Sauter verhindert Hettichs Heimsieg

Der WM-Teilnehmer im Marathon macht dem Lokalmatador einen Strich durch die Rechnung – Lemke gewinnt bei den Frauen

Christopher Hettich ist mit dem Versuch gescheitert, als zweiter Backnanger nach Jörg Balle den Silvesterlauf in der Heimat zu gewinnen. Ihm machte ein WM-Teilnehmer im Marathon einen Strich durch die Rechnung: Tobias Sauter aus Leonberg war schneller. Bei den Frauen siegte Meike Lemke (LG Rems-Murr) deutlich.

Lief seinen Verfolgern während der letzten beiden Runden davon: Tobias Sauter aus Leonberg.

Von Steffen Grün

Dreimal hatte zuletzt Heiko Baier triumphiert. Weil der Seriensieger in Bietigheim sein Glück versuchte, galt der Vorjahreszweite Hettich nach Durchsicht der Voranmeldelisten als Favorit. Sein Problem: Im Wettkampfbüro tauchte mit Sauter gerade noch rechtzeitig ein mehr als ernstzunehmender Widersacher auf und meldete nach. Der in Leonberg lebende und in Spergau unter Waldemar Cierpinski (Marathon-Olympiasieger 1976 und 1980) trainierende Sportler startete im August 2009 bei der Leichtathletik-WM in Berlin und beschloss kurzfristig, nach einer längeren Verletzungspause in Backnang wieder etwas Wettkampfpraxis zu sammeln.

Nach einer von vier Schleifen durch die Innenstadt und mithin 2,5 von 10 Kilometern bildeten Sauter und Hettich sowie Johannes Weingärtner (TSG Schwäbisch Hall) und der für die LG Weinstadt startende Joachim Bauer aus Auenwald beim Marktstraßenanstieg das Spitzenquartett. Nur noch ein Trio führte das Feld nach der zweiten Runde an. Bauer hatte den direkten Kontakt zu den Kontrahenten abreißen lassen müssen. Als die drei Führenden den Zielkanal dann das letzte Mal rechts liegen ließen, hatte Sauter bereits ein paar Meter zwischen sich und Hettich sowie Weingärtner gebracht. Etwa vier Sekunden trennten den Ersten von seinen hartnäckigsten Verfolgern. Offenbar verfügte der Marathonläufer trotz seines Trainingsrückstandes noch über genügend Kraftreserven. Er baute seinen Vorsprung während der letzten 2,5 Kilometer noch etwas aus und überquerte die Ziellinie mit einem 15-Sekunden-Polster auf den Zweiten. Und das war mit Hettich der Lokalmatador, was von den Fans mit Begeisterung aufgenommen wurde. Die Siegerzeit von 32,12 Sekunden war vom Streckenrekord aber weit entfernt. Den hatte Baier 2008 mit 30,51 Minuten aufgestellt. Rang drei sicherte sich Weingärtner. Fünfter wurde Bauer, der es sich auf den letzten Metern nicht nehmen ließ, eines der Maskottchen Huckepack zu nehmen.

Eine viel klarere Angelegenheit war das Frauenrennen. Lemke, die vor ihrer Hochzeit Rosenauer hieß und einst deutsche Vizemeisterin über 3000 Meter Hindernis war, entledigte sich der anfänglichen Begleitung durch die mit Heimvorteil ausgestattete Beate Bauer (LT Auenwald) bereits während der zweiten Runde und ließ danach auch keine Rivalin mehr aufkommen. Allerspätestens nach der dritten 2,5-Kilometer-Schleife existierten am bevorstehenden Sieg der Athletin, die bei ihrem bislang einzigen Start in Backnang 2006 den zweiten Platz belegt hatte, keine begründeten Zweifel mehr. Nach 40,38 Minuten war ihr Triumph perfekt. Zweite wurde Karin Beck vom TSV Schmiden in 41,46 Minuten vor Sara Schoppe von der LG Weinstadt, die zehn Sekunden mehr benötigte. Mit dem fünften Platz musste sich Beate Bauer begnügen. Ihre Zeit von 42,43 Minuten reichte jedoch für den Sieg in der Altersklasse W30. Und das war doch weit mehr als nur ein kleines Trostpflästerchen für die Vorjahreszweite.