Neues Licht für Straßen und Wege

LED-Technik bietet viele Vorteile – Drei Backnanger Firmen stellen Straßenleuchten her – Umrüstung von Gas auf LED läuft schon

Der LED gehört die Lampenzukunft. Die energiesparende Technik hält längst Einzug in Haus, Hof und Automobilbau. Jetzt sind auch die Straßenlaternen dran. In Backnang läuft bereits die Umrüstung von Gas auf LED. Alte Stromleuchten sollen ebenfalls erneuert werden. Allein in Backnang bieten drei Hersteller LED-Straßenlampen an.

Sieht aus wie die gute alte Gaslaterne: Am Adenauerplatz wurden bereits 21 Straßenlampen mit einem LED-Einsatz versehen. Fotos: A. Wahl

Von Florian Muhl

BACKNANG. LEDs (Licht emittierende Dioden) gibt es schon lange. Seit einigen Jahren aber wurden wesentlich hellere LEDs entwickelt. So hält diese Technologie inzwischen Einzug in die allgemeine Beleuchtungstechnik. Sie bietet den Vorteil einer hohen Lichtausbeute bei niedrigem Energiebedarf. Kein Wunder, dass auch Straßenlaternen damit ausgerüstet werden. Zumeist stammen diese aus Fernost oder sind noch nicht serientauglich, weil sie beispielsweise nicht den geltenden DIN-Normen entsprechen. Mit der KS Luminance Technology GmbH, der LEIDs GmbH & Co. KG und der Syskab Nachrichtentechnik GmbH und Co gibt es allein drei Hersteller von LED-Straßenlaternen in Backnang.

Allerdings kam keines der drei innovativen Unternehmen zum Zug, als der Gemeinderat im Jahr 2008 beschloss, die 1983 installierte, gasbetriebene Beleuchtung in der Innenstadt auf Strombetrieb mit LED-Einsätzen umzurüsten. Ein Hersteller aus Düsseldorf hatte damals die Nase vorn. Insgesamt sollen bis Ende dieses Jahres ein Großteil der Gasleuchten – davon gibt es etwa 125 Stück – auf LED-Strombetrieb umgerüstet werden. In einem ersten Arbeitsgang wurden im Bereich des Adenauerplatzes bereits 21 Leuchten mit LED-Einsätzen versehen.

Die Energieeinsparung ist immens: Die Systemleistung pro Gasleuchte beträgt umgerechnet 1128 Watt, die einer auf strombetriebenen LED umgerüsteten Leuchte 24 Watt. Das heißt, eine einzige Gasleuchte verbraucht genauso viel Energie, wie 47 LED-Leuchten. Damit nicht genug: Auch die Lichtleistung wird durch die Umrüstung auf LED-Betrieb deutlich verbessert.

Backnangs Gasleuchten verbrauchen so viel Energie

wie 60 Familien an Strom

Der Gasverbrauch aller gasbetriebenen Leuchten in Backnang – umgerechnet auf Stromverbrauch – beträgt laut Pressesprecher Hannes Östreich 212831 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr. Das entspricht dem jährlichen Stromverbrauch von 60 Drei-Personen-Musterhaushalten. Der Stromverbrauch nach der Umrüstung auf LED-Betrieb liegt bei nur noch 10950 kWh/Jahr (entspricht 3 Drei-Personen-Musterhaushalten). Dies ergibt nach der Umrüstung eine CO2-Minderung von 122 Tonnen/Jahr. Für die Umrüstung sind Investitionskosten von rund 306000 Euro vorgesehen.

Roland Stampfl schwärmt von der neuen Beleuchtungstechnik. „Das ist die Zukunft“, sagt der Bauhofleiter, in dessen Zuständigkeitsbereich die Straßenbeleuchtung und damit die Auswahl der Laternen fällt. Stampfl sieht all die Vorteile der LED-Lampen, sieht aber auch deren Preis. „Die sind noch zu teuer, um sie großflächig einzusetzen“, sagt der Bauhofleiter. Um Erfahrungswerte mit der neuen Leuchtengeneration zu sammeln, wurden in den vergangenen Wochen mehrere Stromleuchten auf LED-Technik umgerüstet. So stehen in Sachsenweiler sechs Laternen mit LEDs von Philips, unter anderem auf dem Fußweg hinter der Schule. Und im sogenannten Durchlass in Backnang, im Fußwegtunnel von der Oberen Bahnhofstraße Richtung Maubacher Höhe, brennen seit wenigen Tagen keine Leuchtstoffröhren mehr, sondern Langfeld-LED-Leuchten.

Die Firma LEIDs GmbH & Co. KG, Donaustraße 22 in Backnang-Waldrems, sieht schon lange in der LED-Technik die Zukunft. Geschäftsführer Uwe Schmidt kann auf die Erfahrung des auf Weißlicht spezialisierten Herstellers Alder bauen. Alder produziert in Taiwan und verkauft seine Produkte in Europa unter dem Markennamen „Lucid Streetlight“. Für das europaweite operative Geschäft wurde die LEIDs mit Sitz in Backnang gegründet.

Das Unternehmen mit zwölf Beschäftigten vertreibt heute dank des taiwanesischen Partners lichtstarke Lampen. Der Vertrieb der Firma, die bis Mitte 2008 ihren Sitz in der Talstraße hatte, begann vor etwa einem Dreivierteljahr. In Waldrems sitzt die Denkfabrik. Bislang gab es laut Schmidt drei Produktschwerpunkte: die Industriebeleuchtung, die Beleuchtung von Einzelhandelsgeschäften und die Bürobeleuchtung. Jetzt neu dazugekommen ist die Straßenbeleuchtung.

Derzeit ist die Zulassung der Lucid-Leuchte, die es in der 40-, 80- und 120-Watt-Version gibt, beantragt; die erforderlichen Prüfungen nach VDE-Normen laufen im Prüfinstitut in Offenbach.

Die Firma Syskab NT GmbH und Co, Sulzbacher Straße 95, geht als einzige der drei Backnanger LED-Straßenlampenanbieter andere Wege. „Um auf LED-Technik umzustellen, müssen keine Straßenlampen oder komplette Gehäuse ersetzt werden“, sagt Geschäftsführer Robert Fischer, und: „Durch eine besondere Austauschtechnologie unserer Firma ist eine relativ unproblematische Umrüstung möglich.“ Die LED-Einsätze können den vorhandenen Lampen angepasst werden. So ein Einsatz, der in der 23-Watt-Version rund 300 Euro netto kostet, hat Stampfl jetzt testweise einbauen lassen, und zwar im Verbindungsweg von der Hohenheimer Straße zur Bahn an den Sportplätzen vorbei.

Seit über 30 Jahren besteht die Firma Syskab NT. Fernmeldetechnischen Ursprungs ist sie ein Entwicklungs- und Produktionsunternehmen, das sich 1976 aus der Firma Telefunken ausgegliedert hat. „Bedingt durch diesen Ursprung, stehen schon immer Innovation, Qualität und Zuverlässigkeit im Vordergrund“, so Fischer. Die Entwicklung und Herstellung der auf LED-Beleuchtungstechnik erfolgt weitgehend in Eigenproduktion.