- Backnang & Kreis 23.02.2012
Neuer Kuhstall darf gebaut werden
Spiegelbergs Gemeinderat stellt sich einstimmig gegen Vorschlag der Verwaltung
Ein neuer Mutterkuhstall darf in Großhöchberg gebaut werden. Zumindest wenn es nach dem Willen des Spiegelberger Gemeinderats geht. Mit diesem Beschluss stellte sich das Gremium einstimmig gegen einen Vorschlag der Verwaltung, welche dem Bauprojekt ablehnend gegenüberstand.
Von Mathias Klink
SPIEGELBERG. Die dicke Vorlage, welche die Räte zu diesem Tagesordnungspunkt in ihrer jüngsten Sitzung erhielten, beinhaltete im Wesentlichen das seitherige umfangreiche Verfahren. Denn unzählige Gespräche waren offenbar bislang schon geführt worden; ebenso wurden viele Fachbehörden eingeschaltet und deren Meinung zu diesem Projekt eingeholt. Grund hierfür ist das Bauvorhaben eines landwirtschaftlichen Betriebes, der in Großhöchberg auf den Flurstücken 447 bis 452 südlich der Straße „Hinter den Gärten“ die Errichtung eines Mutterkuhstalls mit Mistplatte und Güllegrube plant. Doch genau dieses Gebiet ist nach den Ausführungen von Bürgermeister Uwe Bossert im Flächennutzungsplan als noch einzig mögliche Entwicklungsfläche für Wohnbebauung ausgewiesen. Dazu sei es auch gut geeignet, wozu er fünf Gründe wie die teilweise bereits vorhandene Erschließung oder die städtebauliche Arrondierung anführte. Durch Lage, Größe und Umfang des landwirtschaftlichen Bauvorhabens sah Bossert hingegen eine diesbezügliche Entwicklung blockiert. „Wenig Restfläche für mögliche Bauvorhaben würde bleiben“, so der Bürgermeister. Vom Nutzungskonflikt ganz zu schweigen. Der Standort wurde in den Augen der Verwaltung aus städtebaulicher Sicht daher als äußerst kritisch beurteilt, indem er die mittel- und langfristige Entwicklung des Ortsteils beeinträchtige. Der den Räten unterbreitete Vorschlag lautete somit, das Einvernehmen nicht zu erteilen. Fast schon verzweifelt betonte der Schultes im Laufe der Diskussion zwar immer wieder, sich mit dieser Entscheidung nicht gegen die Landwirtschaft an sich aussprechen zu wollen. „Aber wenn das gebaut wird, wird dort Wohnbebauung nie mehr kommen“, so Bossert. „Das muss allen klar sein.“ Er hatte daher einen Alternativvorschlag parat, wonach bei Untersuchung einer Standortvariante des Kuhstalls das kommunale Einvernehmen eventuell in Aussicht gestellt werde. „Eine Verlegung wäre sinnvoller“, unterstrich Bossert daher. „Da wäre allen geholfen.“
Doch vom Gemeinderat wurde dies anders gesehen. Heinz Bauer (FW) äußerte beispielsweise die Überzeugung, dass etwa durch leer stehende Scheunen innerörtlich noch genügend Potenzial für mögliche Wohnneubauten der einheimischen Bevölkerung vorhanden seien. Die Grundsatzfrage „Ond will m’r Fremde?“ warf er zudem kritisch auf. „Mir senn uff’m Land“, konstatierte auch Andreas Müller (GVL). Er plädierte daher ebenfalls für eine Unterstützung des Projekts. Nach Antrag von Rudolf Hahn (FW) wurde die Sitzung kurz sogar für Stellungnahmen der zahlreichen Sitzungsbesucher geöffnet. Bauherr Theo Geyer begründete hauptsächlich dabei noch einmal die Notwendigkeit des Stallneubaus, ohne den sein Betrieb unter anderem aufgrund neuer Richtlinien seinen Worten zufolge „koi große Zukunft“ habe. Weitere Großhöchberger Einwohner sprachen sich mit Verweis auf die Struktur des Ortes und die dortigen Gegebenheiten ebenfalls positiv für das Bauvorhaben aus. Gemeinderat Rolf Uebele (FW) fand es letztlich beeindruckend, wie die Anwohner „mitziehen“. Auch er bat um Unterstützung des Projekts.
Einstimmig lehnte der Gemeinderat daher den Vorschlag der Verwaltung ab. In der Gegenprobe stimmte entsprechend das gesamte Gremium dafür, das Einvernehmen zu erteilen. Bossert enthielt sich hier der Stimme.

