Bei der „Story vom Pferd“ ist es geblieben

Betrügerischer Portugiese muss für ein Jahr hinter Gitter – Angeklagter versuchte, seine Opfer vor Gericht noch zu verunglimpfen

Für ein Jahr schickte jetzt das Backnanger Amtsgericht einen 35-Jährigen hinter Gitter. Der Grund: Der Portugiese hatte mit dreisten Lügen über 10000 Euro von einer 32-jährigen Bekannten ergaunert und nie zurückbezahlt.

BACKNANG (kl). Bereits im September 2011 musste sich der Portugiese deshalb vor dem Amtsgericht verantworten. In der Verhandlung gab es dann zwar viele Tränen, aber kein Urteil. Denn wegen Nachermittlungen wurde der Prozess abgebrochen. „Mein Eindruck heute: Sie haben mir die Story vom Pferd erzählt“, ließ Amtsrichter Thomas Hillenbrand den Angeklagten damals wissen. Und dabei ist es im Prinzip auch in der zweiten Verhandlung geblieben. Das Gericht hatte keinen Zweifel daran, dass sich der heutige Hartz-IV-Empfänger von der Produktionshelferin im März 2010 einmal 4000 Euro und im September noch einmal 6600 Euro ergaunert hatte.

Desgleichen zeigte sich der Richter überzeugt, dass der Beschuldigte von einem Ehepaar leihweise erhaltene 600 Euro nie zurückbezahlt hatte. Der Hauptgeschädigten war die Arbeitslosigkeit des Angeklagten zwar bekannt gewesen. Ihr wurden von ihm jedoch jedesmal konkrete Erwerbsaussichten vorgelogen. „Das hat man auch heute gesehen“, stellte der Richter fest. Hatte der sich meist in einem wahren Wortschwall und stets sehr theatralisch äußernde Angeklagte dem Gericht doch allen Ernstes erklärt, dass er in seiner künftigen Tätigkeit als Autowäscher monatlich mindestens 5000 Euro verdienen würde. Trotz Ungenauigkeiten vor allem in den Zeitabläufen wertete das Gericht die Aussage der Produktionshelferin insgesamt als stimmig. Glaubhaft für Hillenbrand ebenso die Schilderungen der geschädigten Eheleute, bei denen mit dem 35-Jährigen ein Gespräch stattgefunden hatte. Ihnen hatte der Arbeitslose damals einen Schuldschein unterschrieben; sich im Falle der Hauptgeschädigten aber geweigert. Angeblich, weil der Vorgang bei seinem Anwalt zur Überprüfung vorliege.

Hillenbrand würdigte auch die drastischen Folgen für die betrogene Frau, die durch die Darlehen selbst in eine äußerst missliche finanzielle Situation geriet. „Das macht niemand freiwillig“, stellte der Richter fest. Für den Angeklagten schwer belastend wertete der Vorsitzende hingegen, dass er durch sein Verhalten auch in der Verhandlung „jeden Strafmilderungsgrund ad absurdum führte“. Dazu zählte der Richter vor allem dessen Unterstellungen, wonach er die Frau, die ihm angeblich sogar ein Kind unterjubeln wollte, als leichtlebige Person darzustellen versuchte. „Das haut dem Fass den Boden raus“, so Hillenbrand. Für ihn gab es daher keinen Grund, auch nur einen Monat von der vom Staatsanwalt geforderten einjährigen Haftstrafe abzuweichen. „Von Bewährung sind Sie so weit weg wie vom Mond“, versicherte der Amtsrichter dem sich in seinem letzten Wort tränenreich als unschuldig wähnenden Angeklagten.

Bereits fünffach vorbestraft, war der Portugiese erst unlängst vom Amtsgericht Schwäbisch Hall wegen Betruges zu zehnmonatiger Haft verurteilt worden. Die dabei unter ähnlichen Bedingungen geprellten Damen befanden sich als Zuhörerinnen auch jetzt im Backnanger Amtsgericht. Es war ihnen anzumerken, dass sie sich einer gewissen Schadenfreude kaum erwehren konnten.