- Backnang & Kreis 21.11.2009
Geheimnisvolle Nummer 1295 soll Auftrag erhalten
Gemeinderat befasste sich intensiv mit dem Bau des geplanten Familien- und Sportbads in den Zippertswiesen
Fast vier Stunden lang quälten sich die Stadträte am Donnerstagabend durch einen einzigen Tagesordnungspunkt. Dann die Entscheidung: Die Verwaltung wurde beauftragt, den Vertrag mit einem noch anonymen Bieter für Planung und Bau des Familien- und Sportbades abzuschließen. 22 Räte stimmten dafür, 5 lehnten den Beschluss ab.
Von Renate Häussermann
BACKNANG. Mit diesem Beschluss – die Neinstimmen kamen aus den Fraktionen der Grünen sowie der BfB – kommt die Stadt dem Bau des neuen Badetempels auf den Zippertswiesen näher. Wenn alles glatt läuft, könnten die Bagger im Herbst nächsten Jahres anrücken. Erstmals ins neue Nass eintauchen könnten die Backnanger dann Anfang 2012. Doch es ist noch ein langer Weg. Das Jahrhundert-Bauwerk, das die Stadt hier mit einem Aufwand von ungefähr 15 Millionen Euro schultern möchte, bedurfte einer Europa-weiten Ausschreibung. Im März 2008 beauftragte die Stadt deshalb den Stuttgarter Architekt Dr. Alexander von Erdely mit der Projektbetreuung. Vier Bieter kamen in die engere Wahl. Wer dahintersteckt, ist geheim. So wollen es die gesetzlichen Vorgaben des Vergaberechts bei derlei großen Projekten. Die Angebote wurden nach einem Punktesystem bewertet. Dabei stellte sich das Angebot mit der Nummer 1295 als das für Backnang am besten geeignete heraus. In der Sitzungsvorlage wurde zusammengefasst: ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis, das wirtschaftlichste Gesamtpaket.
Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper drängte am Donnerstagabend bei der Sitzung im Kreisverwaltungsgebäude, „die Backnanger Bäderweiche heute mit Mut und Entschlossenheit in Richtung Zukunft zu stellen“. Und er war nicht allein. Auch die Mehrheit der Räte war der vielen Diskussionen leid, die sich nun schon seit Jahren hinziehen. Selbst Ulrike Sturm von den Grünen, die sich mit dem Standort Zippertswiesen vor allem aus Gründen des Naturschutzes nie groß anfreunden konnten, schlug neue Töne an: „Ich möchte, dass das Bad jetzt kommt.“ Und sie ging noch weiter: „Ich bin zwar Grüne, aber ich bin auch Schwimmerin.“ (Sie stimmte für das Bad, ihre beiden Kollegen dagegen.)
Geschlossenheit dagegen bei der SPD. Hatten die Sozialdemokraten noch vergangenes Jahr dafür gesorgt, dass in der Hallenbadfrage erneut die Wogen hochschlugen, so sprachen sie sich jetzt durchweg für die Zippertswiesen aus. Zur Erinnerung: Die SPD-Fraktion hatte nach dem Gemeinderatsbeschluss für die Zippertswiesen nochmals die Obere Walke ins Gespräch gebracht. Vorgestern forderte Fraktionsvorsitzender Heinz Franke, dass nun endlich ein Knopf hinter die Diskussionen gemacht wird. Will heißen: Ja zu den Zippertswiesen, Ja zum Beschlussvorschlag der Verwaltung.
Geschlossenheit auch bei der CDU. Sie brachte allerdings noch einen Antrag ein: „Es wird eine Kommission aus fünf Mitgliedern des Gemeinderats gebildet. Deren Aufgabe ist es, den weiteren Planungs- und Realisierungsprozess zu begleiten. Sie wird bei wichtigen Verhandlungen und Ortsterminen hinzugezogen.“
Für Ulrike Sturm stellte sich die Frage, ob man überhaupt noch mitreden könne. Architekt von Erdely versicherte: „Da kommt noch sehr viel Gehirnschmalz rein in diese Planung. Es werden noch sehr viele Entscheidungen zu treffen sein.“ Das Konzept stehe fest, doch die Planung werde jetzt verfeinert.
Der Beschlussvorschlag der Verwaltung wurde um den CDU-Antrag ergänzt. Mit der mehrheitlichen Zustimmung ist die Stadtverwaltung nun beauftragt, den Vertrag mit dem Bieter Nr. 1295 abzuschließen. Dabei geht es um die Planung und den Bau des Familien- und Sportbads sowie um den Betrieb des neuen Hallenbads und des bestehenden Freibads. Ist der Vertrag dann unter Dach und Fach, wird auch der Name des Bieters bekannt gegeben.
„Was passiert, wenn der Anbieter nicht mehr will?“ Eine Frage, die Dr. Wolfgang Schwalbe (FW) umtrieb. Doch von Erdely konnte da beruhigen. Es sei davon auszugehen, dass Nr. 1295 am Auftrag interessiert sei. Mache er einen Rückzieher, spräche sich dies in der Branche herum, und er bekäme in der ganzen Republik keinen einzigen Auftrag mehr.
Wie kann sich Backnang in solch schwierigen Zeiten dieses Jahrhundertprojekt leisten? Die Antwort: Es ist noch Geld da. 9 Millionen Euro stehen bereits zur Verfügung, zum Großteil aus dem Teilverkauf der Stadtwerke. Der Rest von 6 oder 7 Millionen Euro wird über Kommunalkredite finanziert.
Dass der Schritt jetzt gewagt wurde, hat auch noch einen anderen Grund: Das alte Hallenbad wird aus technischen Gründen nicht mehr lange seinen Dienst erfüllen. Hinzu kommt, dass mit der Kombinationslösung der jährliche Abmangel von gegenwärtig fast 1 Million Euro vor allem durch Energieeinsparungen auf 500000 oder sogar 600000 Euro pro Jahr reduziert werden kann.


