Bildung – gleiche Chancen für alle

Bürgerpreis der Kreissparkasse und Leserpreise der Zeitungen wurden jetzt zum achten Mal verliehen

Der Schwaikheimer Verein Ina – Integrations- und Nachhilfe für Kinder, Jugendliche und Erwachsene – erhält den ersten Preis beim Bürgerpreis Rems-Murr 2011. Der Leserpreis der Backnanger Kreiszeitung/Murrhardter Zeitung geht an das Projekt „Bibliotheksführerschein für Kindergartenkinder“ in Oppenweiler.

Hat nach den Worten von Jurymitglied Andreas Schaffer (links), Bürgermeister von Plüderhausen, als Macher, Netzwerker und Brückenbauer Vorbildliches geleistet: Manfred Häberlein aus Murrhardt.

WAIBLINGEN (inf). Das Votum der Jury war einstimmig: Erster Preis für den Verein Ina. Susanne Saltikiotis nahm gestern Abend in der Kundenhalle der Kreissparkasse Waiblingen die Glückwünsche und das Preisgeld in Höhe von 2000 Euro freudig entgegen. Die Feier, bei der rund 300 Gäste zugegen waren, wurde von einem Klarinettenensemble der Backnanger Jugendmusikschule unter Leitung von Volkmar Schwozer mit gediegenen Klängen umrahmt.

Unter dem Motto „Bildung! Gleiche Chancen für alle“ nahmen insgesamt 42 Vereine, Projekte und Personen aus dem Rems-Murr-Kreis am Ehrenamtspreis der Kreissparkasse teil. Insgesamt wurden vier Preise vergeben. Der Zeitungsverlag Waiblingen und die Backnanger Kreiszeitung/Murrhardter Zeitung vergaben zusätzlich Leserpreise. Beim Bürgerpreis Rems-Murr konnten sich alle bewerben, die durch ihr bürgerliches Engagement Kinder, Jugendliche und Erwachsene fördern. Gesucht wurden dabei Personen und Projekte, die im Rahmen ihres Engagements Bildungsgerechtigkeit schaffen, Gemeinsinn stiften und die Integration in ein soziales Umfeld unterstützen.

Mit dem Bürgerpreis wurde bereits zum achten Mal die Ehrenamtsarbeit im Kreis ausgezeichnet. „Die Gewinner und alle Teilnehmer leisten einen wichtigen Beitrag für ein besseres und faires Miteinander in der Gesellschaft. Der Preis passt daher hervorragend zum gesellschaftlichen Engagement der SWN, in der die Förderung von Bildung und gleichen Bildungschancen eine besonders wichtige Rolle spielt“, so der Vorstandsvorsitzende Albert Häberle. Die Preisträger auf Kreisebene nehmen nun noch an der nationalen Entscheidung des Deutschen Bürgerpreises teil, deren Sieger in Berlin geehrt werden.

Dem Verein Ina, der den ersten Preis gewonnen hat, geht es vor allem darum, Kindern mit Migrationshintergrund gleiche Bildungschancen zu eröffnen. Kinder und Jugendliche mit erhöhtem Förderbedarf werden täglich für zwei Stunden in Kleingruppen sprachlich und fachlich in schulischen Belangen unterstützt. Auch sollen sie den Umgang mit Kindern aus anderen Nationen lernen. Mittlerweile besuchen täglich über 70 Kinder aus 14 Nationen den Verein. Auch deutsche Kinder sind dabei. Betrieben wird das Ganze von einer Lehrerin, vier Lehramtsstudenten und vier Oberstufenschülern des Gymnasiums sowie weiteren ehrenamtlichen Helfern mit pädagogischer Erfahrung. Es gibt zudem verschiedene AGs. Auch Eltern werden unterstützt. Vor allem die Mütter spielen dabei eine wichtige Rolle. So werden ihnen Deutschkurse angeboten, und ein Frauencafé wurde eröffnet. Wichtiges Ziel des Vereins ist es, dass ein Migrationshintergrund nicht als Defizit empfunden wird.

