Werkrealschule hört sich nach Hauptschule an, Werkrealschule hört sich nach Realschule an.“ Bislang ist es jedoch eher so, dass Kinder freiwillig nach Kirchberg wechseln. So berichtet Stephan von zwei Fünftklässlern, die nicht aus Kirchberg stammen, aber hier die Schule besuchen. Das liegt Stephan zufolge an den Vorzügen. Die da sind: Ganztagesschule mit zusätzlichen Lehrerstunden für individuelle Förderung und einer Vielzahl an Angeboten; ein Schuldiakon kümmert sich um jedes Kind; es gibt kleine Klassen und aufgrund der Betreuung keine Hausaufgaben; es gibt einen Praxiszug für schwächere Schüler der Klassen 8 und 9; es gibt eine Außenspielanlage, die kreisweit ihresgleichen sucht; es gibt neueste und vielfältigste Sportanlagen direkt in der Nachbarschaft; es gibt über viele Jahre bewährte Kontakte zur heimischen Wirtschaft mit hohen Übergangsquoten in die örtlichen Betriebe; es gibt ein reges Leben in den Vereinen und Kirchen.


