Manchmal ist das Glück einfach ein Hackbraten

Kinderbuchautor Josef Koller las in der Hörschbachschule – Kinder erlebten die Abenteuerreise eines tierischen Dreigespanns

Eine besonders launige und gelungene Lesung gab der Kinderbuchautor Josef Koller in der Murrhardter Hörschbachschule. In der vorgestellten Geschichte ging es mit tierischen Protagonisten um die „Reise zum Glück“.

Gut ausgerüstet: Josef Koller brachte Bilder zur Lesung mit. Einige Szenen spielte er auch einfach. Foto: J. Fiedler

Von Petra Neumann

MURRHARDT. Josef Koller versteht, wie man Kinder unterhält. Er hat große Bilder mitgebracht und einen Zauberkasten, denn in seiner Geschichte spielt auch ein Zauberer mit. Wenn er mal nicht vorliest, dann spielt er die Situationen vor und die Kinder lauschen gebannt. Beim genauen Hinhören macht sich der feine Subtext bemerkbar. Denn die tierischen Helden haben allesamt ein Handicap. Der schlaue Fuchs ist gehbehindert, weswegen er sich ein Paar Skateboards beziehungsweise Sausebretter samt einem Springseil kostenfrei organisiert. Allerdings bereitet ihm das Fahren große Probleme. Da entdeckt er einen blinden, gutmütigen Hund und stellt ihn prompt als Kutscher ein. Nur, dieser verdeckt ihm die Sicht, sodass die beiden Gefahr laufen, vom Weg abzukommen. Auf ihrer rasanten Tour entdecken sie eine Katze, die schon ergraut ist und deswegen taub. Sie bemerkt sie zunächst nicht, weil sie ihnen den Rücken zukehrt. Der Kutscher aber kann Katzen nicht leiden, und der schlaue Fuchs muss ihn beschwichtigten, denn der hat sofort den Nutzfaktor erkannt. Samtpfoten können ja sehr gut sehen. Folglich erweitert sich das Gespann. Die Katze lenkt den Hund an den Ohren, der rennt voller Freude durchs Gelände und der Fuchs kann sich beschwerdefrei bewegen. Für alle eine ganz tolle Sache, so steht der Reise ins Glück nichts mehr im Weg. Allerdings bedeutet Glück für die Tiere etwas ganz Unterschiedliches. Der Fuchs möchte es im übergeordneten Sinn erfahren, der Hund findet seines in einem Hackbraten und die Katze ist glücklich, wenn sie ernst genommen wird.

Und dann: Auf einer Wegkreuzung sitzt ein Rabe, der Unglück bringt und rechtschaffen hinterlistig ist. Auf die Frage, wo denn das Glück zu finden sei, schickt er die Truppe aus Geldgier zu einem Zauberer, der es leid ist, ohne Publikum zaubern zu müssen und deswegen dem Vogel eine ordentliche Belohnung versprochen hat. Die Höhle, in die sie gelangen, ist eigentlich schön, doch dann hat der Hund den richtigen Riecher. Die Sache stinkt. Der Fuchs wiederum ist viel zu sehr auf sein Glück fixiert, um etwas zu merken. Zunächst schaut sich die Gruppe die Zauberkunststücke an, doch statt heiß geliebtem Hackbraten kommen nur Äpfel aus dem Zauberkasten. Wie langweilig! Also machen sich die drei aus dem Staub. Wie die Geschichte weitergeht, das müssen die Kinder selbst herausfinden. Nur eines sei verraten, die nächste Begegnung wird mit einem Riesen sein...

Anschließend erzählte der Autor seinen kleinen Zuhörern noch ein wenig von seinem Arbeitsalltag. Beispielsweise wie er beim Schreiben vorgeht. Sehr vieles macht er noch handschriftlich und bekennt, dass er eine Geschichte auch oft umschreibt. Fünf Jahre habe sein erstes Werk in Anspruch genommen, schildert Josef Koller. Aus gutem Grund: Ihm ist eine rhythmische und melodische Sprache wichtig. Alles Überflüssige wird weggelassen und der Text so formuliert, dass Fantasie sich frei entfalten kann. „Oftmals müssen dann die Seiten um einen verbesserten Satz neu gruppiert werden, und wenn mir ein Satz nicht gefällt, dann warte ich so lange, bis er mir in vollendeter Form einfällt.“ Josef Koller verlegt seine Bücher selbst, um von der Planung der Verlage unabhängig sein zu können – und die Qualität seiner Geschichten stimmt.

Josef Koller: Reise zum Glück, 165 Seiten, 11Euro, ISBN-10: 393562607X, Informationen und Bestellungen unter www.jofes.de.