- Kreis 09.02.2010
Wirtschaftsweiser Franz lehnt Einladung ab
Wolfgang Sartorius, Chef der Erlacher Höhe, beklagt eine „Stimmungsmache gegen Hartz-IV-Empfänger“
GROSSERLACH (pm). Kritik an der Verschärfung der öffentlichen Debatte über Hartz IV äußerte Wolfgang Sartorius, Leiter und Vorstand der Erlacher Höhe. Die Erlacher Höhe hatte jüngst Professor Wolfgang Franz, einen der fünf Wirtschaftsweisen eingeladen, der sich vehement für eine Absenkung der Hartz-IV-Regelsätze ausspricht. Doch Franz lehnte ab. Gerade in den Boulevardmedien würde mehr denn je der Eindruck vermittelt, Hartz-IV-Empfänger seien faul und bekämen zu viel Stütze. Sartorius: „Leider sind auch Politiker, die es eigentlich besser wissen, vor derart dümmlichen und vereinfachenden Parolen nicht gefeit.“
Dass die Debatte von der Boulevardpresse und jetzt auch von Wirtschaftswissenschaftlern angeheizt wird, sei sehr kritisch zu sehen. Bekanntlich hatte nach Professor Franz dieser Tage auch das Kieler Institut für Weltwirtschaft auf eine Absenkung der Regelsätze gedrängt. Begründung: weil die Abstände zwischen Hartz IV und dem möglichen Einkommen aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung gering seien, erscheine Arbeit nicht lohnenswert. Sartorius spricht von einer „Stimmungsmache gegen Hartz-IV-Empfänger“. Das Problem seien fehlende, anständig bezahlte Arbeitsplätze. Sartorius: „Wo der Abstand zu Erwerbseinkommen gering ist, handelt es sich durchgängig um unzureichend entlohnte Arbeit. Wer etwa als Leiharbeiter, Friseur oder Floristin nur sechs oder acht Euro pro Stunde verdient, kann davon einfach keine Familie ernähren.“
Sartorius wünscht sich eine Versachlichung der Diskussion um Hartz IV. Aus diesem Grunde hatte er Professor Franz eingeladen. Man wollte ihm Gelegenheit geben, sich aus erster Hand Informationen über die Lebenslage von Armen zu verschaffen. Franz hat abgelehnt. Sartorius bedauert dies, „weil Herr Franz sich diese Chance entgehen lässt, mit Arbeitslosen statt über Arbeitslose zu reden“.


