Eine Art Renaissance der alten Brücke

Der Segen der Kirchen, die Haltestelle mitten auf der Fahrbahn und die unermüdlich arbeitende Gundula

Erinnert an die Taufe: Pfarrer Ulrich Kloos besprengt das Viadukt mit Weihwasser.

(ik). Drei ohrenbetäubende Salutschüsse feuert die Schützengilde Backnang vom Viadukt aus ab: Das Bürgerfest ist eröffnet. Dem setzen Gitarrist Stanley McKee und Saxofonist Achim Derzenbach gleich angenehm weiche Töne entgegen, die die offiziellen Reden von Regierungsvizepräsident Dr. Christian Schneider und Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper umrahmen. Wenngleich der eine oder andere Interessierte schweren Herzens wegen der Hitze von einem Besuch des Bürgerfestes absah, sind beim Auftakt der Veranstaltung doch alle Sitzplätze belegt. Zu verlockend sind die Angebote, die sich Behörden, Firmen und Vereine zur Feier des Tages ausgedacht hatten.

Mit einem Zügle oder einem Bus mit der Anzeige „Sonderfahrt“ werden die Gäste vom Festplatz in den Etzwiesen hoch auf die Fahrbahn des Viadukts chauffiert, über das erst ab heute Autos rollen dürfen. Es ist schon ein erhebendes Gefühl, auf einer für einen Tag eingerichteten Aussichtsplattform zu stehen und den Blick hinunter auf die Etzwiesen zu genießen. Plötzlich kommt Gundula immer näher – sie schwebt in der Luft und bietet anderen Schaulustigen wunderbare Ausblicke auf das neue Murrtalviadukt und die nähere Umgebung. Gundula ist eine Aussichtsgondel. Hut ab vor ihren Hochleistungen.

Sie ist schon schwer beeindruckend, die neue rund 420 Meter lange, 25 Meter hohe und 14,25 Meter breite Spannbeton-Bogenbrücke. 3500 Kubikmeter Beton wurden im Überbau und 7500 Kubikmeter in den Unterbauten verarbeitet. Obendrein waren 1400 Tonnen Stabstahl und 190 Tonnen Spannstahl notwendig. OB Nopper freut sich, „weil wir Backnanger eine Rundbogenbrücke und nicht nur eine schlichte Hohlkastenbrücke durchsetzen konnten“. Nach einem geschichtlichen Exkurs kommt er zum Schluss: „Streng genommen erleben wir heute eine Renaissance der großartigen alten Bonatzschen Stahlbetonbrücke.“

In guter ökumenischer Verbundenheit segnen der evangelische Dekan Wilfried Braun und der katholische Geistliche Ulrich Kloos das Bauwerk. Brücken verbinden Raumschaften und Menschen, das ist das Leitmotiv ihrer Worte. Dass die Arbeiten ohne Unfall abliefen, hebt Braun hervor. Zur Erinnerung an die festliche Verkehrsfreigabe soll eine Platte aus heimischem Muschelkalk an einem Pfeiler angebracht werden. Noch ist es nicht so weit. „Als Faustpfand“ bekommt Nopper ein Stück Muschelkalk überreicht.

Zahlreiche Attraktionen sind an diesem Nachmittag geboten. Mit dabei sind die am Bau beteiligten Firmen, das Regierungspräsidium, Polizei, Feuerwehr, THW und Backnanger Vereine. Die Arbeitsgemeinschaft Autobahngeschichte zeigt Fotos und eine Dokumentation. Nein, das alte Viadukt werden wir nicht vergessen. Aber noch kann ja die Brücke, die lange Jahre gute Dienste geleistet hat, ebenfalls bewundert werden.

 

Eine Bildergalerie zum Bürgerfest auf dem neuen Murrtalviadukt finden sie hier.