Bewundernde Blicke und leuchtende Augen

4. Backnanger Kaelble-Oldtimertreff stieß auf reges Interesse – Vortrag beleuchtete Geschichte der Radlader

Ob Korso, Fahrzeugpräsentation oder Tag der offenen Tür: Vielfältig waren die Angebote, die Freunden historischer Nutzfahrzeuge auf Einladung der Techniksammlung beim 4. Kaelble-Oldtimertreff am Wochenende geboten wurden. Entsprechend groß war die Zahl der Teilnehmer und interessierten Besucher. Auf reges Interesse stieß auch ein Vortrag über die Geschichte der Radlader.

Da schlägt nicht nur das Bubenherz höher: Auch die gereifteren Männer kommen ins Schwärmen.

Von Mathias Klink

BACKNANG. Walzen, Schaufellader, Feuerwehrautos – hauptsächlich jedoch Lastwagen und Zugmaschinen waren es, die in großer Anzahl auf dem Tesat-Parkplatz an der Fabrikstraße aufgestellt waren. Und auf diesem wiederum überwog ganz klar das Logo von einem der bekanntesten Backnanger Unternehmen: dem der Firma Kaelble. Dazwischen tummelten sich die vielen Besucher, bewunderten mit zufriedenem Gesichtsausdruck sowie leuchtenden Augen die ausgestellten Objekte oder steckten fachsimpelnd grüppchenweise die Köpfe zusammen. Die Geschichte und Tradition von Kaelble sei größer als die Geschichte des Automobils, unterstrich Dr. Frank Nopper schon in seiner Begrüßungsrede. Der Oberbürgermeister war sich sicher, dass die Texter von Werbeslogans wie „er läuft und läuft“ oder „nichts ist unmöglich“ angesichts der hier produzierten Schätze auch immer an den Namen dieser Firma gedacht hätten.

Fast alle ausgestellten Fahrzeuge hatten zuvor am Korso mitgewirkt, der sich bereits am Samstagnachmittag durch die Marktstraße schlängelte. Mit 49 angemeldeten und etwa 20 nicht angemeldeten Teilnehmern war er weitaus größer als beim letzten Treffen vor zwei Jahren, betonte Bernd Röger. Erstmalig nahmen heuer auch einige Personenwagen daran teil. „Bei uns darf jeder mitfahren, der ein altes Gerät hat“, so der Mitorganisator weiter. Wobei er alt mit mindestens 30 Jahre definierte.

„Die Langsamsten sind halt den kurzen Weg gefahren“, schränkte Gotthilf Kurz schmunzelnd ein. Auch dieser frühere Kaelble-Mitarbeiter weiß viel über die Firmengeschichte zu erzählen. So etwa, dass 1904 der erste Benzin- und 1921 der erste Dieselmotor bei Kaelble gebaut wurden. Oder, dass in den 50er-Jahren das schnellste Feuerwehrfahrzeug der Welt die Betriebshallen verließ. Als ältestes Kaelble-Fahrzeug, laut Kurz jedoch mit ausgetauschtem Motor, stand eine fahrende Sägemaschine aus dem Jahr 1916 auf dem Platz. Deren Besitzer Markus Kälber aus Aspach wurde hierfür von Nopper und der städtischen Mitarbeiterin Antje Hagen prämiert. Ebenfalls mit einem Präsent bedacht wurde Wilhelm Lemmermann für die längste Anreise. Er war mit einem Büssing-Fahrzeug aus dem 669 Kilometer entfernten Horneburg nach Backnang gekommen. Mit einer Kaelble-Schwerlastzugmaschine Baujahr 1953 hingegen war beispielsweise Kurt Puntschuh auf dem Platz präsent. Der Allgäuer erfüllte sich mit deren Kauf 1987 einen Kindheitstraum. Etwa 4000 Arbeitsstunden habe man zu zweit in die Restaurierung gesteckt, berichtete der stolze Besitzer des seit 1993 fahrbereiten Oldtimers dazu. Vom Geld ganz zu schweigen: „Das hätte zu einem großen Auto mit Stern gereicht.“

Auf regen Zuspruch stieß auch der reich bebilderte Vortrag von Werner Zick über die Geschichte der Kaelble-Radlader. Eng an eng saßen daher die Zuhörer in der historischen Firmenhalle, in der bereits eine beeindruckende Fotowand in das Thema einführte. „Es muss ein perfektes Zusammenspiel von Kraft und Hydraulik sein“, ließ der frühere Geschäftsführer hinsichtlich der technischen Seite der zum Laden und Umschlagen großer Güter konzipierten Radlader wissen. Nach einer nach amerikanischem Vorbild „fast-noch-Zugmaschine“ wurde von ihm als erster Radlader der „Halsabschneider“ genannte SL 600 vorgestellt. 60 PS stark, bezeichnete Zick ihn mit der von 1956 bis 1959 hergestellten Stückzahl von 152 als marktgerecht. „Führend zu seiner Zeit“ hingegen sei der SL 1451 gewesen, von dem zwischen 1961 und 1966 immerhin 448 Stück produziert worden sind. „Es war ein sagenhaftes Gefährt“, schwärmte der Referent dagegen vom SL 2651. Mit dem 1964 beim SL 12 nach anfänglicher Skepsis eingeführten Knickgelenk wurde laut Zick indes ein anderes Zeitalter eingeläutet. „Kaelble hatte für alles eine Lösung“, betonte er an diesem Beispiel angesichts der vielfachen Ausrüstungsmöglichkeiten. Die bei dem zwischen 1968 und 1978 produzierten SL 18 eingeführte Panoramascheibe sei ebenfalls heute noch Stand der Technik. Auch dessen vielfältige Einsatzmöglichkeiten bezeichnete Zick in seinem Vortrag als „bombastische Angelegenheit“. Nach dem stärker-robusten SL 20 und dem einfach-gut gebauten SL 26 kam der Fachmann schließlich in die Neuzeit und das nahende Firmenende zu sprechen, wobei er den SL 28 als „für ihn schönsten Lader“ titulierte. 30 Stück seien zwischen 1998 und 2007 noch hergestellt worden; davon jedoch 13 schon bei Terex in Vechta. Mit den Worten „Schade, dass es ihn nicht mehr gibt“, schloss Zick seine Ausführungen. Und forderte die Anwesenden auf: „Behalten sie ihn in Erinnerung.“