- Sport 28.11.2011
Fecht-Bundestrainer lobt TSG
Ollagnon nutzt den Backnanger Degen zur Talentsichtung – Lokalmatadorin Piesch wird Fünfte
Beim Backnanger Degen betraten unter anderem Fechter des B- und C-Kaders die Planche in der Sporthalle Katharinenplaisir. Didier Ollagnon, Bundestrainer der deutschen Degenfechter, beobachtete die Teilnehmer. So auch Hannah Piesch. Die Backnangerin, die für den FC Tauberbischofsheim startet, belegte am Ende den fünften Rang.

Von Heiko Schmidt
„Ohne die sehr gute Arbeit an der Basis, wie sie in Backnang betrieben wird, würde es keine deutschen Weltklassefechter geben“, macht Ollagnon klar. Seit 2009 ist er Bundestrainer der deutschen Degenfechter. Davor betreute er die Schweizer. Für Ollagnon, der mit dem Fechten in Böblingen verwurzelt war, hat der Backnanger Degen einen besonderen Stellenwert. „Gerade bei solchen Turnieren kann man sehen, wie sich jeder Fechter weiterentwickelt hat. Wer in Backnang nicht besteht, der schafft es auch bei großen Turnieren nicht.“ Deswegen schaute der Nationalcoach gestern genau hin.
Und das nicht nur bei den Männern, sondern auch bei den Frauen. Dort war mit Hannah Piesch eine Lokalmatadorin am Start. „Man merkt, dass die TSG Backnang viel unternimmt, um ihre Spitzenfechterin zu unterstützen und weiterzuentwickeln. Solche Veranstaltungen wie in Backnang sind dafür da“, lobt der Bundestrainer. Das zahlte sich für die Backnangerin beim Turnier in der Sporthalle Katharinenplaisir aus. Piesch, die für den FC Tauberbischofsheim kämpft, schlug im Feld der 14 Teilnehmerinnen eine feine Klinge. Sie arbeitete sich bis ins Viertelfinale vor. Dort war aber Endstation. In einem engen Gefecht zog Piesch gegen die spätere Dritte Claudia Becker vom FC Mannheim hauchdünn mit 14:15 den Kürzeren. Somit blieb ihr am Ende der fünfte Rang. Es gewann Beate Christmann vom FC Tauberbischofsheim vor ihrer Vereinskollegin Shirin Vollrath. Neben Becker belegte auch Britta Schmid vom Heidenheimer SB den dritten Rang.
Einen internationalen Sieg gab es im Feld der 34 Männer. Der Brite Jonathan Willis setzte sich im Finale gegen Fabian Herzberg (FC Tauberbischofsheim) mit 15:11 durch. Dritte wurden Constantin Böhm und Stephan Rein vom Heidenheimer SB. Der einzige TSG-Starter, Jan Wendel, schied in der Hoffnungsrunde aus. Der Backnanger kam auf Rang 22. Er macht wie die anderen Teilnehmer eine Sportart, die laut Bundestrainer „aufgrund der Medaillengewinne bei Welt- und Europameisterschaften sowie Olympischen Spielen eine große Tradition in Deutschland hat“. Für den Coach ist klar: „Unsere Aufgabe ist es, das Erbe weiterzuentwickeln.“ Deswegen setzt Ollagnon auf den Ausbildungseffekt. Am Samstag absolvierte er mit elf Kaderfechtern im Bundesleistungsstützpunkt in Heidenheim einen Trainingstag. Ein Großteil der Sportler startete in Backnang.
„Viel Geld wie in anderen Sportarten kann man aber mit dem Fechten nicht verdienen. Die meisten Fechter haben einen Beruf oder studieren“, berichtet der Trainer. Er fügt hinzu: „Zum Fechten gehört viel Idealismus. Der Sport ist in erster Linie eine gute Bereicherung und Ergänzung für das Leben.“ Das war auch beim Backnanger Degen nicht zu übersehen. Die Vorrunden-Begegnungen verfolgten nur wenige Zuschauer. Etwas mehr waren es bei den Finalkämpfen am Nachmittag. „Es ist nicht einfach, Zuschauer fürs Fechten zu begeistern“, gibt Ollagnon zu. Ihm stimmt Rainer Mögle, stellvertretender Abteilungsleiter der TSG-Fechter, zu: „Fechten ist etwas unübersichtlich.“ Dass die Zuschauer in Zukunft zumindest in Backnang etwas mehr Überblick haben, daran will die TSG arbeiten. Vielleicht finden dann mehr Zuschauer den Weg zum Backnanger Degen.

