Gesundheitszentrum nimmt Betrieb auf

Die ersten Ärzte und Geschäfte öffnen am Mittwoch ihre Pforten – In den Wochen danach geht’s Schlag auf Schlag

Am Mittwoch, 2. Januar 2013, wird’s ernst: Die Ärzte Franco Tarantini und Klaus Reinecke eröffnen als erste Mediziner ihre Praxis im Gesundheitszentrum Backnang. Und das Sanitätshaus Maier eröffnet sein Zweitgeschäft. Und dann geht es in den folgenden Wochen Schlag auf Schlag. Die Apotheke, weitere Praxen, die Bäckerei Mildenberger...

Selbst ist der Mann: Chirurg Franco Tarantini scheut auch vor der Motorsäge nicht zurück. Allerdings nur beim Ausbeinen der alten Praxis. Ein weiterer Beweis, dass sich Grob- und Feinmotorik nicht ausschließen müssen. Foto: M. Nothstein

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Wer am Tag nach den Feiertagen das Gesundheitszentrum gegenüber dem Krankenhaus gesehen hat, der wird sich wohl nur schwer vorstellen können, dass in einer Woche dort die ersten Arztpraxen und Geschäfte ihren Betrieb aufnehmen. Und doch ist es so. Es sieht auf den zweiten Blick an einigen Stellen auch schon ganz gut aus. Im ersten Obergeschoss zum Beispiel in der neuen Gemeinschaftspraxis Dr. Klaus Reinecke und Dr. Franco Tarantini. Die Böden liegen, die Einrichtung steht, die Lampen hängen. Überall stehen Umzugskisten und Inventar. Aber überall wirbeln auch Helfer und räumen ein und bauen zusammen und stellen auf. Dass hier in wenigen Tagen Röntgenaufnahmen gemacht und Verbände gewechselt werden, das kann man sich gut vorstellen. Das kommt nicht von ungefähr. Tarantini hat seine Orthopädie- und Chirurgiepraxis in der Marktstraße schon am 18. Dezember geschlossen. Seitdem wirbelt er mit seinem Helferstab, schleppt Möbel und Technikkram und Kisten und Schrott. Der Weißkittel hat Schafferklamotten an, Späne im Haar und Schweiß im Gesicht. Mit der Motorsäge zerlegt der Chirurg Regalteile, auf dass die Alt-Praxis besenrein werde. Für Tarantini nichts Besonderes. Der Geze-Pionier erklärt mit einem Lächeln im Gesicht: „Chirurg kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet Handwerk.“

Am anderen Ende der Umzugsstrecke gibt es keinen Parkplatz, keine Anfahrt, keine befestigten Wege. Durch Dreck und Staub und Handwerkerschwärme haben er und seine Helfer das Zeug in den ersten Stock geschafft. Die Mieter des Gesundheitszentrums, die später umziehen, haben diese Probleme nicht zu meistern. Denn Tag für Tag verbessert sich die Situation vor Ort deutlich. Kollege Reinecke ist inzwischen fast sogar entspannt, denn das Schlimmste liegt längst hinter ihm: „Ich gehe jetzt in die alte Praxis, wegen der Übergabe an den Vermieter.“

Zusammen mit den Chirurgen öffnet auch das Sanitätshaus Maier im Erdgeschoss am Mittwoch erstmals seine Pforten. Trotz der Neueröffnung bleibt das bisherige Stammhaus im Biegel bestehen.

Auf der anderen Seite des Foyers liegt dann die Apotheke von Thomas Förster in den letzten Zügen der Vorbereitung für die Eröffnung. Wenn alles klappt, versorgt die insgesamt 200 Quadratmeter große Filiale des Johannes-Apothekers ab Montag, 7. Januar, die Kunden mit Medikamenten. Zuvor jedoch muss der Pharmazierat des Regierungspräsidiums Stuttgart grünes Licht geben. Die Experten werden kontrollieren, ob alle Bestimmungen eingehalten wurden. Förster ist zuversichtlich, „wir sind gut vorbereitet“. Derzeit bestückt ein Automat das vollelektronische Warenlager. Der Roboter legt jede Packung in das bestmögliche Fach und holt es von dort auch wieder heraus. Die Technik sorgt für eine große Platzersparnis und optimiert die Betriebsabläufe. Bis zu 17000 Packungen können so gebunkert werden. Vier Mitarbeiter hat Förster für die neue Filiale abgeordnet, drei wurden eigens dafür eingestellt. Der Roh- und Ausbau war sehr nervenaufreibend, „aber unterm Strich hat alles geklappt“, lobt Förster den Bauträger, die Rems-Murr-Gesundheits gGmbH, und Generalbauunternehmer Uwe Weber aus Sulzbach an der Murr.

