Aus schnellen Titeln werden Balladen

Joo Kraus und das Tales in Tones Trio machen aus bekannten Songs etwas ganz Eigenes – Saisonauftakt beim Verein Kulturgut

Mit Hits von Michael Jackson, wie man sie noch nie gehört hat, und anderen Größen des Pop begeisterten Joo Kraus und das Tales in Tones Trio zum Auftakt der Kulturgut-Saison 2012 auf dem Hofgut Hagenbach. Coversongs macht die Jazzformation zu etwas ganz Eigenem.

Welthits verpassen sie ein neues Gewand: Joo Kraus und das Tales in Tones Trio beim Auftritt im Kulturgut Hagenbach. Foto: J. Fiedler

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. Die Essenz der Welthits bleibt bei den Interpretationen von Joo Kraus und dem Tales in Tones Trio stets erhalten. Sie spielen mit bekannten Melodien, verändern das Tempo, Pop-Hits kommen als Blues, Swing oder im New-Orleans-Stil daher. Manche der bekannten Titel erkennt man erst beim zweiten Hinhören. Was sie daraus machen, ist ein musikalischer Hörgenuss.

Welthits des King of Pop wie „Beat it“ oder „Thriller“ erhalten ein ganz neues Gewand. Mal instrumental, wenn Sänger Joo Kraus mit Trompete und Flügelhorn zum Einsatz kommt, mal gesungen, wobei aus schnellen Titeln sanfte Balladen werden können. Beim Jackson-Song „Stranger in Moscow“ pfeift Joo Kraus den Refrain, schnippt mit den Fingern den Rhythmus, und das Publikum in der gut besuchten Werkstatt des Hofguts Hagenbach schnippt mit.

Es ist eine Hommage an den King of Pop und andere Stars ihrer Jugend, die die Musiker auf ihre Weise interpretieren. Beim Titel „Smooth Operator“ von Sade sind Hip-Hop-Elemente eingestreut. Den Titel „Sledge Hammer“ von Peter Gabriel erkennt Joo Kraus fast selbst nicht mehr, so wie sie ihn spielen, räumt der aus Ulm stammende Sänger und Ausnahmetrompeter schmunzelnd ein. Sympathisch führt er durch das Konzert und lässt kleine Anekdötchen einfließen, wie die vom nervenden Besserwisser im Publikum, der sich mit Komponisten offenbar besonders gut auskennt. Mitreißende Spielfreude zeigen die Musiker des Tales in Tones Trios, von denen jeder einzelne Träger des renommierten Landesjazzpreises ist. Am Klavier brilliert Ralf Schmid, der die bekannten Themen auf ganz eigene Weise interpretiert. Grandios sind die Soli von Veit Hübner am Kontrabass. Nicht nur kräftige Beats, sondern auch ganz leise Töne kann Torsten Krill dem Schlagzeug entlocken. Bei dem italienischen Titel „Estate“ von Bruno Martino, der als Bolero daherkommt und von Sänger Joo Kraus regelrecht hingehaucht wird, ist es im Publikumsraum mucksmäuschenstill. Nicht einmal ein Glas hört man klirren. Einige Besucher haben die Augen geschlossen und lauschen versunken den sanften Kompositionen. Viel Gefühl legt der 1966 geborene Sänger in seine Stimme. Fast sehnsuchtsvoll ist der Klang seiner Trompete. Das Klavier schweift beim Solo vom Thema ab, um dann wieder darauf zurückzukommen. Sanft streicheln die Besen des Drummers über die Becken. Äußerst stimmig ist das Zusammenspiel. Mal dominiert das eine Instrument, dann das andere. Einen Moment lang herrscht absolute Stille nach dem Lied, bevor begeisterter Applaus und Bravorufe losbrechen. Ständige Tempowechsel zeichnen das Programm aus, in dem ein Querschnitt aus den beiden Alben „Painting Pop“ und „Songs from Neverland“ präsentiert werden. Blitzschnell sind die Tonfolgen in Joo Kraus’ Flügelhorn-Solo beim Michael-Jackson-Song „I can’t help it“, dann wieder sanft und voller Hingabe beim Titel „Africa“ von Toto. Zwischenapplaus brandet nach den Soli auf.

Zu Höchstform laufen Joo Kraus und das Tales in Tones Trio bei der Zugabe auf. Bei einer Interpretation von Michael Jacksons „Black or White“ brennen sie noch mal wahre Feuerwerke an ihren Instrumenten ab. Welthits der Popgeschichte haben die Musiker auf ihre Weise noch einmal zu etwas ganz Besonderem gemacht. Ein glänzender Auftakt der diesjährigen Veranstaltungssaison des Backnanger Kulturvereins Kulturgut auf dem Hofgut Hagenbach.