Froh über jedes neunjährige Gymnasium

Kultusministerin Warminski-Leitheußer auf dem Roten Stuhl übers G8: Stress, der nicht einmal Erwachsenen zugemutet werden sollte

Der Rote Stuhl der SPD Weissacher Tal wird immer da aufgestellt, wo die Betroffenen eines Themas sind. „Bildungsaufbruch in Bawue: Note 2 – 3“ war dieses Mal der Titel der Veranstaltung, bei der Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer im Bildungszentrum Weissacher Tal Rede und Antwort stand.

Von Claudia Ackermann

WEISSACH IM TAL. Ein kleines Klassenzimmer war auf der Bühne bei der Sitzmulde aufgebaut. Schülersprecher berichteten von ihren Erfahrungen mit dem achtjährigen Gymnasium. Spätestens nach der 10. Klasse würde der Druck sehr hoch, viele Schüler schaffen den Stoff nicht mehr, erleben sie im Schulalltag. Den Wegfall der verbindlichen Schulempfehlung und Schüler, die überfordert sind, weil sie sich in der falschen Schulart befinden, sprach Realschulrektor Jürgen Wörner an. Leiter der Werkrealschule, Ralf Bachmeier, wies auf den Rückgang der Schülerzahlen in seiner Abteilung hin. In welche Richtung geht die Schulpolitik? In Sachen Gemeinschaftsschule wisse man nicht genau, was auf die Schulen zukommt, räumte Elternbeirat Olaf Feuchter ein. Bis 2020 sollen 11600 Lehrerstellen abgebaut werden. Wie soll man da noch gezielt fördern? Gesamtschulleiterin Monika Wagner-Hans berichtete vom Schulalltag am Bize, wo unter den drei Schularten ein großes Miteinander bestehe, und Ralf Wörner, Bürgermeister von Allmersbach im Tal und Vorsitzender des Zweckverbands, kam auf das beantragte Sport-Profil für das Bize zu sprechen. Grußworte sprach SPD-Kreisrat Jürgen Hestler im Namen der SPD Weissacher Tal.

Für die neue Landesregierung ginge es nicht darum, das Schulsystem umzukrempeln, sondern weiterzuentwickeln, betonte Ministerin Warminski-Leitheußer, die auf dem Roten Stuhl Platz genommen hatte. Viele Impulse seien noch nicht umgesetzt. Es gälte, den Entwicklungsstau zu beheben. Im Bundesvergleich gäbe es in Baden-Württemberg noch immer einen hohen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Hier gälte es, gezielt zu fördern. Im G-8-Zug leiden die Schüler unter Stress, „der nicht einmal Erwachsenen zugemutet werden sollte“, so die Ministerin. Sie sei froh über jeden Standort, an dem sie das neunjährige Gymnasium genehmigen kann. Warminski-Leitheußer sprach das Konzept der Gemeinschaftsschulen an, in denen die Schüler bis zur Klasse 10 gemeinsam unterrichtet werden. Die Gemeinschaftsschule werde niemand mehr zurückdrehen, weil sie „der Renner“ sei, so die Ministerin. Sie ging auf das Thema Lehrerstellen-Abbau ein. Von der Vorregierung habe man die Schulden als finanzielle Altlasten übernommen. Nun müssen im Bildungsbereich Schulden abgebaut werden. Es würden keine Lehrerstellen gestrichen, sondern aufgrund zurückgehender Schülerzahlen weniger gebraucht, und in diesem Zuge Stellen nicht mehr besetzt. „Die Unterrichtsversorgung im Pflichtbereich wird immer gewährleistet sein.“ Dem setzte ein Schüler entgegen, seine Klasse 10 bestehe aus 31 Schülern und Unterrichtsausfall sei an der Tagesordnung.

Im Anschluss meldeten sich Lehrer, Eltern und Schüler zu Wort. Ohne kleine Klassen sei die individuelle Förderung nicht möglich, war ein Einwand. Auch der Wegfall der verpflichtenden Grundschulempfehlung war ein Thema. Ehrgeizige Eltern würden ihre Kinder in Schulen schicken, deren Lernniveau sie nicht gewachsen sind. Eine gute Beratung ist laut Ministerin die beste Lösung, aber letztendlich sollten die Eltern entscheiden. Für eine bessere Entscheidungsgrundlage schlug eine Lehrerin eine Orientierungsstufe bis zur 6. Klasse vor. Auch das Thema Sport-Profil für das Bize wurde noch einmal aufgegriffen. Der Antrag sei bereits abgelehnt worden, weil das Bize schon zwei Profile hat. Er sei jedoch jetzt noch einmal in Prüfung, da keine Mehrkosten für den Landeshaushalt entstehen.