Düsteres Bild eines Verlierers

Neuerscheinung: Peter Warks neuer Roman „Loser“ – Ein Krimi um einen Antihelden in der Tradition klassischer Noir-Literatur

Es beginnt mit dem Ende: Der Kleinkriminelle Andreas Broschkat hat den ultimativen Coup seines bisher erbärmlichen Lebens vorbereitet und ausgeführt. Einmal noch, dann ist er alle Sorgen los, dann kann er sein bisheriges von Verlusten, Gewalt und Enttäuschungen geprägtes Dasein für immer hinter sich lassen.

 Peter Wark
Peter Wark

Von Marina Heidrich

BACKNANG. Neu anfangen. Er, der sich mit vierzig als Türsteher in einem Club durchschlagen muss, er, der nicht fähig ist, Bindungen aufzubauen und zu halten, er, der immer wieder am Leben und sich selber scheitert – er, der Loser. Die bisherige Bilanz seiner Existenz: Prostitution, Drogen, Autodiebstahl, Einbruch, ja, sogar Mord und immer wieder Gefängnis. Andys Plan muss aufgehen, sonst ist es endgültig um ihn geschehen. Großes Risiko, große Chance, so lautet die einfache Gleichung. Mit „Loser“, seinem achten Kriminalroman, betritt der Backnanger Autor Peter Wark neue Pfade. Der BKZ-Redakteur legt erstmals einen in der Tradition klassischer Noir-Literatur geschriebenen Kriminalroman vor. Die Story ist ungeschminkt, nackt und realistisch angelegt, wobei das Überraschungselement nicht zu kurz kommt. Der Loser ist ein Antiheld, für den man Mitleid nur in homöopathischen Dosen entwickelt. Andys Weg ist einerseits vorgezeichnet, andererseits nimmt die kontinuierliche Abwärtsspirale des Protagonisten doch manchen unvorhersehbaren Verlauf. Dazu trägt auch die Erzählweise in zeitlich nicht geordneten Rückblenden bei, die konzentriertes Lesen erfordert.

Die Sprache ist dem Genre angepasst knapp, präzise, geradezu abgemagert an manchen Stellen. Sie spiegelt Andys Charakter. Zudem verzichtet Wark auf jegliches Lokalkolorit. Das Buch hinterlässt ein gewisses Unbehagen, trotz des nur scheinbar versöhnlichen Schlusses. Das Schicksal bleibt dunkel. Es stellt sich die Frage: Wird man als Loser geboren? Kann man aus einem Teufelskreis ausbrechen oder ist unser Weg vorgezeichnet? Peter Warks schriftstellerische Entwicklung ist glaubhaft und spannend, er hat deutlich an Facetten hinzugewonnen. Mit seinem düsteren, fast Hoffnungslosigkeit ausstrahlenden neuen Werk fügt sich der Autor nahtlos in die Tradition der Noir-Literatur und muss sich keineswegs hinter amerikanischen oder gar französischen Meisterwerken verstecken.

Das Buch erscheint im Frankfurter Seeling-Verlag, der auf Noir- und Hardboiled-Krimiliteratur spezialisiert ist und immer wieder überraschende Erfolge feiert. Dem Verlag ist es zu verdanken, dass großartige amerikanische Krimiautoren wie Derek Nikitas in Deutschland überhaupt verlegt werden und dass jahrzehntelang verschwundene herausragende amerikanische Kriminalliteratur wieder auf Deutsch erhältlich ist.