Ein Weltenbummler in Sachen Fußball

Der frühere Allmersbacher Petar Segrt trainiert mittlerweile einen indonesischen Erstligisten und freut sich über „ein tolles Leben“

Von Uwe Flegel

Petar Segrt hat schon viel erlebt. Der frühere Landesligakicker des SV Allmersbach war Trainer Georgiens, als dort 2008 der Krieg mit Russland ausbrach. „Ständig fällt der Strom aus, die Wasserversorgung ist unterbrochen, und stündlich kommt’s zu Alarmen. An Schlaf ist nicht mehr zu denken“, schilderte er damals seine Erlebnisse. Vier Jahre später sagt der Weltenbummler in Sachen Fußball: „Ich führe ein tolles Leben.“

18 Monate arbeitet der 46-Jährige nun in Indonesien. Erst auf der Trauminsel Bali, seit vergangener Saison auf Sulawesi beim PSM Makassar. Mit einem Fünfjahresvertrag ausgestattet, soll Segrt in der Küstenstadt das Erstligateam trainieren und eine Jugend-Akademie aufbauen. Eine ideale Aufgabe, verdiente sich der Fußballlehrer seine ersten Sporen doch im Jugendbereich. Erst bei seinem Heimatverein FV Calw, dann beim MSV Duisburg und dem VfL Bochum.

Von dort ist’s ein langer Weg bis in die 1,4-Millionen-Metropole Süd-Sulawesis. Eine Strecke, auf der Segrt unter anderem Leuten wie Jogi Löw und dem Backnanger Ralf Rangnick begegnete. Den Heimaturlaub nutzte der Schwabe mit kroatischen Wurzeln dann auch zu einem Treffen mit dem Bundestrainer. Und er bekam die Kritik mit, die auf Löw und dessen Stab hereinprasselte. Segrt ärgert sich: „Ich bin zwar ein Nobody als Trainer. Aber eins kann ich beurteilen: Der deutsche Fußball besitzt im Ausland derzeit einen sehr hohen Stellenwert. Einen klar höheren als Brasilien und Argentinien.“ Segrt nennt das, was einige Experten in den Medien betreiben, eine „nicht nachvollziehbare Hexenjagd. Diese Leute sollen sich mal daran erinnern, wie unser Fußball vor Klinsmann und Löw aussah.“

Mit Interesse blickt der Fußballlehrer zudem auf die neue Aufgabe des Backnangers Ralf Rangnicks. Auch weil Segrt selbst einige Jahre in österreichischen Profiligen arbeitete. „Für Salzburg und dessen Ambitionen ist Rangnick der richtige Mann“, lobt der Ex-Allmersbacher, der weiß: „Für deutsche Trainer ist es in Österreich nicht so einfach.“ Schließlich gibt’s in der benachbarten Alpenrepublik ebenfalls genügend Altvordere, die verbal gerne den Heckenschützen geben.

Und wie geht’s einem ausländischen Coach im Fußball-Entwicklungsland Indonesien? „Ein fantastisches Erlebnis“, schwärmt Segrt, berichtet aber auch: „Ich musste mir den Respekt erst erarbeiten.“ Makassar verschliss 15 Trainer in den fünf Jahren vor ihm. Nach nur einer Saison kann Segrt stolz sagen: „Ich bin Rekordhalter.“ Dabei „forderten sie schon nach zwei Wochen meinen Kopf.“ Harte Zeiten in einer Stadt, in der täglich sieben Zeitungen erscheinen und die Kickerei riesige Beliebtheit genießt. Segrt erzählt lachend: „Flippen hier 70000 Fans aus, ist die Atmosphäre ein wenig anders als in Deutschland.“ Auch weil die Stadien zum Teil völlig überfüllt sind: „Da teilen sich drei Leute schon mal einen Platz.“ Zudem: „Morgens interessiert nicht die Familie. Wichtig ist, wie geht’s dem PSM.“ 800000 sogenannte Supporter hat der Verein allein in Sulawesi. 16 der 22 Saisonspiele Makassars kamen live im Fernsehen.

Mit deutschen Verhältnissen ist der Fußball im viertgrößten Land der Erde nicht vergleichbar. Das fängt beim Niveau der Indonesian Premier League an und geht mit den sehr schlechten Plätzen weiter. Außerdem bedeutet für Segrt und sein Team, mit dem er sich auf Englisch und per Dolmetscher verständigt, jedes Auswärtsspiel eine aufwendige drei- bis viertägige Flugreise. Um dann festzustellen: „In der Fremde kannst du fast nicht gewinnen.“ Vor allem wegen der Schiris.

Dennoch spielte Makassar vergangene Saison unerwartet einige Zeit vorne mit. Am Ende war’s Rang sechs. Aber: „Eventuell werden wir noch Zweiter. Gegen zwei Spiele, die wir verloren haben, laufen noch Einsprüche.“ Ob der Verband aber auf die Proteste reagiert, das weiß in Indonesien keiner. Sich mit so etwas abzufinden fällt schwer, wenn man in Deutschland aufwuchs. Aber: „Wer in ein anderes Land geht, muss lernen, die dortige Kultur zu begreifen und zu leben.“

Wobei Segrt kulinarische Ausflüge in die alte Heimat durchaus schätzen und genießen kann. In dem Hotel, in dem er wohnt, kocht ein Österreicher. „Da krieg ich ab und zu Topfenstrudel, Maultaschen oder Schwarzwälder Kirschtorte aufs Zimmer.“ Und beim Blick vom Balkon auf den Pazifik verschmerzt es sogar ein am Rand des Schwarzwalds aufgewachsener Schwabe, dass der Torte in dem streng muslimischen Land das Kirschwasser fehlt. Zumal er in Georgien deutlich Schlimmeres überstehen musste.