Farbenfrohe Leuchtkraft

Acht Oehler-Fenster sind ein kunsthistorischer Schatz
Wirken wie Edelsteine: die Scheiben, aus denen die Kirchenfenster geschaffen sind.

GROSSERLACH (pm). Christian Oehler schuf 1961 acht Kirchenfenster, die anlässlich einer Renovation der evangelischen Kirche Großerlach dort eingebaut wurden. Oehler (1909 bis 1986) war einer der bedeutendsten Betonglaskünstler des 20. Jahrhunderts. Er schuf Werke in einer ganzen Reihe von Orten in Deutschland, aber auch in Johannesburg (Südafrika) und Milwaukee (USA). Ausstellungen seines Schaffens gab es unter anderm in Stuttgart, Toronto und im Vatikan.

Klaus Reich, der von 1974 bis 1983 Gemeindepfarrer in Großerlach war, lernte den Künstler noch persönlich kennen. Weil ein Fenster durch einen Einbruch in die Kirche zerstört worden war, konnte er Oehler dazu gewinnen, es neu zu schaffen. Reich ist es ein Anliegen geworden, das Bewusstsein für die kunsthistorische Bedeutung der expressionistisch ausdrucksstarken acht Großerlacher Kirchenfenster zu fördern. Betrachtet man sie von außen, sieht man die Betonruten, die die Fenster zusammenhalten. Ihre überwältigende, farbenfrohe Leuchtkraft entfalten die Kirchenfenster erst von innen. Sie entsteht durch die Glasfliesen von zwei bis drei Zentimetern Durchmesser, mit welchen Oehler die Betonglasfenster gestaltet. Die Scheiben nehmen besonders viel Licht auf und wirken wie Edelsteine – rubinrot, saphir und golden. Diese acht Betonglasfenster sind ein kunsthistorischer Schatz, dessen Bedeutung erst allmählich erkannt wird.

In seinem Vortrag in der Kirche Großerlach ging Reich auf eines der Kirchenfenster ausführlich ein. Es hat als Thema das Wort Jesu: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. Dieses Kirchenfenster spiegelt die eigene Erfahrung Oehlers, der als gebrochener Mensch aus Krieg und sowjetischer Gefangenschaft 1949 heimgekehrt war. Der Glaube an Jesus Christus hat ihn wieder aufgerichtet. Das ist eine Erfahrung, die auch heutzutage Menschen machen, die aus dem Gefängnis ihrer Depression oder Trauer durch den Zuspruch des Evangeliums herausgeführt werden und neuen Mut fassen.