Die Witwe, die Mutter und der tote Soldat

Halbdokumentarischer Film befasst sich mit Afghanistan-Einsatz – Drehbuchautorin Christa Weber: Thema ließ mich nicht los

Was geht in einer Frau vor, deren Ehemann nicht aus dem Bundeswehreinsatz in Afghanistan zurückkehrt? Der Film „Sieben Witwen“, der im Universum-Kino gezeigt wurde, geht dieser Frage nach und beleuchtet Hintergründe. Schauspielerin und Drehbuchautorin Christa Weber und Christof Herzog (Musik) standen für Fragen bereit.

Bei der Aufführung des Films „Sieben Witwen“ im Backnanger Universum-Kino zu Gast: Schauspielerin Christa Weber (Drehbuch) und Christof Herzog (Musik). Foto: J. Fiedler

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. Der Krieg in Afghanistan steht im Mittelpunkt des 45-minütigen Films, der auf Einladung der Backnanger Friedensinitiative, des Arbeitskreises Politik des cje und der Awo gezeigt wurde, doch die Drehorte befinden sich in Berlin. Dort lebt Lea (Miriam Jansen), die mit ihrem zweiten Kind schwanger ist und ihre Schwiegermutter Evi (Christa Weber). Die beiden warten auf die Rückkehr von Robert, der als Bundeswehrsoldat in Afghanistan eingesetzt ist.

Hauptdrehort des Films ist eine Wohnung in Berlin, die ein Freund des Regisseurs Finn Herzog für die Dreharbeiten zur Verfügung stellte. Authentisch wird der Alltag der beiden Frauen dargestellt. Evi ist auf Arbeitssuche und verzweifelt schier daran, aufgrund ihres Alters als schwer vermittelbar zu gelten und sich vom Amt erniedrigend behandeln lassen zu müssen. In Gesprächen, etwa in einem Straßencafé, werden die unterschiedlichen Ansichten der Frauen deutlich. Lea verteidigt den Soldatenberuf ihres Mannes, der in Afghanistan „ja nur helfen will“, schließlich habe er im Gegensatz zu Evi eine Arbeit, während die Mutter nie damit einverstanden war, dass ihr Sohn Bundeswehrsoldat wurde: „Fragst du dich nicht auch manchmal, was die da unten so treiben? Warum werden die Telefongespräche immer unterbrochen, wenn wir fragen, ob’s gefährlich ist?“ Die Frauen in Berlin erreicht die Nachricht, dass Robert einem Selbstmordattentat in Kabul zum Opfer fiel. Eindringlich werden der Schock und das Leiden Leas dargestellt. Schwere Schuldgefühle beschleichen die junge Frau, die nun glaubt, ihren Mann in den Tod getrieben zu haben. Lea beschließt, nach Kabul an den Ort des Geschehens zu reisen.

Nur aus Dialogen werden die Hintergründe in dem Film deutlich. Kühl und unpersönlich sei die Trauerfeier für die sieben umgekommenen Soldaten gewesen, erfährt man aus Gesprächen. Leas Versuch, nach Afghanistan zu reisen, wird zunächst sabotiert. Aber woher wissen die überhaupt Bescheid über ihre Bemühungen? Ist es möglich, dass die Frauen mit Wanzen abgehört werden? Schließlich entschließt man sich von staatlicher Seite, die sieben Witwen in einer kontrollierten Gruppenreise nach Afghanistan zu bringen. Doch Lea gelingt es, von einer Burka verhüllt, die vorgegebenen Wege zu verlassen.

Wie sie darauf gekommen sei, das Thema filmisch umzusetzen, wird Christa Weber nach der Filmvorführung gefragt. Die Berliner Autorin, Schauspielerin und Regisseurin hatte im Fernsehen eine Dokumentation über Witwen von in Afghanistan gefallenen Soldaten gesehen, die sie betroffen gemacht hat. Das Thema ließ sie nicht mehr los. Zunächst ist ein Theaterstück entstanden, dann hat sie das Drehbuch zu dem halbdokumentarischen Film geschrieben. Begebenheiten hat sie recherchiert, auch im Hinblick auf den Selbstmordanschlag in Kabul im Jahr 2003. Natürlich sei es nicht leicht, den Film, bei dem übrigens alle Beteiligten unentgeltlich mitgewirkt haben, an größeren Spielstätten zu zeigen. Von Friedensinitiativen werden sie eingeladen. In einem Kino wie dem Universum wurde der Film jetzt zum ersten Mal gespielt, und es war auch für Christa Weber ein Erlebnis, ihn auf einer so großen Leinwand zu sehen. Kinobetreiberin Annegret Eppler hat sofort zugesagt, als sie hörte, um welches Thema es sich handelt. Auch in Backnang ist eine Familie von dem Schicksal betroffen, einen Angehörigen in Afghanistan verloren zu haben. Ein einfühlsamer Film, der zum Nachdenken über den Bundeswehreinsatz anregt. Der Film „Sieben Witwen“ ist auf DVD erhältlich. Weitere Informationen gibt es unter www.christa-weber.de.