Ein mit 1000 Euro dotierter zweiter Preis geht an Manfred Häberlein aus Murrhardt. Als stellvertretender Vorsitzender des Unternehmerforums Oberes Murrtal liegt ihm die Ausbildung junger Menschen am Herzen. Er kümmert sich darum, dass örtliche Unternehmen, Kommunen und Schulen in Murrhardt beim Thema Ausbildung eng miteinander kooperieren. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist das Thema Spracherwerb. Das Beherrschen der deutschen Sprache ist eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Bildung und gute Zusammenarbeit im Berufsleben. In diesem Bereich hat Häberlein bereits zahlreiche Aktivitäten erfolgreich umgesetzt. 1998 begann er persönlich nach Ausbildungsplätzen für Jugendliche in verschiedenen Firmen zu suchen – mit sehr großem Erfolg. Unter seiner Begleitung besichtigen Schüler Firmen. In Zusammenarbeit mit den Lehrwerkstätten verschiedener Firmen und den Techniklehrern der Walterichschule tauschen sich Lehrlinge mit den Schülern aus und unterstützen sie. Zusätzlich hilft Häberlein auch Mitbürgern, indem er Stadtführungen für türkische Landsleute und Sprachkurse organisiert.

Einen weiteren zweiten Preis erhielt die Arbeitsgemeinschaft „Schüler unterrichten Senioren“ am Georg-Büchner-Gymnasium in Winnenden. Schüler der Klassenstufen 9 bis 13 bieten Senioren ein vielfältiges Kursprogramm kostenlos an – von Englisch- und Französischkursen bis hin zu Computer- und Gedächtniskursen. Betreut wird die AG von einer Lehrkraft der Schule.

Einen Sonderpreis über 1000 Euro hat der Vorstand der Kreissparkasse an den Verein Sonafa – eine bessere Zukunft für Menschen in Benin vergeben. Der Verein wurde in Schorndorf von beninischen und deutschen Mitbürgern und Freunden gegründet. Benin, ein kleines Land in Westafrika, gehört zu den 20 ärmsten Ländern der Welt. Sonafa hilft dabei, Schulen in Benin umzubauen. Durch die Hilfe aller Beteiligten konnten für bereits mindestens 3000 Schulkinder in neun Dörfern 29 Klassenzimmer und 3 Lehrerzimmer errichtet werden.

Der Leserpreis der Backnanger Kreiszeitung/Murrhardter Zeitung in Höhe von 1000 Euro geht an das Projekt „Bibliotheksführerschein für Kindergartenkinder“ in Oppenweiler. Die Initiative, die im Jahr 2007 ihre Tätigkeit aufnahm, hat die frühkindliche Leseförderung zum Ziel und ist eng mit der katholischen öffentlichen Bücherei im Bahnhofsgebäude verbunden. Kinder sollen, so Irene Heining-Csauth, die das Projekt verantwortlich betreibt, „von Anfang an in ihrem Wissens- und Erlebnisdurst unterstützt und gefördert“ werden. Entwickelt wurde das Programm vom Borromäusverein, einer katholischen Institution mit Sitz in Bonn. Die Gründer des Vereins haben sich, wie BKZ-Redaktionsleiter Reinhard Fiedler in seiner Laudatio ausführte, vor über 160 Jahren die Verbreitung guter Bücher auf die Fahnen geschrieben: „Hätten sie auch nur den Hauch einer Ahnung vom Internet-Zeitalter und damit leider auch einhergehender, bedenklicher Lesefaulheit und Leseschwäche gehabt, sie hätten ihr Motto breiter gefasst, sie hätten sich dafür eingesetzt, dass der Mensch überhaupt erst mal zum Buch greift, dass dessen Gebrauch als etwas Selbstverständliches begriffen wird.“ Fiedler sprach zudem den Wunsch aus, dass im Sog ihres Kindes auch Eltern den Weg in die Bücherei finden.

Den Leserpreis des Zeitungsverlages Waiblingen hat das Projekt „KidsCoach – Gleiche Chancen für alle auf der Korber Höhe in Waiblingen“ gewonnen.