- Kultur 22.02.2012
Kalauernder Frosch...
...vor nachsichtigen Versuchskaninchen – Thomas Fröschle witzelte sich trickreich durch Vorpremiere
Von Simon Haas
SPIEGELBERG. Dass das Showbusiness seinem Namen mitunter alle Ehre macht, sprich: ein hartes, und womöglich auch sehr eintöniges Geschäft sein kann, demonstrierte der Zauberkünstler Thomas Fröschle vor ein paar Jahren bei einem Fernsehauftritt auf Pro7 – und nahm augenzwinkernd die eigene Illusionistenkaste auf die Schippe. Zunächst mimte er einen Magier, der bei einer fiktiven Zaubertrick-Premiere geckenhaft mit großen Magiergesten vor einem kleinen Kasten herumfuchtelt. Später, nach der „1083. Vorstellung“, wich das übertriebene Pathos der ersten Aufführung lustlosem Stumpfsinn. Der gleiche Zaubertrick geriet zur lästigen Pflichtübung.
Damals tourte Fröschle noch als Topas durch die ganze Welt. Inzwischen, ein paar der besagten 1083 Vorstellungen später, hat sich das Multitalent vom komischen Zauberer zum zaubernden Komiker gemausert. Vermutlich ist er deswegen mit bürgerlichem Namen nach Großhöchberg angereist – um zu zeigen, dass er es ernst meint mit der Entwicklung hin zum „seriösen“ Comedian.
„Sie hören heute Abend Witze, die werden zum ersten Mal auf einer Bühne erzählt“, erklärt Fröschle, „und vielleicht auch zum letzten Mal.“ Vorpremiere also, Eintritt 15 Euro. Sein neues Programm heißt „Frosch mit Ohren“, schließlich sei er selbst dem Namen nach ein (diminutiver) Lurch. Das Publikum im ausverkauften Kabirinett begrüßt er – ein weiteres Bild aus der Tierwelt bemühend – als willkommene „Versuchskaninchen“. Denn das Programm sei noch gar nicht ganz fertig, und überhaupt die Vorstellung heute – übrigens im Rahmen der Winter-Kultur-Tage – eher ein kleiner Vorgeschmack auf die große Premiere in Stuttgart.
Als Glücksfall erwies sich das auf der Spiegelberger Probierbühne nur bedingt. Münzen fielen klimpernd zu Boden, Eier mit einem dumpfen Knall aus dem Requisiten-Sakko. Die Scheinwerfer taten ihr Übriges und brachten gnadenlos einen verrutschten Draht zum Vorschein. Eine ganze Viertelstunde lang. Alles unfreiwillig komische Momente, die der Künstler zwar mit professioneller Hemdsärmeligkeit überspielte. Die schöne Illusion jedoch war dahin, der Trick als fauler Zauber entlarvt.
Thomas Fröschles Stand-up-Comedy-Trickkiste wiederum war gut gefüllt mit einem soliden Vorrat an skurrilen Alltagsbeobachtungen und kalauernden Selbstbetrachtungen. Die Überleitungen hingegen: selten wirklich originell und oft wenig nachvollziehbar. Beliebig zwar, aber zu brav, um als Dadaismus durchzugehen. Wenn nichts mehr half, führte ein kurzer Bühnen-Blackout zum nächsten Gag. Warum beispielsweise Fröschle als Thomas Gottschalk Yoda, Bud Spencer und Daniela Katzenberger in einer imaginären Talkrunde versammelte, blieb dem Publikum ebenso verborgen, wie die Pointe nach dem 1083. Videorekorderanleitungs-Witz. Unverhofft hintergründig wurde es dann, als der Comedian den (Irr-)Sinn hinter den – zu Unrecht populären – „langen Nächten“ ergründete. Ob in Museen oder Shoppingmalls: „Es scheint die Menschen zu faszinieren, dass sie nachts was machen dürfen, was sie tagsüber genauso gut können“.
Das Spiegelberger Publikum gab sich indes recht nachsichtig. Insbesondere mit seinem beißenden Seitenhieb auf die Geschenkartikelindustrie schien der trickreiche Komiker vielen Opfern von Duftlampen, Katzenkalendern und Zimmerbrunnen aus der Seele zu sprechen. Spätestens als er dann mit der Inbrunst eines psychotischen Kettensägenmörders unbearbeiteten Holzklötzen rosa Schweinchen entriss, waren viele uninspirierte Ulk-Experimente wieder vergessen.
Am Ende, nach einem freundlich aufgeregten Applaus, sprach ein Zuschauer aus, was wohl viele dachten: „Ob er das bis zur Premiere in Stuttgart hinkriegt?“ Die findet übrigens am 29. Februar im Renitenztheater statt. Vermutlich ohne Thomas Gottschalk.