Einige Ärzte drängen, andere lassen sich alle Zeit der Welt und wollen nicht ins Unfertige ziehen

Starttermin für die Praxis für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Dres. Heinz und Katharina Lutz ist Dienstag, 8. Januar. Am Montag, 14. Januar, nehmen die neurologischen Fachärzte Dr. Gunnar Gmehling und Dr. Ulrich Bürkert sowie Psychotherapeutin Dr. Angelika Gmehling ihre Arbeit auf. Und die Bäckerei Mildenberger verkauft erstmals aus der neuen Filiale. Bernd Mildenberger hat aber eine Voraussetzung, „der Außenbereich sollte fertig sein.“ Vier Tage später, am 18. Januar, soll auch das Physiotherapiezentrum im ersten Obergeschoss eröffnen.

Ins Gesundheitszentrum einziehen werden des Weiteren die radiologische Gemeinschaftspraxis Dr. Tilmann Chiari und Dr. Sinan Tuntas. Sie werden erstmals am Montag, 4. Februar, Patienten behandeln, allerdings nur mit reduziertem Betrieb. Der Grund hierfür: Alle Großgeräte wurden neu angeschafft, in den ersten Tagen laufen daher Schulungen für die Mitarbeiter. Perfekte Diagnostik ermöglichen dann ein Kernspintomograf (MRT), ein Computertomograf (CT) und eine Gammakamera. Die Röntgenanlage ist volldigitalisiert.

Die Gemeinschaftspraxis der Allgemeinärzte Dr. Günther Ulfert und Dr. Ute Ulfert sowie Dr. Margit Beutelspacher (innere Medizin) wird Mitte Februar folgen. Ute Ulfert gibt sich ganz relaxt, „ich möchte alles unaufgeregt fertig haben, bevor die ersten Patienten kommen“. Sie hat vor vielen Jahren beim Umzug in ihre heutige Praxis schlechte Erfahrungen damit gemacht, als Erste in einen Neubau einzuziehen. Jetzt sagt sie: „Ich habe keine Not.“ Ihr Mietvertrag läuft im Gegensatz zu denen einiger Kollegen noch einige Monate weiter. Zudem denkt sie an ihre Patienten. Die können nicht mit Krücken in die Praxis kommen, wenn rundum noch gearbeitet wird. Außerdem will sie ihnen keinen Baulärm und Staub und Dreck zumuten.

Während die meisten Mieter mit dem Bauverlauf leidlich zufrieden sind, übt Dr.Anton Musial heftige Kritik. Der Urologe wollte ursprünglich recht früh seine neuen Praxisräume beziehen. Aufgrund des Baufortschritts geht er jetzt jedoch vom April als Umzugstermin aus, obwohl das für ihn doppelte Miete bedeutet. Jetzt schon einzuziehen wertet er als „Zumutung für die Patienten“. Er prognostiziert: „Da wird es noch monatelang stauben.“

Da der Operationsbereich vermutlich erst im Frühjahr seinen Betrieb aufnehmen wird, hat auch die Anästhesistin Dr. Katharina Taranienko keine Eile mit dem Umzug. Ähnlich geht es Dr. Ingo Watanpour, der die mund-, kiefer- und gesichtschirurgische Praxis im Geze betreiben wird. Und die Notfallpraxis wird eh erst umziehen, wenn das Kreiskrankenhaus auf der anderen Straßenseite seinen Betrieb völlig einstellt.

Die Kreissparkasse will im Erdgeschoss zur Stuttgarter Straße hin im Frühjahr ihre Filiale eröffnen. Zu dieser Zeit ziehen auch einige Abteilungen des Kreisjugendamts im zweiten Obergeschoss ein. Ein Hörgeräteakustiker und ein Versicherungsbüro runden das Angebot im Gesundheitszentrum ab.