Die lange Geschichte der Backnanger Techniksammlung

Alte Kaelble-Halle in der Wilhelmstraße: Vielleicht zieht dort doch noch das Technikmuseum ein, das seit einiger Zeit Haus der Technik heißen soll. Archivfoto: E. Layher

Oktober 1993: Vereinbarung zwischen Stadt (OB Rieckhoff) und Heimat- und Kunstverein (HuK): Die Techniksammlung wird im HuK-Verein geführt.

April 2008: Gründung Förderverein Technikmuseum Backnang e.V. Zweck: Erarbeitung und Umsetzung eines Museumskonzeptes für Objekte der Sammlung.

September 2008: Besichtigung der Sammlung durch Dr. Thomas Kosche vom Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim. Ergebnis: Die nachrichtentechnische Sammlung ist in Qualität und Vollständigkeit einmalig und von nationalem Rang. Die ledertechnische Sammlung hat durch ein komplettes Maschinenensemble zur Lederherstellung ein Alleinstellungsmerkmal. Die textiltechnische Sammlung verfügt über signifikante Objekte zur Darstellung der Textilverarbeitung. Die Sammlung Kaelble wartet mit eindrucksvollen Beispielen aus der Produktpalette auf mit Schwerpunkt Stationärmotoren. Die Mindestfläche für eine angemessene Präsentation beläuft sich auf 2000 Quadratmeter.

Oktober 2008: Vereinbarung zwischen Stadt und HuK-Verein: die Techniksammlung geht in die Verantwortung der Stadt über. Freiwillige werden von der Stadt als ehrenamtliche Mitarbeiter bestimmt. Verantwortlich im Rathaus: Martin Schick, Leiter Kultur- und Sportamt. Der Verein bemüht sich in Zusammenarbeit mit der Stadt um die Auswahl einer geeigneten Halle.

Oktober 2008: Sitzungsvorlage für Verwaltungs- und Finanzausschuss zur Auswahl von Standortalternativen. Ergebnis: Die Verwaltung wird beauftragt, den Standort Wilhelmstraße 32 (Kaelble-Halle) weiter zu untersuchen. BKZ-Zitat: „Wenn’s klappt wäre es ein Quantensprung.“

BKZ im Februar 2009: „Stadt und Verkäufer haben sich fast geeinigt (...) Stadt müsste 1,1 Millionen lockermachen.“

BKZ im Mai 2009: „Stadtplaner schwärmt von einer Basilika.“ Umbaukosten. Geschätzte 600000 Euro.

Ein Jahr Stillstand. Begründung laut Stadt: Wechsel des Ansprechpartners bei der Kaufverhandlung; keine Kontaktmöglichkeit; Eigentümerwechsel beim britischen Immobilieneigner; Verkaufspreis auf 1,3 Millionen Euro geklettert.

BKZ im Oktober 2010: „Lob für die neuen Pläne.“ Die Verfolgung des Erwerbs Wilhelmstraße 32 ist offenbar aufgegeben worden, jetzt taucht die Techniksammlung plötzlich in der Oberen Walke auf (sogenannter Marconi-Bau).

Erkenntnis nach dem Hochwasser Anfang 2011: Marconi-Bau muss abgerissen werden. Das für den Verkauf der Halle Wilhelmstraße 32 verantwortliche Asset-ManagementUnternehmen legt nach Gesprächen mit dem Förderverein ein neues Angebot mit deutlich niedrigerer Kaufsumme vor.

Oktober 2011: Gespräch Förderverein/Stadtverwaltung. Ergebnis: Die Halle Wilhelmstraße 32 ist in jeder Hinsicht ein geeignetes Objekt, allerdings sind der Kaufpreis und Umbaukosten (zusammen etwa 1,5 Millionen Euro) für die Stadt nicht zu schultern.

Seit Oktober 2011 sind Vorstand und Beirat des Vereins auf Sponsorensuche. Maßgebliche Beteiligung von Industrie und Finanzwelt sei nur mit einem Paradigmenwechsel erreichbar. Der Verein ändert die Zielrichtung und verfolgt nun das Projekt „Haus der Technik Backnang“. Die Sammlung kombiniert mit Restaurierungswerkstätten, Laborräumen und Vortragsebene soll das Interesse der Bürger aller Altersbereiche ansprechen. Die Notwendigkeit, junge Menschen für technische Berufe zu begeistern, gelte als gesellschaftliche Aufgabe. Mit der Kombination historische Objekte und modernes Lernen lasse sich ein attraktiver Interessensbogen spannen.

Der Förderverein veranstaltet seit drei Jahren Vorträge zur Geschichte der Technik und ihrer Weiterentwicklung in breitem Spektrum. Diese Veranstaltungen sollen künftig im Haus der Technik stattfinden. Dort böte sich auch die Möglichkeit, ein Forum für Unternehmen zu schaffen, die mit eigenen Programmen und zum Beispiel Empfängen die Umgebung des „lebendigen Museums“ nutzen können. Mit diesem Konzept steige die Spendenbereitschaft spürbar. Der Förderverein sieht gute Chancen, die Projektkosten durch Sponsoring und öffentliche Förderung „auf ein für die Stadt Backnang erträgliches Maß zu reduzieren“.

Standorte der Sammlung heute: Mühlstraße, Firma Sorg, Stuttgarter Straße (Mietkosten), Firma Trostel in sechs Containern im Freigelände („nicht unerhebliche Mietkosten“), Keller des Torbogenhauses Ölberg und Güterschuppen beim Bahnhof.

Leistung der Ehrenamtlichen bisher: Kontinuierlich sind etwa 20 Personen für die Sammlung tätig. Bei 3 Wochenstunden während 40 Wochen pro Jahr seit zirka 20 Jahren sind das etwa 48000 Arbeitsstunden. Aufgerundet auf 50000 Stunden und mit einem angenommenen Stundensatz von 10 Euro multipliziert, ergibt das die beeindruckende Arbeitsleistung von 500000 Euro. Dabei ist weder der unterstellte Stundensatz noch die veranschlagte Zeit üppig bemessen, heißt es beim Verein. Entscheidend sei der „bewundernswerte ehrenamtliche Beitrag von einzelnen Bürgern mit nur einem Ziel: Der Stadt das industrielle Erbe zu erhalten. Industriegeschichte ist Kulturgeschichte!“.

(Quelle: Förderverein Technikmuseum)