In England Bohrmaschinen montiert

Mechatronik-Azubi Christoph Kircher absolvierte mit dem Go-for-Europe-Programm ein Auslandspraktikum

Christoph Kircher ist Azubi – einer von vielen Hundert Azubis im Kreis. Bei der Firma Harro Höfliger Verpackungsmaschinen GmbH erlernt er den Beruf des Mechatronikers. Aber jetzt bekam er als einer von wenigen Glücklichen die Möglichkeit, in England ein vierwöchiges Auslandspraktikum zu absolvieren.

Sibylle Sock

Von Armin Fechter

ALLMERSBACH IM TAL. Tapetenwechsel hieß es für den jungen Mann aus Spiegelberg, der zurzeit im dritten Ausbildungsjahr steht. Mit den Aufgaben in seinem Beruf ist er bereits recht gut vertraut, schon bald gilt es für ihn, die Abschlussprüfung abzulegen. Doch zuvor wollte der 19-Jährige noch mal andere Luft schnuppern, einen anderen Betrieb, ein anderes Land kennenlernen und den Horizont erweitern. Mit dem Flug von Stuttgart nach London Heathrow begann für ihn das Abenteuer Auslandspraktikum. Vermittelt und organisiert wurde es von Sibylle Sock, Mitarbeiterin des gemeinnützigen Bildungsträgers BBQ und eine der Projektleiterinnen der Servicestelle Go for Europe in Esslingen, die das Auslandsprogramm für Auszubildende im gewerblich-technischen Bereich betreut.

Erste Station für Christoph Kircher war Torquay, eine Stadt im Südwesten der Insel. Die Gegend an der Küste gilt als die englische Riviera. Dort bezog er Quartier bei einer Gastfamilie. In den folgenden Tagen stand erst einmal Büffeln auf dem Programm: Um seine englischen Sprachkenntnisse aufzupolieren, besuchte der Azubi, der seinen Beruf bei Höfliger in Allmersbach im Tal lernt, die Riviera English School. In einer neunköpfigen Gruppe wurden freies Sprechen, Grammatik und Vokabeln geübt. An den Nachmittagen unternahm er gemeinsam mit anderen Praktikanten Ausflüge und eine Schiffsrundfahrt, um Land und Kultur kennenzulernen.

Dann ging es für die nächsten drei Wochen weiter westwärts nach Plymouth. Dort hatte Kircher seine Praktikumsstelle bei einer Firma namens Meddings Engineering. Das Unternehmen stellt mit rund 40 Beschäftigten Ständerbohrmaschinen und Poolheizer her.

„Die Arbeiter waren sehr freundlich und hilfsbereit und gliederten mich in den täglichen Ablauf mit ein“, resümiert Kircher. Um verschiedene Bereiche des Unternehmens kennenzulernen, durchlief er mehrere Abteilungen. Zu seinen Aufgaben zählten unter anderem die komplette Montage der Bohrmaschinen und das Verdrahten von Steuerungen der Wassererhitzer. Er fasst zusammen: „Es war für mich sehr interessant, in einem anderen Land zu arbeiten und die dortigen Umstände im Berufsleben hautnah mitzuerleben. Jederzeit würde ich ein solches Praktikum wieder machen und kann es nur weiterempfehlen.“

Auslandserfahrungen und internationale/interkulturelle Kompetenzen gehören längst zu den Anforderungen, die im Beruf gestellt werden. Das betrifft nicht mehr nur die akademische Welt, sondern in zunehmendem Maße auch Fachkräfte in den Betrieben. Gerade für ein Exportland wie Baden-Württemberg hat dies besondere Bedeutung. Aber auch für die jungen Leute selbst wird dies immer wichtiger. Denn so wie Firmen international tätig sind, verändert sich auch der Arbeitsmarkt. Die Servicestelle Go for Europe – Auslandspraktika für Auszubildende unterstützt seit 2008 die Internationalisierung der Berufsbildung im dualen Ausbildungssystem. Etliche Unternehmen aus der Region haben sich bereits mit Erfolg daran beteiligt: Alfred Giesser Messerfabrik in Winnenden, Sandvik Process Systems ZN der Sandvik Materials Technology Deutschland GmbH in Fellbach, Eisele Pneumatics GmbH und Co. KG in Waiblingen sowie Oskar Frech GmbH in Schorndorf. In diesem Jahr zum ersten Mal dabei war die Firma Harro Höfliger Verpackungsmaschinen GmbH in Almersbach im Tal.

Ziel der Servicestelle Go for Europe ist es, weitere Unternehmen zu gewinnen und die Zahl der Auszubildenden, die während der Ausbildung ein Auslandspraktikum absolvieren, zu erhöhen. Dazu gibt es dort ein umfassendes Beratungsangebot, das sich sowohl an Azubis als auch an Ausbildungsverantwortliche in Unternehmen richtet. Immerhin haben durch Go for Europe insgesamt 840 Azubis ein Betriebspraktikum in einem europäischen Land absolviert. Die Servicestelle hilft sowohl bei der Suche nach einem geeigneten Praktikumsplatz als auch bei der Antragstellung, wenn es um öffentliche Fördermittel geht.

Seit 2011 betreibt Go for Europe auch das sogenannte Incoming. Dabei fungiert die Servicestelle als Aufnahmeorganisation für Auszubildende aus dem europäischen Ausland, die ein Betriebspraktikum im Land machen möchten. Go for Europe ist ein Gemeinschaftsprojekt der baden-württembergischen Wirtschaft. Beteiligt sind der Handwerkstag, der Industrie- und Handelskammertag und der Verband der Metall- und Elektroindustrie Südwestmetall Das Projekt wird unterstützt vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.

Weitere Informationen bei BBQ Berufliche Bildung gGmbH/Südwestmetall e. V., Sibylle Sock, Martinstraße 42-44, 73728 Esslingen, Telefon 0711/310574-21, E-Mail: ssock@bbq-online.de, Internet: www.goforeurope.de.