Heiko Baier schlägt zum vierten Mal zu

Eigenen Streckenrekord verbessert – Christopher Hettich wieder Zweiter – Auch Siegerin Ricarda Lisk läuft eine neue Bestzeit

Im Dauerregen von Backnang hoffte Christopher Hettich wieder vergeblich auf seinen ersten Heimsieg beim Silvesterlauf. Heiko Baier war der Spielverderber: Der Hesse gewann zum vierten Mal, steigt damit zum alleinigen Rekordhalter auf und verbesserte den eigenen Streckenrekord auf 30:39 Minuten. Bei den Frauen war Ricarda Lisk eine Klasse für sich. Die Triathletin stellte in 35:31 Minuten ebenso eine neue Bestmarke auf.

Ein prickelndes Duell: Lokalmatador Christopher Hettich (links) musste Heiko Baier erst Ende der dritten Runde ziehen lassen.Foto: B. Strohmaier

Von Steffen Grün

2008 hatte Hettich schon einmal Baier den Vortritt lassen müssen. 2009, als der Titelverteidiger einen weiten Bogen um Backnang machte und stattdessen starker Dritter in Bietigheim wurde, machte ihm Tobias Sauter aus Leonberg einen Strich durch die Rechnung. 2010 stoppte den Lokalmatador eine böse Erkältung. Dass es auch 2011 kein Spaziergang zum Heimsieg werden würde, war beim Blick auf das illustre Starterfeld klar. Vor allem Marcel Fehr aus Welzheim, das deutsche Toptalent im Mittelstreckenbereich, und eben Baier galten als die Hauptkonkurrenten Hettichs. Aber auch dem Titelverteidiger Johannes Weingärtner aus Schwäbisch Hall sowie dem viermaligen deutschen Berglaufmeister Timo Zeiler war zuzutrauen, im Kampf um die Podestplätze ein Wort mitzusprechen.

Nach der ersten 2,5-Kilometer-Schleife war Hettich im Plan. Er führte mit einigen Metern vor der Verfolgergruppe, die Baier, Fehr und Clemens Silabetzschky bildeten. Zeiler und Weingärtner hatten bereits alle Hände voll zu tun, keine allzu große Lücke entstehen zu lassen. Als die Athleten zum zweiten Mal das Rathaus passierten, marschierten Hettich und Baier in trauter Einigkeit vorne weg. Silabetzschky hielt bereits einen kleinen Respektsabstand, während der Sieg für Zeiler und Weingärtner schon in weite Ferne gerückt war. Vergeblich Ausschau gehalten wurde nach Fehr – warum, wurde erst nach der dritten Runde klar: Der zweifache deutsche Jugendmeister (3000 und 5000 Meter) hatte seinen Knieproblemen Tribut zollen und aufgeben müssen. Als Streckensprecher Bernd Koppitz dieses Rätsel aufklärte, hatten die übrig gebliebenen Spitzenläufer eben zum letzten Mal das Ziel rechts liegen lassen. Baier und Hettich jagten dem Führungsfahrrad noch zusammen hinterher, wobei der Hesse den etwas frischeren Eindruck machte. „Er hat mich Ende der dritten Runde am Berg abgehängt“, erklärte der Lokalmatador später. Baier kämpfte auf den letzten gut zwei Kilometern in erster Linie also nicht mehr mit einem Rivalen, sondern mit der Uhr. Ein neuer Streckenrekord lag in Reichweite – und war wenig später perfekt. In 30:39 Minuten war der nun viermalige Sieger und damit alleinige Rekordhalter in der 26-jährigen Silvesterlaufgeschichte zwölf Sekunden schneller als bei seinem Triumph vor drei Jahren. Hettich musste sich in 31:14 Minuten zum dritten Mal mit dem zweiten Rang begnügen, Silabetzschky sicherte sich den letzten freien Platz auf dem Siegerpodest.

So spannend das Rennen bei den Männern war, so klar war die Sache bei den Frauen. Am Sieg von Lisk herrschten zu keinem Zeitpunkt begründete Zweifel. Die 30-jährige Triathletin vom VfL Waiblingen, die 2012 in London auf ihre zweite Olympia-Teilnahme hofft, erlief sich schon in der ersten Runde einen Vorsprung von etwa 20 Sekunden auf Silke Fritz, die Siegerin von 2007 aus Abtsgmünd, und Leyla Emmenecker, die baden-württembergische B-Jugend-Meisterin aus Aalen. Nach den zweiten 2,5 Kilometern war das Polster bereits auf über eine Minute angewachsen. Emmenecker, Sharon Antoni aus Lauda und Fritz kämpften um die weiteren Plätze. Vor der letzten Schleife hatte Lisk die Konkurrenz um fast zwei Minuten distanziert und war wie Baier drauf und dran, den Streckenrekord zu verbessern. Ihr gelang es schließlich in 35:31 Minuten, während Antoni den Wettstreit um den zweiten Platz in 37:34 Minuten für sich entschied. Emmenecker überquerte die Ziellinie genau 15 Sekunden später.